Finanzkennzahlen für Berichtswesen und Reporting

4. Teil der Serie Reporting 1×1: Was für Berichte im Controlling wichtig ist!

Jörgen Erichsen
Es gibt kaum ein Berichtswesen, das ohne Kennzahlen auskommt. Kein Wunder, denn mit Kennzahlen lassen sich komplexe Themen in der Regel leichter verständlich transportieren. Oft ist es sogar so, dass Kennzahlen, gegebenenfalls mit Visualisierungen, das Berichtswesen vollständig dominieren und reine Zahlen- oder Textdarstellungen trotz ihrer genannten grundsätzlichen Berechtigung nur eine untergeordnete Rolle spielen.


Was sind Kennzahlen?

Kennzahlen sind numerische Informationen, mit denen komplexe Sachverhalte zusammengefasst und übersichtlich dargestellt werden, oft mit nur einer abschließenden Ausprägung, etwa einem Prozentwert. Kennzahlen ermöglichen es, nicht nur Entwicklungen im Unternehmen darzustellen, sondern auch, einen Vergleich mit anderen Betrieben oder der Branche vorzunehmen.

Es gibt Einzelkennzahlen und Kennzahlensysteme, wie den ROI (Return on Investment). Gerade im Berichtswesen kleinerer Betriebe dominieren fast immer Einzelkennzahlen; in größeren Unternehmen kommen häufiger Kennzahlensysteme zum Einsatz.

Formelzusammensetzung nicht immer eindeutig

Im Folgenden werden zu unterschiedlichen Bereichen jeweils zehn Kennzahlen exemplarisch besprochen. Die Auswahl orientiert sich dabei an Kennzahlen, die von vielen Betrieben oder von Dritten regelmäßig genutzt werden, etwa für ein Rating.

Bei der Formelbildung wurde auf in der Praxis häufig vorkommende Zusammensetzungen abgestellt. Es gibt aber fast immer Möglichkeiten, Kennzahlen mit anderen Formeln zu erstellen, was auch die Ausprägungen und Ergebnisse beeinflusst, oft um +/–5 bis 10 %. Am Ende ist es wichtig, dass ein Unternehmen sich für eine Formelvariante entscheidet und diese dann auch möglichst lange beibehält, um etwa die Entwicklungen über mehrere Perioden besser beurteilen zu können.

Sollen oder müssen Dritte mit Informationen aus Kennzahlen versorgt werden, empfiehlt es sich, zu prüfen, ob man sich an deren Wünschen zur Formelbildung orientiert, um unterschiedliche Ausprägungen und somit Diskussionen um den richtigen Wert zu vermeiden.


Beispiel Eigenkapitalquote

Die Formel lautet meist:
Eigenkapitalquote = Eigenkapital × 100
Gesamtkapital

Beim Eigenkapital kann man das bilanzielle oder wirtschaftliche Eigenkapital ansetzen. Letzteres wird vor allem im Rahmen der Jahresabschlussanalyse oder beim Rating angewendet.

Das wirtschaftliche Eigenkapital zeigt, wie hoch die zum Zeitpunkt der Berichterstellung tatsächlich verfügbaren Eigenmittel sind. Das heißt, dass vom bilanziellen, also dem in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital, beispielsweise noch mögliche ausstehende, aber nicht eingezahlte Einlagen oder offene Forderungen gegenüber Gesellschaftern abgezogen werden.

Umgekehrt erhöhen zum Beispiel Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern das bilanzielle Eigenkapital. Oft ist das wirtschaftliche Eigenkapital niedriger als das bilanzielle, was dann zu einer Verschlechterung der Kennzahlenausprägung führt. Beläuft sich das bilanzielle Eigenkapital auf 500.000 Euro, und das Gesamtkapital auf 2 Mio. Euro, beträgt die Eigenkapitalquote 25 %.

Sind im Eigenkapital aber noch nicht eingezahlte Einlagen von 140.000 Euro enthalten, beträgt die Eigenkapitalquote nur noch 18 %. Wenn man jetzt berücksichtigt, dass Banken sich Eigenkapitalquoten von mehr als 20 % wünschen, um ein gutes Rating zu erhalten, ist dies ein wichtiger Unterschied.

Bezogen auf das Beispiel sollten Unternehmen also prüfen, ob und wie es möglich ist, bilanzielles und wirtschaftliches Eigenkapital möglichst deckungsgleich zu bekommen.
Praxis-Tipp: Nicht immer ist es möglich, eine Kennzahl eindeutig einem Bereich zuzuordnen, etwa beim Kunden-Deckungsbeitrag. Hier kommen zum Beispiel die Finanzen und der Vertrieb in Betracht. Unternehmer und Controller müssen entscheiden, wie sie hier eine Zuordnung vornehmen. Für die Arbeit mit Kennzahlen ist aber weniger die Zuordnung als die Tatsache wichtig, dass relevante Kennzahlen überhaupt dargestellt werden.

Implementierung eines Dashboards prüfen

In der Praxis gibt es quasi unendlich viele Kenngrößen und es muss selektiert werden. Daher ist es auch wichtig, sich im Betrieb genau zu überlegen, welche Informationen und damit welche Kennziffern man benötigt und auf welche Kennzahlen man zumindest im Moment verzichten kann.

Anderenfalls besteht das Risiko, dass man einen Kennzahlenfriedhof produziert, der eine Fülle von Kenngrößen bietet, die aber zu einem großen Teil keinen oder nur einen geringen Mehrwert bieten. In der Folge nutzen nur noch wenige Empfänger Kennzahlen, auch, weil sie nicht wissen, welche Kennziffern und Informationen wichtig sind und welche eher nicht.

In der Praxis wird daher immer häufiger mit einem sogenannten Dashboard (etwa: Instrumententafel, auf der die wichtigsten Informationen zusammengefasst werden) gearbeitet, um das Problem zu lösen. In einem Dashboard gibt es oft einen Teil mit fest definierten Standardberichten und -kennzahlen und einen Teil mit Kenngrößen, die je nach Lage und Anforderungen erstellt werden.

Beispielsweise können Rendite- und Liquiditätskennzahlen Teil des Standard-Reportings sein und im individuellen Teil werden Risiko- oder Frühwarnkennzahlen gezeigt. Oder es werden Kennzahlen dargestellt, mit denen für den Betrieb wichtige Ereignisse herausgestellt werden sollen, etwa die Entwicklung der Kunden- und Verkaufszahlen in einem neuen Markt.

Ein Dashboard kann dabei helfen, die mögliche Flut an Kennzahlen zu begrenzen. Zudem kann die Anzahl der Kennziffern in einem Dashboard begrenzt werden, damit die Übersichtlichkeit nicht verloren geht.

Finanzkennzahlen

In nahezu jedem Berichtswesen dominieren die Finanzkennzahlen. Sie stellen zwar das Ergebnis aller vorhergegangenen Aktivitäten dar, zum Beispiel Produkte herstellen und verkaufen, sind aber von besonderer Bedeutung, weil sich in ihnen die Resultate aller Arbeiten und Bemühungen widerspiegeln.

Bei den folgenden Finanzkennzahlen werden in erster Linie Kennziffern dargestellt und besprochen, die sowohl für die Leistungsbeurteilung als auch die Bonitätsbewertung eines Unternehmens wichtig sind.

Falls nicht anders angegeben, wird mit Nettowerten gearbeitet. Soweit möglich, werden Orientierungswerte für günstige Ausprägungen genannt. In den grau hinterlegten Feldern werden jeweils gängige Formeln für eine Kennzahl genannt.

Umsatz- / EBIT-Rendite oder -Rentabilität

Die Umsatzrendite zeigt, wie viel Cent man an einem Euro Umsatz verdient. Eine Umsatzrentabilität von 5 % bedeutet, dass man beispielsweise in einem Zeitraum von einem Jahr von einem Umsatz von einer Mio. Euro 50.000 Euro verdienen konnte. Die Umsatzrendite wird meist mit dem Gewinn nach Steuern berechnet. Man geht von Nettoumsätzen abzüglich aller Rabatte aus.

Formel
Umsatzrendite
= Gewinn × 100
Umsatzerlöse

Statt des Gewinns wird häufig das EBIT (Earnings before Interests and Taxes, Gewinn vor Zinsen und Steuern) angegeben. Hintergrund für die Wahl es EBIT als Renditegröße ist, dass man versucht, die operative Ertragskraft eines Unternehmens, unabhängig von der Finanzierungsstruktur und der steuerlichen Lage zu messen.

Damit können Unternehmen der gleichen Branche besser miteinander verglichen werden. Das EBIT hat sich bei der Ergebnisanalyse inzwischen weitgehend durchgesetzt, auch in kleineren Betrieben, weil man so auch international die Leistungsfähigkeit von Unternehmen besser vergleichen kann.

Formel
EBIT-Rendite
= EBIT × 100
Umsatzerlöse

Die Höhe dieser Renditegrößen hängt stark von der Branche ab. Daher sind Orientierungsgrößen schwierig. Die Werte sollten daher im Verlauf mehrerer Jahre steigen und mindestens so hoch sein wie in der Branche.

Eigenkapitalrendite

Die Kennzahl zeigt, wie sich das Kapital der Eigentümer verzinst hat. Orientierungswert: Ziel sollte es sein, eine Rendite zu erzielen, die deutlich über dem Kapitalmarktzins zuzüglich einer branchenabhängigen Risikoprämie liegt. In den meisten Branchen sollte die Eigenkapitalrendite daher bei 7 bis 15 % liegen.

Formel
Eigenkapitalrendite
= Gewinn × 100
Eigenkapital

Gesamtkapitalrendite

Kaum ein Unternehmen ist in der Lage, den Betrieb ausschließlich mit eigenem Geld zu finanzieren und muss sich Kredite oder Darlehen bei Banken leihen. Diese verlangen hierfür Zinsen. Die Gesamtkapitalrentabilität gibt an, wie hoch die Verzinsung des gesamten im Unternehmen vorhandenen Kapitals (also Eigenkapital und Schulden) ist. Orientierungswert für günstige Ausprägungen: ab ca. 8 %.

Formel
Gesamtkapitalrendite = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / 100 / Gesamtkapital

Liquiditätsgrade

Zur Beurteilung der Liquiditätslage eines Unternehmens werden u. a. die Liquiditätsgrade I bis III sowie der erweiterte Liquiditätsgrad herangezogen. Sie zeigen, ob und in welchem Umfang die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch kurzfristig verfügbare Mittel gedeckt werden können. Meist handelt es sich um Lieferantenverbindlichkeiten, aber auch kurzfristige Rückstellungen oder erhaltene Anzahlungen.

Jedes Unternehmen muss also für sich entscheiden, welche Positionen es aufnimmt oder sich an der Formelbildung der Bank orientieren. Da in den meisten Unternehmen die Lieferantenverbindlichkeiten dominieren, wird im Weiteren von diesem Wert ausgegangen. Der Hintergrund ist, dass kurzfristige Verbindlichkeiten schnell fällig werden und dann ausreichende liquide Mittel vorhanden oder freigesetzt werden können.

Liquiditätsgrad I

Er gibt an, wie hoch die Barmittel sind, bezogen auf die kurzfristigen Schulden. Orientierungsgröße: etwa 50 %. Der Liquiditätsgrad I findet in der Praxis seltener Verwendung und ist oft nicht ratingrelevant.

Formel
Liquiditätsgrad I
= flüssige Mittel (Kontoguthaben, Bargeld) × 100
kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquiditätsgrad II

Beim Liquiditätsgrad II werden die flüssigen Mittel um die (Kunden-)Forderungen erweitert, da diese dem Unternehmen in der Regel ebenfalls kurzfristig zufließen. Er zeigt, in welchem Umfang die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch kurzfristig verfügbare Mittel abgedeckt sind. Orientierungswert: 100 bis 120 %.

Formel
Liquiditätsgrad II
= (flüssige Mittel + Forderungen) × 100
kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquiditätsgrad III

Zur Berechnung des Liquiditätsgrads III wird das gesamte Umlaufvermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Orientierungswert: 150 bis 200 %. Sinkt der Wert deutlich unter 150 %, können schon kleinere Störungen, wie Forderungsausfälle, zu erheblichen Problemen führen. Ein höherer Wert als 200 % könnte ein Indikator dafür sein, dass zu viel Kapital im Unternehmen gebunden ist. In beiden Fällen sollte man den Ursachen nachgehen.

Formel
Liquiditätsgrad III
= Umlaufvermögen × 100
kurzfristige Verbindlichkeiten

Erweiterter Liquiditätsgrad

Gerade in Krisenzeiten kommt häufig eine weitere Liquiditätskennzahl zum Einsatz: der erweiterte Liquiditätsgrad. Er gibt an, inwieweit die kurzfristigen Verbindlichkeiten und ein Zwölftel der jährlichen Kosten durch das Umlaufvermögen plus die noch freie Kreditlinie abgedeckt sind. Die Kennzahl kann gut als Risikoindikator verwendet werden und man sollte aktiv werden, wenn die Kennzahlenausprägung unter den Orientierungswert von etwa 130 bis 150 % bis sinkt. Allerdings berücksichtigen die Liquiditätsgrade keine weiteren zahlungsrelevanten Positionen, wie Tilgungszahlungen, Entnahmen oder die Umsatzsteuer-Zahllast.

Formel
Erweiterter Liquiditätsgrad = (Umlaufvermögen + freier Kontokorrent) × 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten + 1/12 der Jahreskosten)

Cashflow

Der Cashflow ist eine der wichtigsten Finanzkennzahlen überhaupt. Er ist eine Kennzahl, mit der Unternehmer selbst, Banken und andere Geschäftspartner ein Unternehmen im Hinblick auf die Liquiditäts-, Finanz- und Ertragslage bewerten. Mit dem Cashflow wird der Zahlungsstrom einer Periode abgebildet. Dabei werden alle betrieblichen Zahlungsvorgänge berücksichtigt.

Deshalb ist er besser für die Erfolgsbeurteilung eines Unternehmens geeignet als der bilanzielle Jahresgewinn, der beispielsweise von steuerlichen Überlegungen und Aktivitäten verzerrt sein kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Cashflow zu berechnen. Die nachstehende Formel zeigt die einfachste Möglichkeit oder den Cashflow im engeren Sinn (i. e. S.).

Formel
Cashflow i. e. S. = Jahresüberschuss / -fehlbetrag + Abschreibungen / Veränderungen der langfristigen Rückstellungen

Cashflow-Statement

Der Cashflow i. e. S. zeigt allerdings nur, wie viel Geld dem Betrieb zugeflossen ist und nicht, wie es verwendet wurde. Damit kann es leicht zu Entscheidungs- und Interpretationsfehlern kommen, wie das nachstehende, vereinfachte Beispiel zeigt.
Vereinfachtes Beispiel: Ein Unternehmen hat einen Cashflow i. e. S. von 150.000 Euro erzielt. Von dem Geld soll eine Maschine im Wert von 120.000 Euro gekauft und bezahlt werden. Vom Geldzufluss hat der Einkäufer bei einem Lieferanten aber bereits Waren im Wert von 60.000 Euro gekauft, was zu einer Bestandserhöhung in gleicher Höhe führt. Ein großer Teil des Mittelzuflusses ist also in Warenbeständen gebunden und dem Betrieb stehen aus dem Cashflow i. e. S. nur noch 30.000 Euro zur Verfügung und es werden Alternativen für die Geldbeschaffung benötigt.

Um solche oder ähnliche Fehlinterpretationen zu vermeiden und die Aussagekraft des Cashflows zu verbessern, wurde das Cashflow-Statement entwickelt. Im Statement wird gezeigt, wofür das Geld verwendet wird und ob genügend Mittel zur Verfügung stehen, um allen Zahlungsverpflichtungen aus eigener Kraft nachkommen zu können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Cashflow-Statement zu erstellen, etwa nach DRS 21 (Deutscher Rechnungslegungsstandard) oder IAS 7 (International Accounting Standards).

In beiden Fällen wird der Cashflow i. e. S. in mehreren Stufen zunächst zum operativen Cashflow (Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, cashflow from operating activities) und dann zum Cashflow aus Investitionstätigkeit (cashflow from investing activities) und schließlich zum Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (cashflow from financing activities) erweitert.

Und natürlich muss auch der Finanzmittelbestand am Anfang der Betrachtungsperiode berücksichtigt werden, um erkennen zu können, ob der Betrieb am Ende der Periode über freie Liquidität verfügt, die dann beispielsweise für weitere Investitionen oder dem Aufbau einer Liquiditätsreserve genutzt werden kann. Abbildung 7 zeigt die Mindestgliederung für ein Cashflow-Statement nach IAS.

Operativer Cashflow / Cashflow aus Geschäftstätigkeit

Der operative Cashflow ergibt sich, wenn man Veränderungen von Forderungen, Vorräten (Waren, Materialien, Verkaufsprodukte) und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (meist Kreditoren) abbildet. Erhöhen sich beispielsweise Vorräte und / oder Forderungen, wird Geld gebunden, das an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Positionen sollten also möglichst niedrig gehalten oder reduziert werden, um den Cashflow zu verbessern.

Bei den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erhält es sich umgekehrt. Kann man sie ausbauen, ist das für den Betrieb günstig, da Rechnungen später bezahlt werden müssen und die Liquidität geschont wird. Eine Ausnahme gibt es: Wird Skonto gewährt, ist es besser, diesen zu nutzen, da die Kosteneinsparung in fast allen Fällen größer ist als der Liquiditätsgewinn. Der operative Cashflow wird häufig verwendet, um weitere Kennzahlen zu berechnen, etwa die Schuldentilgungsdauer. Eine Erhöhung der Kapitalbindung, zum Beispiel Aufbau von Beständen, wird in der Regel mit negativen Vorzeichen eingegeben.

Cashflow aus Investitionstätigkeit

Der Cashflow aus Investitionstätigkeit zeigt, wie viele Mittel für Investitionen abgeflossen sind und wie viele Mittel durch Anlagenverkäufe (Desinvestition) zugeflossen sind.

Cashflow aus Finanzierungstätigkeit

Dieser Teil des Cashflow-Statements beinhaltet alle Aktivitäten, die die Kapitalstruktur eines Unternehmens verändern, etwa Entnahmen und Einlagen von Eigentümern und Kredittilgungen und -zuführungen.

Finanzmittelbestand

Aus den Salden der Cashflow-Positionen sowie dem Bestand flüssiger Mittel ergibt sich die Liquidität am Ende der betrachteten Periode.

Reporting1x1-07.jpg
Abbildung 7: Cashflow-Statement

Freier Cashflow

Auch der freie Cashflow ist eine wichtige Rechengröße. Er wird häufig von Banken und anderen Finanzierungspartnern gebildet und bewertet. Er zeigt, ob vom operativen Cashflow nach Abzug der Investitionstätigkeit noch Mittel übrigbleiben, um den restlichen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können, was im Beispiel nicht der Fall ist. Hier muss überlegt werden, wie es möglich ist, wieder einen positiven freien Cashflow zu erhalten.

Working Capital

Working Capital ist der angelsächsische Ausdruck für das Umlaufvermögen. Das Working Capital dient v. a. der Bewertung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens. Es errechnet sich aus der Differenz des Umlaufvermögens (meist Forderungen und Vorräte, aber immer ohne flüssige Mittel) und der kurzfristigen Verbindlichkeiten, meist aus Lieferungen und Leistungen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Das Working Capital entspricht in weiten Teilen der Liquidität dritten Grades, und wird wie folgt ermittelt:

Formel
Working Capital = Forderungen und Vorräte – kurzfristige Verbindlichkeiten

Es gibt andere Formelzusammensetzungen, die auch erhaltene und gezahlte Anzahlungen oder kurzfristige Rückstellungen umfassen.


Forderungen
+ Vorräte

kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
+ Steuer- und sonstige kurzfristige Rückstellungen
+ passive Rechnungsabgrenzungsposten
+ erhaltene Anzahlungen

geleistete Anzahlungen
= Working Capital

Für die Praxis genügt es meist, die erste Formel zu verwenden, da in Forderungen, Vorräten und Krediten – über einen längeren Zeitraum gesehen – der größte Teil der Kapitalbindung stattfindet. Diese Positionen finden sich auch bei der Berechnung des operativen Cashflows wieder. Unternehmen, die häufig mit Anzahlungen zu tun haben, sollten auch diese Positionen einbinden und auf die restlichen Größen verzichten.
Wichtig: Von einem positiven Working Capital spricht man, wenn das Umlaufvermögen größer ist als die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und umgekehrt.

Ein positives, also steigendes Working Capital deutet auf eine ausreichende oder sich verbessernde Liquiditätslage eines Unternehmens hin. Allerdings sollte das Working Capital absolut nicht zu groß sein, da dies ein Indikator für ein Zuviel an Kapitalbindung ist. Ein negatives Working Capital ist dagegen ein Hinweis auf einen Verstoß gegen zentrale Finanzierungsregeln. Denn dann wird langfristiges Vermögen durch kurzfristige Mittel finanziert.

Working Capital kann helfen, Krisen frühzeitig zu erkennen!

Häufig steigt das Working Capital im Vorfeld einer Unternehmenskrise deutlich an. In der Regel erhöhen sich Forderungen und Vorräte. Handelt es sich nicht um temporäre Sachverhalte, zum Beispiel einen einmaligen Zahlungsverzug eines Kunden, sollten Unternehmer die Ursachen kritisch prüfen.

Denn oft gibt es grundlegende Probleme, die man angehen und beseitigen muss, wenn man nicht Liquidität und Profitabilität und im Extremfall die Insolvenz riskieren möchte. Die Gründe für Verschlechterungen sind in der Regel die gleichen, die bei den Frühwarnkennzahlen im folgenden Beitrag Ende des Kapitels aufgeführt sind (siehe auch Abbildung 9).

Working Capital Ratio

Das Working Capital Ratio (WCR) ist das Verhältnis von Forderungen und Vorräten zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Es zeigt, in welchem Umfang kurzfristig fällige Schulden durch ebenfalls kurzfristig verfügbares Vermögen gedeckt ist. Orientierungsgröße: 130 bis 150 %; im angelsächsischen Raum wünschen sich Kapitalgeber meist bis 200 %.

Formel
Working Capital Ratio = (Forderungen + Vorräte) 100
kurzfristige Verbindlichkeiten

Schuldentilgungsdauer

Die Schuldentilgungsdauer ist ein Maßstab für die Schuldentilgungsfähigkeit eines Unternehmens. Sie gibt an, wie viele Jahre es dauert, bis ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten vollständig zurückgezahlt hat, wenn es den erwirtschafteten Cashflow ausschließlich für diesen Zweck nutzt. Dabei wird unterstellt, dass das Unternehmen auch künftig in der Lage ist, den aktuellen Cashflow zu erwirtschaften.

Je kleiner die Jahreszahl, desto besser finanzielle Stabilität und Rating und umgekehrt. Da es in der Praxis so gut wie gar nicht vorkommt, dass ein Unternehmen seinen Cashflow über einen mehrjährigen Zeitraum ausschließlich zur Schuldentilgung verwendet, wird die Kennzahl auch theoretische Schuldentilgungsdauer genannt.

Es gibt unterschiedliche Formeln, mit denen die Schuldentilgungsdauer ermittelt wird. In der Praxis relativ oft zu finden ist die nachstehende Variante:

Formel
Schuldentilgungsdauer = (Fremdkapital – liquide Mittel)
Cashflow

Hinweis: Beim Cashflow wird meist der operative (siehe Cashflow-Statement) oder der freie Cashflow (operativer Cashflow – Investitionstätigkeit) verwendet. Auch hier sollte gegebenenfalls mit der Bank über die Formelzusammensetzung gesprochen werden.

Eigenkapitalquote oder -anteil

Die Eigenkapitalquote gibt an, wie hoch der Anteil der eigenen Mittel am Gesamtkapital ist. Je höher der Anteil, desto unabhängiger ist ein Unternehmen von Dritten, etwa Banken und umso sicherer sind Liquidität und finanzielle Stabilität. Banken wünschen sich einen Eigenkapitalanteil von mindestens 20 %; wenn möglich, sollte er deutlich höher ausfallen

Formel
Eigenkapitalquote
= bilanzielles (oder wirtschaftliches) Eigenkapital 100
Gesamtkapital

Zum Unterschied zwischen bilanziellem und wirtschaftlichem Eigenkapital wird auf das Einführungsbeispiel verwiesen.

Fremdkapitalquote oder -anteil

Die Fremdkapital- oder Verschuldungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der Schulden am Gesamtkapital ist. haben. Zwar ist es in der Praxis kaum möglich, ein Unternehmen ohne Schulden zu führen. Jedoch sollte der Anteil auch nicht zu hoch sein.

Orientierungswert: Banken sehen Fremdkapitalanteile bis maximal 80 % als günstig an. Unternehmen sollten nach Möglichkeit niedrigere Anteile anstreben, da so die Abhängigkeit von den Finanzierungspartnern sinkt.

Formel
Fremdkapitalquote
= Fremdkapital 100
Gesamtkapital

Debitorenlaufzeit

Die Debitoren- oder Forderungslaufzeit gibt an, wie lange es dauert, bis Kunden im Schnitt ihre Rechnungen zahlen. Die durchschnittliche Debitorenlaufzeit sollte möglichst nah am Zahlungsziel liegen, das im Unternehmen gegenüber Kunden gewährt wird, beispielsweise 30 Tage; die Laufzeit sollte im Verlauf mehrerer Jahre sinken.

Formel
Debitorenlaufzeit
= Forderungen 360
Umsatzerlöse

Hinweis: Da Forderungen in der Regel brutto, die Umsätze aber netto gebucht werden, muss eine der beiden Größen korrigiert werden, um die gleichen Ausgangsdaten zu erhalten.

Kreditorenlaufzeit

Die Kreditorenlaufzeit gibt an, wie lange es dauert, bis der eigene Betrieb seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Lieferanten nachkommt. Die Kreditorenlaufzeit sollte die Debitorenlaufzeit möglichst übersteigen, da man so früher Geld von den Kunden erhält als man selber an Lieferanten zahlen muss.

Formel
Kreditorenlaufzeit
= Verbindlichkeiten LL 360
Materialaufwand

Exkurs: Kennzahlensysteme am Beispiel des ROI

Kennzahlen stellen im Normalfall Sachverhalte einzeln dar, wie die bisherigen Beispiele gezeigt haben. Dadurch geht oft der Blick auf das Ganze verloren und es ist nicht immer nachvollziehbar, wie ein Wert zustande kommt.

Hier können Kennzahlensysteme, wie beispielsweise der Return on Investment (ROI), helfen. Der ROI ist als Spitzenkennzahl für die Bewertung der Gesamt-Unternehmensleistung beziehungsweise der Leistungsfähigkeit von Sparten insgesamt gedacht. Er wird häufig nur jährlich oder allenfalls quartalsweise erstellt, weil es unterjährig oft schwierig ist, an die notwendigen Daten zu gelangen.

Das ist vor allem dann der Fall, wenn es im Unternehmen Halbfertigprodukte gibt, die für die Kennzahlenbildung bewertet werden müssen.

Der ROI hat zwei Ebenen, mit denen die Leistungsfähigkeit bewertet wird:
  1. der operative Erfolg, der meist mit der Umsatzrendite dargestellt wird
  2. der Kapitalumschlag

Werden beide Kennzahlen multipliziert, erhält man den ROI. Der Vorteil ist, wie die Abbildung 8 zeigt, dass man gut erkennen kann, welche Größen welchen Einfluss auf das Ergebnis haben. Und man kann leicht Simulationen und Szenarien erstellen.
Orientierungshilfen: Der operative Erfolg, die Umsatzrendite ist stark branchenabhängig, daher lassen sich keine generellen Empfehlungen geben. Beim Kapitalumschlag sollte der Wert über 1 liegen, dann wird das im Unternehmen gebundene Kapital schneller als einmal pro Jahr "zurückverdient".

Mit dieser oder ähnlichen Aufspaltungen einzelner Positionen ist es möglich zu erkennen, durch welche Faktoren das Ergebnis in welcher Form beeinflusst wird und wo es am sinnvollsten ist, sich um Verbesserungen zu kümmern. Wie detailliert die Untergliederung gewählt wird, hängt auch von den Möglichkeiten und den Erfordernissen im Unternehmen ab:
  • Wie gut ist die Buchhaltung aufgestellt?
  • Welche Möglichkeiten bestehen beispielsweise, die Fixkosten zu untergliedern?
  • Wie gut lassen sich die Vorräte erfassen?
  • Welche Informationen wünscht sich der Unternehmer?

In kleineren Betrieben spielen Kennzahlensysteme häufig keine größere Rolle oder werden nur einmal pro Jahr erstellt, etwa im Anschluss oder parallel zum Jahresabschluss.

Reporting1x1-08.jpg
Abbildung 8: Beispiel für einen ROI

Zum Download: Checklisten für das Reporting: Arbeitshilfe in Excel >>




letzte Änderung J.E. am 05.05.2026
Autor:  Jörgen Erichsen


Autor:in
Herr Jörgen Erichsen
Jörgen Erichsen ist selbstständiger Unternehmensberater. Davor hat er in leitenden Funktionen in Konzernen gearbeitet, u.a. bei Johnson & Johnson und Deutscher Telekom. Er ist Autor von Fachbüchern und -artikeln rund um Rechnungswesen und Controlling. Außerdem ist er als Referent zu diesen Themen für verschiedene Träger tätig. Beim Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) leitet Jörgen Erichsen den Arbeitskreis Controlling.
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Ob beim Bahnfahren, Parken, Tanken bzw. Laden oder bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs – mit großer Wahrscheinlichkeit hast du dabei schon unsere Technik genutzt. Seit über 150 Jahren entwickeln wir innovative und nachhaltige Systeme für eine Mobilitätsinfrastruktur, die weltweit Mensche... Mehr Infos >>

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Nach Eingabe der Fixkosten, der variablen Stückkosten und des Verkaufspreises wird die Break-Even-Menge sowie für alternative Absatzmengen die Kosten-, Erlös- und Gewinnwerte ermittelt. Für die tabellarische Lösung kann durch die Eingabe der Schrittweite frei festgelegt werden, für welche Absatzmengen die jeweiligen Kosten und Erlöse dargestellt werden sollen.
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Es handelt sich hierbei um ein in Excel erstelltes Werkzeug für die Liquiditätsplanung von Kleinunternehmen sowie Freiberuflern. Die Planung erfolgt auf Basis von veränderbaren Einnahmen- und Ausgabepositionen. Detailplanungen sind auf extra Tabellenblättern für z.B. einzelne Projekte oder Produkte vorhanden. Auswertungen erfolgen in der Jahresplanung mit monatlichen Werten.
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