Allgemeine Kostenstelle

Definitionen, Unterschiede und Ziele der Kostenstellenrechnung

Alexander Rodosek

Allgemeine Definitionen und Zweck von Kostenstellen

Unter einer Kostenstelle ist im Allgemeinen eine Position zu verstehen, unter der Kosten eines zuvor definierten Bereichs gesammelt und im späteren Verlauf auf andere Bereiche (z.B. andere Kostenstellen) oder Produkte (Kostenträger) verteilt werden. Die Kostenstellenrechnung baut dabei meist auf dem externen Rechnungswesen auf bzw. ist teilweise in die Finanzbuchhaltung integriert. Eine Kostenstelle sollte dabei nach Funktion und/oder Verantwortung abgrenzbar sein und zudem eigene - ihr zuordenbare Kosten - "erzeugen" [1].  Die unten stehende Tabelle zeigt einige Beispiele für Kostenstellen in einem Unternehmen und die dazugehörigen Kosten:

Bezeichnung der Kostenstelle Enthaltene Kosten (Beispiele)
Produktion / Fertigung Personalkosten der Fertigung, Wartung von Maschinen
Einkauf Einkaufsmitarbeiter, anteilige Mietkosten nach Mietfläche im Verwaltungsgebäude
Vertrieb Provisionen der Vertriebsmitarbeiter
Allgemeine Verwaltung Personalkosten für Sekretariat, anteilige Mietkosten nach Mietfläche im Verwaltungsgebäude
Lager Abschreibungen der betriebseigenen Lagerhalle, Personalkosten für Lagermitarbeiter



Differenzierung verschiedener Arten von Kostenstellen

Unterscheidung Haupt- und Hilfskostenstellen

Kostenstellen lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten unterscheiden. So existieren Kostenstellen (z.B. die Kostenstelle der Produktion), welche direkt den Wertschöpfungsprozess des Unternehmens tangieren (Hauptkostenstellen). Andere Kostenstellen wiederum (z.B. die Kostenstelle der Werkskantine) unterstützen das Unternehmen und andere Kostenstellen bei der Leistungserstellung (Hilfskostenstellen).

Um im Rahmen der Kostenträgerrechnung alle aufgelaufenen Kosten des Unternehmens auf die Kostenträger, also z.B. die hergestellten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen, verteilen zu können, müssen die Kosten der Hilfskostenstellen entweder zunächst auf die Hauptkostenstellen oder direkt auf die Kostenträger mit Hilfe von Verteilungsschlüsseln umgelegt werden.

Hierbei gilt es folgendes zu beachten:
Der Verteilungsprozess von Kosten der Hilfs- auf die Hauptkostenstellen darf nicht mit dem Zuordnen von Gemeinkosten auf die einzelnen Kostenstellen verwechselt werden. Bei letzterem werden z.B. die Kosten für anteilig genutzte Mietfläche im Verwaltungsgebäude den einzelnen Hilfs- oder Hauptkostenstellen zugeordnet (siehe Tabelle – Beispiel "allgemeine Verwaltung"). Bei der Verteilung von Miet- und Mietnebenkosten ist ein häufig verwendeter Verteilungsschlüssel die durch die Kostenstelle (z.B. das Rechnungswesen) anteilig genutzte Mietfläche. Das Gegenstück zu derart zugeordneten Kosten sind direkt zuordenbare Kosten einer Kostenstelle, wie z.B. Personalkosten.

Unterscheidung Haupt- und Nebenkostenstellen

Der Begriff der Hauptkostenstelle wurde im vorherigen Abschnitt bereits erläutert. Über den Begriff der Nebenkostenstelle existiert in der Literatur keine einheitliche Definition. Wenn, wie in diesem Beitrag der Fall, bereits zwischen Haupt- und Hilfskostenstellen unterschieden wurde, so lässt sich die Nebenkostenstelle in etwa mit der Hauptkostenstelle vergleichen. Sie ist von der Verantwortung her abgrenzbar, erzeugt eigene Zahlungsströme und trägt zu einer Wertschöpfung im Unternehmen direkt bei. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Nebenkostenstelle nicht am Kernprozess der Wertschöpfung beteiligt ist, sondern Nebenprodukte erstellt (z.B. Weiterverarbeitung von Abfällen der Hauptproduktion). Stellenweise finden sich für den Begriff der Nebenkostenstelle auch Definitionen, die der Hilfskostenstelle ähneln.

Siehe auch diesen Beitrag zur Erläuterung von Haupt- und Nebenkostenstellen >>

Ziele einer Kostenstellenrechnung

Die Kostenstellenrechnung verfolgt mehrere Ziele und bildet die Grundlage für verschiedene auf ihr aufbauende Auswertungs- und Planungsmöglichkeiten im Controlling.

Konkret stellt sie eine gute Möglichkeit der unterjährigen Kostenkontrolle dar. Dabei können kostenintensive - und hinsichtlich von Plan-Abweichungen sensible Bereiche des Unternehmens - identifiziert und einer genaueren Kontrolle unterworfen werden. Außerdem können, aufbauend auf der Kostenstellenstruktur, Kosten für künftige Zeitabschnitte geplant und Soll-Ist-Vergleiche durchgeführt werden. Von der systematischen Einordnung her, bildet die Kostenstellenrechnung, also das Erfassen und Verteilen von Kosten über Hilfs- auf Hauptkostenstellen, die Verknüpfung zwischen der vorgelagerten Kostenarten- und der nachgelagerten Kostenträgerrechnung.




letzte Änderung A.R. am 18.04.2023
Autor:  Alexander Rodosek
Bild:  Panthermedia.net / ajcabeza.yahoo.es


Autor:in
Herr Alexander Rodosek
ist Mitgründer der Plattformen meinBafoeg.de und dasElterngeld.de. Als Geschäftsführer leitet er in seinem Unternehmen die Bereiche Recht und Finanzen. Rodosek absolvierte ein Wirtschaftsrechtstudium (LL.B.) in Köln und erwarb den Master in Wirtschaftsprüfung, Steuern, Recht und Finanzen (M.Sc.). Er verfügt über Berufserfahrung in der Versicherungswirtschaft, verfasst regelmäßig Fachbeiträge für Controlling-Portal.de und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der TH Köln.
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