Kalkulation mit Normalzuschlagsätzen

Dipl. Volkswirt Friedrich Schnepf
Der BAB wird jeden Monat aus den Zahlen des Vormonats neu erstellt. Meist werden die mit Hilfe des BAB errechneten Zuschlagsätze, die so genannten Ist-Zuschlagsätze, von Monat zu Monat schwanken, da sich sowohl die Zuschlagsgrundlagen (Einzelkosten) wie auch die Gemeinkosten ändern. Durch diese Schwankungen würde die Kalkulation ihre feste Grundlage verlieren, da in jedem Monat mit anderen Zuschlagssätzen zu rechnen wäre. Außerdem kann mit der Abgabe eines Angebots nicht gewartet werden, bis die Istkosten vorliegen.

In der Praxis ersetzt man die nur für die Kostenkontrolle wichtigen Ist-Zuschlagsätze durch Normal-Zuschlagsätze (Soll- Zuschlagsätze). Die aufgrund der Normal-Zuschlagsätze verrechneten Gemeinkosten heißen entsprechend Normal- Gemeinkosten oder Soll-Gemeinkosten.

Ein Vergleich zwischen Ist- und Normalkosten dient einerseits der Kostenkontrolle in den einzelnen Verantwortungsbereichen (Kostenstellen) andererseits der Kontrolle der Kosten bei der Herstellung einzelner Produkte (Kostenträger).


Die Ermittlung der Normalzuschläge erfolgt z. B. durch Bildung des Durchschnitts der Ist-Zuschläge der letzten 6 oder 12 Monate.

Liegen die Normalkosten über den Istkosten, spricht man von Kostenüberdeckung.

Liegen die Normalkosten unter den Istkosten, spricht man von Kostenunterdeckung.

Normalkosten > Istkosten = Überdeckung
Normalkosten < Istkosten = Unterdeckung

Am Beispiel eines BAB sieht das wie folgt aus:


Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
Hilfs- und Betr.-Stoffe 4.000 8.000 - -
Gehälter 2.500 2.500 12.500 12.500
Sozialkosten 250 7.250 1.250 1.250
AfA 3.200 6.400 4.800 1.600
Zinsen 5.000 10.000 3.000 2.000
Summe: 14.950 34.150 21.550 17.350
Zuschlagsgrundlage 100.000 70.000 224.100 224.100
Ist-Zuschlagssatz 14.95 % 48,79 % 9,62 % 7,74 %

Unterstellen wir weiterhin die folgenden Normalzuschlagsätze:

    Norm-Zuschl.
Material 12,00 %
Fertigung 55,00 %
Verwaltung 10,00 %
Vertrieb 5,00 %

Nun lässt sich der BAB wieder um drei Zeilen erweitern:


Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
Hilfs- und Betr.-Stoffe 4.000 8.000 - -
Gehälter 2.500 2.500 12.500 12.500
Sozialkosten 250 7.250 1.250 1.250
AfA 3.200 6.400 4.800 1.600
Zinsen 5.000 10.000 3.000 2.000
Summe: (Ist-Gemeinkosten) 14.950 34.150 21.550 17.350
Zuschlagsgrundlage 100.000 70.000 224.100 224.100
Ist-Zuschlagssatz 14.95 % 48,79 % 9,62% 7,74 %
Normal-Zuschlagssatz 12,00 % 55,00 % 10,00 % 5,00 %
Normal-Gemeinkosten 12.000 38.500

Über-/ Unterdeckung -2.950 4.350  

In die erste neue Zeile werden die Normalzuschlagsätze eingetragen. Die Normalgemeinkosten ergeben sich dann durch Multiplikation der Normalzuschlagsätze mit den entsprechenden Zuschlagsgrundlagen. Die Über-/Unterdeckung wird ermittelt, indem von den Normalgemeinkosten die Ist-Gemeinkosten subtrahiert werden. Ist das Ergebnis negativ, liegt in dem entsprechenden Kostenbereich eine Unterdeckung vor, im umgehrten Fall handelt es sich um eine Überdeckung (positives Vorzeichen).

Nun müssen in einer Nebenrechnung die Herstellkosten des Umsatzes auf Normalkostenbasis ermittelt werden:

  Ist-Kosten Normalkosten
  in € in Prozent in € in Prozent
MEK     100.000
  100.000
MGK 14.950 14,95 % 12.000 12,00 %
FEK 70.000 70.000
FGK 34.150 48,79 % 38.500 55,00 %
HK der Produktion 219.100
220.500
+ Bestandsminderung 20.000
20.000
– Bestandsmehrung 15.000
15.000
HK des Umsatzes 224.100 225.500
+ VwGk 21.550 9,62 %
+ VtGk 17.350 7,74 %
Selbstkosten des Umsatzes 263.000

Die Herstellkosten des Umsatzes, ermittelt auf Normalkostenbasis, belaufen sich also auf 225.500 €. Multipliziert man nun diesen Wert mit den Normalzuschlagsätzen des Verwaltungs- und Vertriebsbereiches, so erhält man die Normalgemeinkosten der beiden Bereiche sowie die Über- und Unterdeckung.


Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
Hilfs- und Betr. Stoffe 4.000 8.000 - -
Gehälter 2.500 2.500 12.500 12.500
Sozialkosten 250 7.250 1.250 1.250
AfA 3.200 6.400 4.800 1.600
Zinsen 5.000 10.000 3.000 2.000
Summe: (Ist-Gemeinkosten) 14.950 34.150 21.550 17.350
Zuschlagsgrundlage 100.000 70.000 224.100 224.100
Ist-Zuschlagssatz 14.95% 48,79% 9,62 % 7,74 %
Normal-Zuschlagssatz 12,00% 55,00% 10,00 % 5,00 %
Normal-Gemeinkosten 12.000 38.500 22.550 11.275
Über-/ Unterdeckung -2.950 4.350 1.000 -6.075
Über-/ Unterdeckung insgesamt -3.675

Nun erfolgt noch die Vervollständigung des Kalkulationsschemas:

  Ist-Kosten Normalkosten Über-/Unterdeckung
  in € in Prozent in € in Prozent in €
MEK 100.000
  100.000 -2.960
MGK 14.950 14,95 % 12.000 12,00 %
FEK 70.000 70.000
FGK 34.150 48,79 % 38.500 55,00 % 4.360
HK der Produktion 219.100
220.500
+ Bestandsminderung 20.000
20.000
– Bestandsmehrung 15.000
15.000
HK des Umsatzes 224.100 225.500
+ VwGk 21.550 9,62 % 22.550 10,00 % 1.000
+ VtGk 17.350 7,74 % 11.275 5,00 % -6.075
Selbstkosten des Umsatzes 263.000
259.325 -3.675

Die Zeile Über-/Unterdeckung im BAB muss selbstverständlich die gleichen Werte aufweisen wie die Spalte Über- /Unterdeckung im Kalkulationsschema.

Der Vergleich zwischen Normal- und Ist-Kosten kann nun zur Wirtschaftlichkeitskontrolle in den verschiedenen Verantwortungsbereichen (Kostenstellen) herangezogen werden.

Aufgaben zum Kapitel "Kalkulation mit Normalzuschlagsätzen" >>




letzte Änderung E.R. am 29.09.2024
Autor:  Dipl. Volkswirt Friedrich Schnepf

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