Deckungsbeitragsrechnung (DB-Rechnung)

Direct Costing und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Dana Klempien, Dipl. Volkswirt Friedrich Schnepf
Die Deckungsbeitragsrechnung (DB-Rechnung) hat ihren Ursprung in den dreißiger Jahren. In den USA entwickelte sich die Erkenntnis, dass der Periodenerfolg nicht nur von den Verkaufsanstrengungen auf dem Markt, sondern auch von der Produktionsmenge abhängt. Grund ist der Fixkostenanteil in den Lagerbeständen.

Als Instrument der Teilkostenrechnung wird bei der Deckungsbeitragsrechnung in fixe und variable Kosten unterschieden. Das System der Teilkostenrechnung (die Begriffe Teilkosten- und Deckungsbeitragsrechnung werden hier synonym gebraucht), vermeidet die Mängel der Vollkostenrechnung, indem den Kostenträgern nur ein Teil der angefallenen Kosten, nämlich die variablen, zugerechnet werden.

Eine Umlage, also Verteilung der Fixkosten über Schlüssel und Zuschlagssätze auf die Kostenträger ähnlich den Gemeinkosten in der Vollkostenrechnung, findet in der Teilkostenrechnung nicht statt. Die Fixkosten werden dennoch berücksichtigt, jedoch als Ganzes (Fixkostenblock), z. B. bei der Ermittlung des Betriebsergebnisses bei der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung oder in Teilen (Fixkostengruppen) gemäß nachfolgender Untergliederung im Rahmen der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung

Fixkostenarten:
  • produktfixe Kosten – z.B. Lizenzgebühren
  • Fixkosten einer Produktgruppe – z.B. Kosten des Lagers für diese Gruppe
  • Fixkosten einer Erzeugnissparte – z.B. Gehalt des Spartenleiters

Im Mittelpunkt der Deckungsbeitragsrechnung steht die Berechnung des Deckungsbeitrages.

Definition Deckungsbeitrag

Der Gesamtdeckungsbeitrag (DB) ist definiert als Differenz zwischen Erlösen und variablen Kosten (Kv):
DB = Erlöse - Kv

Die Ermittlung des Betriebsergebnisses erfolgt in der Deckungsbeitragsrechnung, indem zunächst von den Erlösen die variablen Kosten subtrahiert werden. Das Ergebnis dieser Subtraktion wird als Gesamtdeckungsbeitrag bezeichnet. Subtrahiert man dann vom Gesamtdeckungsbeitrag sämtliche, in der Betrachtungsperiode angefallenen Fixkosten, so erhält man das Betriebsergebnis.

Erlöse
- variable Kosten (Kv)
Gesamtdeckungsbeitrag (DB)
- fixe Kosten (Kf)
= Betriebsergebnis

Unter dem Stückdeckungsbeitrag (db) versteht man die Differenz zwischen dem Preis eines Produktes (p) und seinen variablen Stückkosten (kv):
db = p - kv

Einfache Deckungsbeitragsrechnung (Direct Costing) 

Um die Deckungsbeitragsrechnung anwenden zu können, müssen zunächst die variablen von den fixen Kosten getrennt werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren:
  • Differenzen-Quotienten-Verfahren
  • das mathematische Verfahren
  • die grafische Methode

Näheres dazu in diesem Beitrag >>

Variable Kosten verändern sich bei Änderung der Produktions- bzw. Absatzmenge (Ausbringungsmenge). Sie sind damit mengenabhängige Kosten. Fixe Kosten (Fixkosten) sind in einer bestimmten Zeitperiode konstant und unabhängig von der Produktions- bzw. Absatzmenge (Ausbringungsmenge). 

Bei der einfachen Deckungsbeitragsrechnung werden zunächst von den Umsatzerlösen die variablen Kosten der einzelnen Produkte/Sparten abgezogen und der Deckungsbeitrag (DB) für das Produkt bzw. Sparte berechnet. Im weiteren Schritt werden lediglich die gesamten Fixkosten vom Gesamtdeckungsbeitrag abgezogen. Eine Differenzierung erfolgt nicht, da die Fixkosten als kurzfristig nicht beeinflussbar gelten.
  1. Die variablen Kosten einzelner Kostenstellen/-träger werden von den Umsatzerlösen abgezogen. So werden die Deckungsbeiträge jeder Kostenstelle/-träger ermittelt.
  2. Um das Betriebsergebnis zu erhalten, werden die fixen Kosten vom Deckungsbeitrag (DB) abgezogen. Sind die Deckungsbeiträge nun größer als die fixen Kosten, erzielt die Unternehmung einen Gewinn. 
  3. Umsatzerlöse
    - variable Kosten
    = Deckungsbeitrag
    - gesamte fixe Kosten der zu ermittelnden Periode
    = Betriebsergebnis

Beispiel:

  Auto A   Auto B   Gesamt  
Umsatzerlöse 250.000 € 100 % 60.000 € 100 % 310.000 € 100 %
variable Kosten 100.000 € 40 % 30.000 € 50 % 130.000 € 42 %
Deckungsbeitrag 150.000 € 60 % 30.000 € 50 % 180.000 € 58 %
fixe Kosten         120.000 € 39 %
Ergebnis         60.000 € 19 %


Problemlösungen mit der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung

Wie zu zeigen sein wird, kann ein Kostenrechnungssystem auf Vollkostenbasis bei bestimmten Problemstellungen zu falschen Entscheidungen führen. Zur Lösung der folgenden Fragestellungen sollte deshalb die Deckungsbeitragsrechnung als Entscheidungsgrundlage dienen:


Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung 

In der deutschen Wirtschaft erhöhen sich durch hohe Investitionen in Anlagen und Maschinen die fixen Kosten. In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung wurden diese als Block behandelt. Um dieser Intransparenz aus dem Weg zu gehen, wurde von Agthe die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung entwickelt. Hierbei werden die entstandenen Fixkosten in einzelne Teilblöcke untergliedert.

Dazu werden Bezugsgrößen definiert, denen sich die Fixkosten direkt zurechnen lassen. Dazu wird eine Unterscheidung der Fixkosten vorgenommen. Unter produktfixen Kosten werden diejenigen verstanden, die genau einem Produkt zugeordnet werden können (z.B. Maschine in der Produkt A gefertigt wird). Fixe Kosten die zumindest einem Unternehmensbereich, z.B. einer Produktgruppe, zugeordnet werden können, werden als bereichsfixe (produktgruppenfixe) Kosten bezeichnet. Allgemeine Fixkosten, auch unternehmensfixe Kosten genannt, können weder dem Produkt, noch der Produktgruppe eines Bereichs zugeordnet werden (z.B. Gehälter der Verwaltungsmitarbeiter).

Grundschema der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung:

  Motorrad Auto A Auto B LKW A LKW B Gesamt
Umsatzerlöse 50.000 € 100.000 € 150.000 € 75.000 € 95.000 € 470.000 €
variable Kosten 10.000 € 50.000 € 100.000 € 45.000 € 80.000 € 285.000 €
Deckungsbeitrag I 40.000 € 50.000 € 50.000 € 30.000 € 15.000 € 185.000 €
produktive Kosten 10.000 € 30.000 € 35.000 € 10.000 € 20.000 € 105.000 €
Deckungsbeitrag II 30.000 € 20.000 € 15.000 € 20.000 € -5.000 € 80.000 €
bereichsfixe Kosten 20.000 €   20.000 €   10.000 € 50.000 €
Deckungsbeitrag III 10.000 €   15.000 €   5.000 € 30.000 €
unternehmensfixe Kosten           9.000 €
Betriebsergebnisse           21.000 €


Praxis-Beispiele

Beispiel 1:

Ein Unternehmen stellt Regalwände aus drei verschiedenen Rohstoffen her, aus Holz, Kunststoff und Metall. Die Holzregale werden auf Maschine A, die Kunststoffregale auf Maschine B und die Metallregale auf Maschine C gefertigt. Damit stellen die von den drei Maschinen verursachten Fixkosten so genannte Produktfixkosten oder Erzeugnisfixkosten dar, weil sie unmittelbar im Zusammenhang mit der Herstellung eines bestimmten Produktes auftreten.

Werden nun die Holz- und Kunststoffregale in Halle X gefertigt und die Metallregale in Halle Y, so stellen die kalkulatorischen Abschreibungen auf die Halle X Erzeugnisgruppenfixkosten dar, weil sie den Produkten Holz- und Kunststoffregal gemeinsam zuzurechnen sind. Weiterhin gibt es Unternehmensfixkosten wie das Gehalt des Geschäftsführers usw, die allen hergestellten Produkten zuzurechnen sind.

Wird der Fixkostenblock auf die soeben beschriebene Weise unterteilt, kann die Ermittlung des Betriebsergebnisses nach dem folgenden Schema erfolgen:

  Holz Kunststoff Metall Gesamt
Erlöse 420.000 260.000 190.000 870.000
– Kv 230.000 130.000 110.000 470.000
= DB I 190.000 130.000 80.000 400.000
– Erz. Kf 115.000 70.000 30.000 215.000
= DB II 75.000 60.000 50.000 185.000
– Grupp. Kf 80.000 40.000 120.000
= DB III 55.000 10.000 65.000
– Untern. Kf 40.000 40.000
BEK 25.000 25.000

Der Deckungsbeitrag I zeigt wie bei der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung auch, welchen Beitrag die drei Produkte jeweils zur Deckung der Fixkosten geleistet haben. Der Deckungsbeitrag II zeigt dann, ob die Produkte nur ihre eigenen Fixkosten decken konnten, oder ob Sie noch einen positiven Beitrag zur Deckung der restlichen Fixkosten leisten konnten. Erwirtschaftet eine Produktgruppe beispielsweise einen negativen DB III, so ist zu prüfen, ob diese Produktgruppe noch weiter hergestellt werden soll.

Beispiel 2:

Ein Unternehmen stellt die vier Produkte A, B, C und D her. A und B bilden eine Produktgruppe und C und D bilden ebenfalls eine Produktgruppe. Zu allen vier Produktarten liegen die folgenden Kostendaten vor:

  A B C D
Marktpreis 7,00 6,00 5,00 6,00
Produzierte Menge 1.000 1.000 1.000 1.000
variable Einzelkosten 3,70 2,50 0,90 1,00
variable Gemeinkosten 1,30 1,50 0,70 0,40
Erzeugnisfixe / Stück 0,60 0,40 1,20 1,80

An Erzeugnisgruppenfixkosten sind für A und B 1.500 € entstanden und für C und D 4.500 €. Die Unternehmensfixkosten belaufen sich auf 300 €. Ermittlung des Betriebsergebnisses durch mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung:

  A B C D
Erlöse 7.000 6.000 5.000 6.000
- Kv 5.000 4.000 1.600 1.400
= DB I 2.000 2.000 3.400 4.600
- Erz. Kf 600 400 1.200 1.800
= DB II 1.400 1.600 2.200 2.800
- Grupp. Kf 1.500 4.500
= DB III 1.500 500
- Untern. Kf 300
BEK 1.700
  
Die Entscheidung über die Förderung eines Einzelerzeugnisses wird auf Grund des Deckungsbeitrags II getroffen. Damit ist im obigen Beispiel das Erzeugnis D mit dem höchsten DB II von 2.800 € zu fördern. Bei den Erzeugnisgruppen wäre dann allerdings die Gruppe mit den Erzeugnissen A und B wegen des höheren DB III zu fördern.

Beispiele in Excel zum Download:

Erkenntnisse aus der Deckungsbeitragsrechnung

  • Auf welche Produkte (-gruppen) sollte sich der Betrieb am Meisten konzentrieren?
  • Welche Produkte sind unwirtschaftlich?
  • Was ist die absolute Preisuntergrenze? (var. Kosten gerade so gedeckt)
  • Selber produzieren, oder beim Lieferanten bestellen?
  • Zusatzaufträge annehmen?
  • Wann wird die Gewinnschwelle erreicht → Produktionsplanung, Absatzplanung?

Fazit

Die Deckungsbeitragsrechnung ist sehr gut geeignet, um für einzelne Produkte bzw. Produktgruppe den Betrag zu ermitteln, den diese zum Betriebsergebnis beitragen. Weiterhin gibt die Deckungsbeitragsrechnung Auskunft über die Kostenstruktur im Unternehmen und wie diese aufgegliedert wird. Somit kann der Controller mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung Vorschläge erarbeiten, die eine effizientere Produktion ermöglichen.

Ein Produkt z.B., aufgrund eines negativen Deckungsbeitrages III aus dem Sortiment zu entfernen, obwohl die variablen und fixen Kosten des Produktes vollständig gedeckt waren, kann sich negativ auf das gesamte Unternehmensergebnis auswirken. Die Deckungsbeiträge, die das Produkt bisher erzielt hat, würden zur Deckung der bereichsfixen Kosten fehlen und müssten von anderen Produkten mitgetragen werden. Das Betriebsergebnis würde sinken. Produkte, die keinen positiven Deckungsbeitrag I erzielen – also noch nicht einmal die variablen Kosten decken, könnten jedoch für eine Streichung aus dem Sortiment, in Erwägung gezogen werden. Das Betriebsergebnis könnte dadurch zunehmen.

Jedoch sollte beachtet werden, dass die Deckungsbeitragsrechnung als alleiniges Entscheidungskriterium für eine Sortimentsentscheidung nicht ausreichend sein kann. So können Entscheidungen, die nur aufgrund des Deckungsbeitrages eines Produktes getroffen wurden, zu einem Rückgang des Betriebsergebnisses führen. 

So Können Produkte, die noch nicht einmal die variablen Kosten decken (negativer Deckungsbeitrag I) – also eigentlich aus dem Sortiment entfernt werden sollten – positive Auswirkungen auf die Absatzzahlen anderer Produkte des Sortiments haben (z.B. Drucker hat negativen Deckungsbeitrag I, Druckpatronen liefern jedoch hohe Deckungsbeiträge).

Würde das Produkt mit dem negativen Deckungsbeitrag I aus dem Sortiment entfernt werden, könnten in Folge andere Produkte, die zuvor sehr hohe Deckungsbeiträge erwirtschaftet haben, schlechter abschneiden. Zu beachten ist auch, inwieweit evtl. kurzfristig stärkere Marketingaktivitäten ein Produkt oder eine Produktgruppe zusätzlich belastet haben. Werden derartige kurzfristige Effekte nicht beachtet, könnten Fehlentscheidungen die Folge sein.




letzte Änderung Dana Klempien, Dipl. Volkswirt Friedrich Schnepf am 04.04.2023
Bild:  Bildagentur PantherMedia / realinemedia

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10.10.2017 20:19:36 - Gast

im 2. beispiel ist der DB3 von LKW B falsch. das müssten -15.000 sein, damit ändert sich dann auch das Betriebsergebnis!
[ Zitieren | Name ]

22.08.2020 11:55:07 - CP1

Ist nicht falsch! Die bereichsfixen Kosten belasten den DB II von  LKW A und LKW B. Der DB II von LKW A und B zusammen ergibt  15.000 abzgl. 10.000 bereichsfixe Kosten = 5.000.
[ Zitieren | Name ]

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