Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung hat ihren Ursprung in den dreißiger Jahren. In den USA entwickelte sich die Erkenntnis, dass der Periodenerfolg nicht nur von den Verkaufsanstrengungen auf dem Markt, sondern auch von der Produktionsmenge abhängt. Grund ist der Fixkostenanteil in den Lagerbeständen. (1) Wie der Name sagt, sind diese Kosten fix. Erhöht sich nun c.p. die Produktionsmenge fällt der relative Fixkostenanteil pro Stück und der Periodenerfolg steigt.

Fixkostenarten: 

  • Produkt fixe Kosten – z.B. Lizenzgebühren
  • Fixkosten einer Produktgruppe – z.B. Kosten des Lagers für diese Gruppe
  • Fixkosten einer Erzeugnissparte – z.B. Gehalt des Spartenleiters (2)


Ursprünglich stellt der Deckungsbeitrag (DB) somit die Differenz aus Erlös und variablen Kosten dar. Es wird in stückbezogenen und erzeugnisbezogenen DB unterschieden. Der Stückdeckungsbeitrag (d) stellt die Differenz aus Stückpreis (P) und den variablen Stückkosten (kv) dar. (3)

        d= P – kv

Der Erzeugnisdeckungsbeitrag (D) (in Bezug auf die Summe alle verkauften Erzeugnisse) stellt somit die Differenz aus dem Gesamterlös eines Erzeugnisses (E) und den dazugehörigen gesamten variablen Kosten (Kv) dar.

        D= E – Kv        ferner   D = d * x                       (x = Menge)


2. Einfache Deckungsbeitragsrechnung (Direct Costing)

Hierbei werden lediglich die gesamten Fixkosten vom Gesamtdeckungsbeitrag abgezogen. Eine Differenzierung erfolgt nicht, da die Fixkosten als kurzfristig nicht beeinflussbar gelten. (4)

  1. Die variablen Kosten einzelner Kostenstellen/-träger werden von den Umsatzerlösen abgezogen. So werden die Deckungsbeiträge jeder Kostenstelle/-träger ermittelt.

  2. Um das Betriebsergebnis zu erhalten, werden die fixen Kosten vom Deckungsbeitrag (DB) abgezogen. Sind die Deckungsbeiträge nun größer als die fixen Kosten, erzielt die Unternehmung einen Gewinn.  

               Umsatzerlöse                         
            -  variable Kosten der  Erzeugnisse
            ----------------------------------------------------------
            = Deckungsbeitrag
            -  gesamte fixe Kosten der zu ermittelnden Periode
            ----------------------------------------------------------
            = Betriebsergebnis

Beispiel:



3. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der deutschen Wirtschaft erhöhen sich durch hohe Investitionen in Anlagen und Maschinen die fixen Kosten. In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung wurden diese als Block behandelt. Um dieser Intransparenz aus dem Weg zu gehen, wurde von Agthe die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung entwickelt. (5)

Hierbei werden die entstandenen Fixkosten in einzelne Teilblöcke untergliedert. Dazu werden Bezugsgrößen definiert, denen sich die Fixkosten direkt zurechnen lassen. (6)  Dazu wird eine Unterscheidung der Fixkosten vorgenommen. Unter produktfixen Kosten werden diejenigen verstanden, die genau einem Produkt zugeordnet werden können (z.B. Maschine in der Produkt A gefertigt wird). Fixe Kosten die zumindest einem Unternehmensbereich, z.B. einer Produktgruppe, zugeordnet werden können, werden als bereichsfixe (produktgruppenfixe) Kosten bezeichnet. Allgemeine Fixkosten, auch unternehmensfixe Kosten genannt, können weder dem Produkt, noch der Produktgruppe eines Bereichs zugeordnet werden (z.B. Gehälter der Verwaltungsmitarbeiter).


Beispiel:


weitere Beispiele:


4. Erkenntnisse aus der Deckungsbeitragsrechnung

  • Auf welche Produkte (-gruppen) sollte sich der Betrieb am Meisten konzentrieren?
  • Welche Produkte sind unwirtschaftlich?
  • Was ist die absolute Preisuntergrenze? (var. Kosten gerade so gedeckt)
  • Selber produzieren, oder beim Lieferanten bestellen?
  • Zusatzaufträge annehmen?
  • Wann wird die Gewinnschwelle erreicht → Produktionsplanung, Absatzplanung?


5. Fazit

Die Deckungsbeitragsrechnung ist sehr gut geeignet, um für einzelne Produkte bzw. Produktgruppe den Betrag zu ermitteln, den diese zum Betriebsergebnis beitragen. Weiterhin gibt die Deckungsbeitragsrechnung Auskunft über die Kostenstruktur im Unternehmen und wie diese aufgegliedert wird. Somit kann der Controller mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung Vorschläge erarbeiten, die eine effizientere Produktion ermöglichen.

Ein Produkt z.B., aufgrund eines negativen Deckunsgbeitrages III aus dem Sortiment zu entfernen, obwohl die variablen und fixen Kosten des Produktes vollständig gedeckt waren, kann sich negativ auf das gesamte Unternehmensergebnis auswirken. Die Deckungsbeiträge, die das Produkt bisher erzielt hat, würden zur Deckung der bereichsfixen Kosten fehlen und müssten von anderen Produkten mitgetragen werden. Das Betriebsergebnis würde sinken. Produkte, die keinen positiven Deckungsbeitrag I erzielen – also noch nicht einmal die variablen Kosten decken, könnten jedoch für eine Streichung aus dem Sortiment, in Erwägung gezogen werden. Das Betriebsergebnis könnte dadurch zunehmen.

Jedoch sollte beachtet werden, dass die Deckungsbeitragsrechnung als alleiniges Entscheidungskriterium für eine Sortimentsentscheidung nicht ausreichend sein kann. So können Entscheidungen, die nur aufgrund des Deckungsbeitrages eines Produktes getroffen wurden, zu einem Rückgang des Betriebsergebnisses führen.  So Können Produkte, die noch nicht einmal die variablen Kosten decken (negativer Deckungsbeitrag I) – also eigentlich aus dem Sortiment entfernt werden sollten – positive Auswirkungen auf die Absatzzahlen anderer Produkte des Sortiments haben (z.B. Drucker hat negativen Deckungsbeitrag I, Druckpatronen liefern jedoch hohe Deckungsbeiträge). Würde das Produkt mit dem negativen Deckunsgbeitrag I aus dem Sortiment entfernt werden, könnten in Folge andere Produkte, die zuvor sehr hohe Deckungsbeiträge erwirtschaftet haben, schlechter abschneiden. Zu beachten ist auch, inwieweit evtl. kurzfristig stärkere Marketingaktivitäten ein Produkt oder eine Produktgruppe zusätzlich belastet haben. Werden derartige kurzfristige Effekte nicht beachtet, könnten Fehlentscheidungen die Folge sein.



Quellen:
(1) vgl. Weber, 2004, S. 209.
(2) vgl. ebenda
(3) vgl. Joos-Sachse, 2002, S. 143.
(4) vgl. Joos-Sachse, 2002, S. 144.
(5) vgl. Czenskowsky, Schünemann, Zdrowomyslaw, 2004, S. 218.
(6) vgl. Joos-Sachse, 2002, S.144 f.


letzte Änderung Dana Klempien am 31.08.2017
Erstellt: 26.08.2008 09:59:13
Geändert: 31.08.2017 15:27:10

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