Historische Entwicklung des Controllings

Controlling - Historische Entwicklung, inhaltliche Ausgestaltung und internationaler Vergleich, Teil 1 von 3

Prof. Dr. Volker Steinhübel
 

Die Ursprünge des Controllings finden sich im angelsächsischen Raum: Bereits im 15. Jahrhundert gab es am englischen Königshof einen "Controllour" mit der Aufgabe, Aufzeichnungen über ein- und ausgehende Gelder und Güter zu führen. 1778 wurde in den USA durch Gesetz das Amt des „Comptrollers“ geschaffen, welcher über das Gleichgewicht zwischen dem Staatsbudget und den vorgenommenen Staatsausgaben zu wachen hatte.

Im Jahre 1880 richtete die Atchison, Topeka & Santa Fe Railway System erstmals auch in einem Unternehmen die Stelle eines Comptrollers ein. 1892 hat dann die General Electric Company als erstes Unternehmen die Stelle des Controllers eingeführt. 1931 wurde das "Controller´s Institute of America" gegründet, das seit 1962 als FEI (Financial Executives Institute) firmiert.

Die Verbreitung des Controllings blieb jedoch zunächst weitgehend auf die US-amerikanische Wirtschaft begrenzt. Erst mit der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Niederlassung amerikanischer Tochterunternehmen in Europa, und speziell in der Bundesrepublik Deutschland, begann das Controlling auch in Mitteleuropa zunehmend Fuß zu fassen und sich sowohl sektoral als auch funktionell auszubreiten.

Bis in die sechziger Jahre hinein bestand jedoch - vor allem in der Wissenschaft - eine weit verbreitete Skepsis gegenüber dem Controlling. Die Anwendung des Controllings war dabei zunächst weitgehend auf Industriebetriebe begrenzt. Insofern entwickelte sich zunächst ein "Industriecontrolling", verbunden mit der Vorstellung, dass die Übertragung dieses Konzepts auf andere Branchen nicht möglich sei.

Mit der wachsenden Verschärfung des Wettbewerbs begann jedoch in immer mehr Institutionen die Suche nach neuen Formen effizienter, ökonomischer Steuerung. Als bestgeeignete Lösung hierzu bot sich das Controlling an. In der Folge entwickelten sich Mitte der 80er Jahre im Dienstleistungssektor, d. h. im Handel, in den Banken und in den Versicherungen ein Dienstleistungscontrolling, gegen Ende der 80er Jahre in den Sozialwirtschaften ein Sozialwirtschaftscontrolling

Mit Beginn der 90er Jahre gab es in den öffentlichen Verwaltungen ein Verwaltungscontrolling, das jedoch weitgehend mit dem Begriff Neue Steuerungsinstrumente (NSI) bezeichnet wurde. Mitte der 90er Jahre ist der Controlling-Gedanke zudem auch von kulturellen Einrichtungen wie Theatern und Museen, von Kirchen, Sportvereinen sowie von Gewerbetreibenden in Dienstleistungsbereichen, wie Arztpraxen, Kanzleien, Handwerker usw., aufgegriffen worden.

Neben dieser sektoralen Ausweitung vollzog sich in den letzten zwanzig Jahren auch in den jeweiligen Organisationen eine interne Differenzierung in der Umsetzung des Controllings. Im Gegensatz zum klassischen Rechnungswesen, welches in der kaufmännischen Verwaltung zentralisiert eingegliedert und weitgehend isoliert betrieben wurde, hat sich das Controlling in vielen Fällen dezentralisiert ausgegliedert und dabei weitgehend in alle betrieblichen Funktionen des Unternehmens integriert. Entsprechend gibt es heute in der Praxis ein Vertriebscontrolling, Produktionscontrolling, Beschaffungscontrolling, Finanzcontrolling, Personalcontrolling, Bildungscontrolling, Marketingcontrolling, Innovationscontrolling, Logistikcontrolling, Forschungs- und Entwicklungscontrolling, Public Relations-Controlling usw..

Es lässt sich also feststellen, dass sich die Idee des Controllings in allen wesentlichen Sektoren der Gesellschaft wie aber auch in allen wichtigen Aufgabenfeldern von Betrieben und Institutionen verbreitet hat. Im Bereich der Theorie wurde die lange währende Zurückhaltung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Controlling erst Ende der 70er Jahre aufgegeben. Als Anzeichen dafür können die Einrichtung von Controlling-Lehrstühlen sowie die Einführung von Lehrveranstaltungen mit der Bezeichnung "Controlling" genannt werden.

Bezüglich dieser theoretischen Fundierung und der praktischen Durchsetzung des Controllings haben einzelne Persönlichkeiten wie aber auch Beratungsgesellschaften entscheidende Beiträge geleistet. Zu den Pionieren des Controllings im deutschsprachigen Raum zählen vor allem Rainer Bramsemann, Albrecht Deyhle, Günter Ebert, Rolf Eschenbach, Dietger Hahn, Péter Horváth, Rudolf Mann, Elmar Mayer und Thomas Reichmann.

Letzte Änderung W.V.R am 10.02.2026

Autor(en): Prof. Dr. Volker Steinhübel
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