Kosteneffizienz und überlegenen Kundennutzen schaffen durch strategisches IT Management

Der Autor beschreibt einen pragmatischen Ansatz, wie es mit Hilfe eines strategischen IT-Managements gelingen kann, ein hohes Maß an Kundennutzen zu bieten und gleichzeitig Kostendisziplin zu wahren. Dies setzt einen top-down gesteuerten Prozess mit einem mittelfristigen Zeithorizont voraus, an dem sich auch das Business intensiv beteiligt. Das Konzept setzt auf der Produkt-Markt-Strategie des Business auf und kaskadiert hinunter bis zur methodischen Unterstützung durch Quality Function Deployment und Target Costing. Der Fokus liegt dabei auf Einfachheit und Machbarkeit mit Bordmitteln.

Problem: die IT verursacht zu hohe Kosten

Größere IT-Landschaften mit weit mehr als hundert Applikationen haben die unvermeidliche Eigenschaft im Laufe der Zeit zu wachsen, im schlimmsten Fall unkontrolliert. Häufig ist dies abhängig von der Dynamik des Marktes, der Größe des Unternehmens und der Häufigkeit von Umstrukturierungen. Nicht unterschätzt werden darf auch das Bestreben der verschiedenen Organisationseinheiten, sich selbst immer weiter zu optimieren. Je fragmentierter die Arbeitsteilung, umso mehr spreizen sich die innerbetrieblichen Prozesse auf und desto größer ist die Gefahr, dass es zu ausufernden IT-Anwendungen kommt. Dies ist eine der klassischen Ausprägungen des Parkinson’schen Gesetzes.

Hinzu kommt die Problematik der Zielsteuerung der diversen operativen Einheiten. Die verschiedenen Organisationseinheiten haben in der Regel Performanceziele, z. B. Umsatz, Anzahl Neukunden etc., sowie einen Budgetrahmen. Es besteht zumindest die Gefahr, dass, solange Budget vorhanden ist, alles geordert wird was hilft, die Ziele zu erreichen. Das resultiert häufig im sogenannten Customizing von Standardsoftware. Hierbei geht es nicht um Konfiguration und Parametrisierung sondern um die funktionale Erweiterung und Änderung von Standardsoftware, um der ‚einzigartigen Besonderheit‘ des eigenen Geschäftes Rechnung zu tragen.
Gerade im Customizing gilt es immer wieder abzuwägen, ob diese zusätzliche Funktionalität wirklich einen Beitrag zur Steigerung des Unternehmenswertes leistet und inwieweit die Kosten-Nutzen-Relation gewahrt ist. Die Gefahr, die (Kosten-)Büchse der der Pandora zu öffnen ist recht groß. Denn hat man das Customizing erst einmal zugelassen, gibt es kein Zurück mehr.

Das Kostenproblem wird noch mal um eine Dimension erhöht, wenn neue Applikationen angeschafft werden. Sie lösen eine wahre Kostenlawine aus. Die einmaligen Anschaffungskosten sind dabei das kleinere Problem. Es sind vielmehr die laufenden Kosten für Lizenzen, SW Anpassungen bzw. Weiterentwicklung, Schnittstellenanpassungen an die übrige IT-Umgebung, laufende Kosten für SW Maintenance, Servicemanagement, HW-Betrieb usw.

Und wer kümmert sich um das Retirement von Applikationen, die den technologischen Ansprüchen nicht mehr genügen oder deren Marktbezug (Kunden, Transaktionen) auf Nischenformat geschrumpft ist? Warum sollte das Business ihrer Abschaltung zustimmen, solange sie noch einen Deckungsbeitrag erwirtschaften? Warum Budgetmittel für Abschaltung hergeben, wenn es doch schon für Neuentwicklungen nicht reicht?

Hier offenbart sich auch das Paradoxon der IT in Bezug auf ihren Nutzennachweis: den Umsatz verbucht der Vertriebsleiter, die Kosten dafür landen in der IT. Es ist einfach zu sagen, die IT kostet zu viel. Es lohnt sich, auch einmal hinter die Kulissen schauen und sich zu fragen, wodurch diese Kosten ausgelöst werden.

Die IT gerät durch solche Entwicklungen in ein Dilemma: einerseits ist sie Dienstleister und muss (immer schneller) liefern was das Business verlangt, andererseits wird sie aber auch für den Kostenaufwuchs verantwortlich gemacht. Die operativen IT-Bereiche sind schlicht damit überfordert, im Tagesgeschäft ständig abzuwägen, ob eine Anforderung wirklich zu höherem Kundennutzen bzw. Prozessoptimierung führt oder ob es ‚nice to have‘ -Anforderungen sind.

In einem solchen Szenario hilft nur eines: einen brauchbaren Ordnungsrahmen schaffen und eine wirksame IT-Governance einführen, die den Anforderungen des Tagesgeschäftes Stand hält, d.h. die Prinzipien einer kosteneffizienten IT einzuhalten ohne den Kundennutzen zu opfern.

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letzte Änderung W.V.R. am 18.04.2018
Autor(en):  Rüdiger Hoffmann
Bild:  panthermedia.net / dearza

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