Cash-Flow: Einführung und Überblick über Cashflow-Berechnungsarten

Der Cash Flow gibt Aufschluss über die Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens. Vor allem für Kreditgeber und Investoren sowie Aktionäre eines Unternehmens ist der Cash Flow von großer Bedeutung.

Definition Cash Flow

"Der Cash Flow ist der Überschuss der regelmäßigen betrieblichen Einnahmen über die regelmäßigen laufenden betrieblichen Ausgaben. Er gibt damit das aus der Betriebstätigkeit nachhaltig zu erwirtschaftende Zahlungsmittelreservoir zur Deckung besonderer betrieblicher Ausgaben an." (1)

oder
"Der Cashflow beziffert den Überschuss, der sich ergibt, wenn man von den Einnahmen die Ausgaben abzieht. Er lässt erkennen, in welchem Maße ein Unternehmen Finanzmittel aus eigener Kraft erwirtschaftet hat. Diese Kennzahl zeigt, wie stark das Unternehmen sich von innen heraus finanzieren kann (Innenfinanzierung), wie groß also das finanzielle Potenzial ist, das aus seiner erfolgreichen Tätigkeit in der Wirtschaft wächst."  (2)

Aus den Definitionen geht hervor, dass mithilfe des Cash Flows eine Aussage über die Ertrags- und Finanzkraft des Unternehmens gemacht werden kann, die vor allem für Kreditgeber und potentielle Investoren sowie Aktieninhaber von großer Bedeutung sind. Um diese Aussage treffen zu können, müssen alle Positionen, die keinen monetären Wert haben aus dem Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag entfernt werden, da sie in den Betrag mit hinein- bzw. hinausfließen, ohne dass ein tatsächlicher Geldwert eingenommen bzw. ausgegeben worden ist. Dazu gehören z.B. Abschreibungen und Rückstellungen. 


Berechnung des Cash Flows

Für die Cash-Flow-Berechnungen können zwei grundsätzliche Wege angewandt werden: a) Indirekte Cash Flow-Ermittlung

Um den (Brutto-) Cash Flow auf indirektem Wege zu ermitteln, werden die Positionen, die nicht zahlungswirksam sind, aus dem Jahresüberschuss herausgerechnet. Das Grundschema für die indirekte und häufiger angewendete Berechnung des Cash Flows sieht wie folgt aus:
  Jahresüberschuss
  -  nicht zahlungswirksame Erträge
  + nicht zahlungswirksame Aufwendungen
  = Cash Flow i.e.S.

Zu den nicht zahlungswirksamen Aufwendungen zählen u.a.:
  • Einstellungen in die Rücklagen
  • Erhöhung des Gewinnvortrages
  • Abschreibungen
  • Erhöhung der Sonderposten mit Rücklageanteil
  • Erhöhung der Rückstellungen
  • Bestandminderung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen

Zu den nicht zahlungswirksamen Erträgen zählen u.a.:
  • Entnahme aus Rücklagen
  • Minderung des Gewinnvortrages
  • Zuschreibungen
  • Auflösung von Wertberichtigungen
  • Minderung der Sonderposten mit Rücklageanteil
  • Auflösung von Rückstellungen
  • Bestandserhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
  • Aktivierte Eigenleistungen

Ein einfaches Beispiel der indirekten Methode könnte so aussehen:


Ein weiteres Beispiel für die indirekte Cash Flow-Ermittlung finden Sie hier >>

b) Direkte Cash Flow-Ermittlung

Die direkte Ermittlung des (Brutto-) Cash Flows ergibt sich aus der Differenz aller zahlungswirksamen Erträge und den zahlungswirksamen Aufwendungen.
+ zahlungswirksame Erträge
- zahlungswirksame Aufwendungen
= Cash Flow i.e.S.

Zu den zahlungswirksamen Erträgen zählen u.a.:
  • Einzahlungen aus Umsätzen / Forderungen (Cash Flow i.e.S.)
  • Sonstige Einzahlungen (Cash Flow i.e.S.)
  • Desinvestitionen (CF Investitionstätigkeit)
  • Eigenkapitaleinlage (CF Finanzierungstätigkeit)
  • Kreditaufnahme (CF Finanzierungstätigkeit)

Zu den zahlungswirksamen Aufwendungen zählen u.a.:
  • Auszahlungen für Personal und Verbindlichkeiten (Cash Flow i.e.S.)
  • Auszahlungen für Material und Waren und Verbindlichkeiten (Cash Flow i.e.S.)
  • Sonstige Auszahlungen (Cash Flow i.e.S.)
  • Investitionen (CF Investitionstätigkeit)
  • Eigenkapitalentnahme (CF Finanzierungstätigkeit)
  • Kredittilgung (CF Finanzierungstätigkeit)

Die direkte Methode wird von den Unternehmen nicht sehr häufig verwendet, ist allerdings eine genauere Aufstellung der Zahlungsströme. Hierbei wird im engeren Sinne der Einzahlungsüberschuss errechnet.

Ein einfaches Beispiel der direkten Methode könnte so aussehen:


Ein weiteres Beispiel für die direkte Cash Flow-Ermittlung finden Sie hier >>

Weitere Cashflow-Berechnungsarten

In der Praxis haben sich weitere Cash-Flow-Arten herausgebildet. Die wichtigsten sind im Folgenden:
  • Free Cash Flow: Operativer Cash-Flow plus Cash-Flow aus Investitionstätigkeit. Mit den Mitteln aus dem Free Cash-Flow können Unternehmen die Dividenden an die Aktionäre auszahlen oder Aktien zurück kaufen.
  • Discounted Cash Flow Methode: Die Discounted Cash Flow Methode ist eine amerikanische Variante des Ertragswertverfahrens. Die Methode eignet sich vor allem um eine entscheidungsorientierte Unternehmensbewertung vorzunehmen.
  • Cash Flow Return on Investment: Eine Beurteilung des operativen Geschäfts und einzelner Geschäftsbereiche gelingt mithilfe des Cash Flow Return on Investment besser. Sie stellt eine Renditekennzahl dar.


Excel-Vorlagen zur schnellen Cash-Flow-Berechnung

Diese und andere Kennzahlen können Sie mithilfe von Excel-Tools/ Vorlagen leicht berechnen. Einige werden hier näher vorgestellt >>


 

Quellen:

(1) s. Bilanzanalyse; E. Schult; Erich Schmidt Verlag; 1999; S. 59. 
(2) s. Kennzahlen; H. Vollmuth; Haufe; 2002; S. 66.



letzte Änderung Dana Klempien am 12.01.2022
Bild:  © Bildagentur PantherMedia / pressmaster

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05.03.2015 18:46:36 - Gast

Anmerkung die Einstellungen in die Rücklagen Erhöhung des Gewinnvortrages stellen keine Aufwendungen dar.
[ Zitieren | Name ]

26.11.2015 12:32:02 - Gast

Wie wirkt sich die Ertragssteuerlast auf den cashflow aus?
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24.01.2016 23:35:25 - Gast

Der Unterschied zwischen den Beträgen des Operativen Cash Flows aus indirekter und direkter Methode unterscheidet sich nur aufgrund anderer Zahlen oder?
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02.06.2016 15:57:16 - Felix

Frage zu 3b) Direkte Cash Flow-Ermittlung: Warum wird hier von zahlungswirksamen Aufwendungen statt von Auszahlungen gesprochen. Das angeführte Beispiel "Kredittilgung" ist doch eben kein Aufwand, sondern eine Auszahlung. Danke vorab.
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08.06.2016 16:29:03 - Gast

Finde die indirekte Cash Flow Ermittlung unter 3a etwas unvollständig. Für mich gehören dazu noch + Einzahlungen, die keine Erträge sind - Auszahlungen, die keine Aufwendungen sind, sodass die finale indirekte Cashflowermittlung wie folgt aussehen sollte: Jahresüberschuss - nicht zahlungswirksame Erträge + nicht zahlungswirksame Aufwendungen + Einzahlungen, die keine Erträge sind - Auszahlungen, die keine Aufwendungen sind = Cash Flow
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22.06.2016 10:47:54 - Herbert

Kann mir jemand auf folgende Fragestellung eine Antwort geben - ich blick hier nicht ganz durch, da viele Definitionen größtenteils logisch klingen und auch mehrere Antworten richtig sein können: Welche der hier angeführten Definitionen zum Cash Flow sind korrekt? (8 Antwortmöglichkeiten) -- Cash Flow = alle Erträge einer Beobachtungsperiode minus allen Aufwänden derselben Beobachtungsperiode -- Cash Flow = Differenz zwischen vorhandenen Geldmittel (Kassa, Bank) am Jahresende minus den vorhandenen Geldmittel am Jahresanfang -- Cash Flow = Gewinn plus alle Aufwände, die zu keinem Geldabfluss geführt haben minus alle Erträge, die zu keinem Geldzufluss geführt haben -- Cash Flow = Gewinn + Abschreibung – Bildung von Rückstellungen + Auflösung von Rückstellungen -- Cash Flow = alle Einnahmen einer Beobachtungsperiode – alle Ausgaben einer Beobachtungsperiode -- Gewinn/Verlust + Abschreibung - Zuschreibung + Bildung von Rückstellungen - Auflösung von Rückstellungen + Aufwendungen für Steuern - Steuererträge + alle anderen nicht zahlungswirksamen Aufwendungen - alle anderen nicht zahlungswirksamen Erträge Cash Flow -- Gewinn - alle buchmäßige Wertminderungen + alle buchmäßige Werterhöhungen Cash Flow -- Cash Flow = Jahreserfolg + auszahlungslose Aufwendungen – einzahlungslose Erträge Vielen Dank im Voraus! LG Herbert
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04.04.2017 08:10:45 - Gast

[QUOTE]Gast schreibt: Wie wirkt sich die Ertragssteuerlast auf den cashflow aus? [/QUOTE] Mindert den Jahresüberschuss, folglich den op. CF
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04.04.2017 08:12:33 - Andy

[QUOTE]Gast schreibt: Der Unterschied zwischen den Beträgen des Operativen Cash Flows aus indirekter und direkter Methode unterscheidet sich nur aufgrund anderer Zahlen oder? [/QUOTE] Ja, bei gleichen Zahlen muss das gleiche herauskommen.
[ Zitieren | Name ]

30.08.2018 00:23:28 - Hans Dillschneider

Nach der Definition 1 „Der Cash Flow ist der Überschuß der regelmäßigen ..." sind Veränderungen von Rücklagen, Gewinn- und Verlustvorträgen zu streichen zumal es sich nicht um Aufwendungen und Erträge der betrachteten Periode handelt. Periodenfremde Aufwendungen und periodenfremde Erträge können sehr wohl mit Zahlungen verknüpft sein wie z. B. Steuernachzahlungen. Gemäß Definition 1 ist das aber akzeptabel wegen "regelmäßigen betrieblichen ..." Sauber wäre die Darstellung wie folgt: Bilanzgewinn + Einstellungen in die Rücklagen + Verlustvortrag = Jahresüberschuss Jahresüberschuss + Abschreibungen + Veränderung Rückstellungen ... = Cash Flow bzw. Bilanzgewinn - Gewinnvortrag +Einstellungen in Rücklagen = Jahresüberschuss Jahresüberschuss + Abschreibungen + Veränderung Rückstellungen ... = Cash Flow
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