Kalkulatorische Zinsen - Formel und Berechnung

Sergej Maurer
Die kalkulatorischen Zinsen sind Kosten für die Nutzung desbetriebsnotwendigen Kapitals. Diese sind also von den Fremdkapitalzinsen (Zinsaufwendungen), die ja nur für das Fremdkapital zu entrichten sind, zu unterscheiden (Anderskosten). In der Kostenrechnung ist die Herkunft des eingesetzten Kapitals unerheblich. Insbesondere soll das vom Unternehmer eingesetzte Eigenkapital angemessen vom Unternehmen verzinst werden.

Da eine Eigenkapitalverzinsung in der GuV nicht als Zinsaufwand berücksichtigt wird, müssen diese Zinsen zusätzlich als Kosten in die KLR einfließen. Auch der Zeit- und Betriebsvergleich wird durch die Verzinsung des gesamten eingesetzten Kapitals verbessert, da unterschiedliche Finanzierungsbedingungen und -strukturen nun keinen Einfluss mehr haben. 

Bestimmung des betriebsnotwendigen Kapitals

Zur Bestimmung des betriebsnotwendigen Kapitals werden vom Anlagevermögen alle nicht betriebsnotwendigen, z.B. stillgelegten Anlagen und die Finanzanlagen herausgerechnet und das Umlaufvermögen um eventuell vorhandene Wertpapiere und sonstige Vermögensgegenstände bereinigt.

Das sich aus dem bereinigten Anlagevermögen und Umlaufvermögen ergebende betriebsnotwendige Vermögen wird nun noch durch Lieferantenkredite und Anzahlungen von Kunden, dem sogenannten "Abzugskapital", reduziert. Der Zinsatz zur Ermittlung der kalkulatorischen Zinsen sollte sich am aktuellen Marktzins zuzüglich eines angemessenen Risikozuschlags orientieren. 

Vereinfacht kann jedoch auch nur das Eigenkapital verzinst werden und die sich ergebende Eigenkapitalverzinsung als Zusatzkosten zu den aus der Buchhaltung übernommenen Fremdkapitalzinsen in die KLR einfließen. 


Berechnung:

kalk. Zinsen = Betriebsnotwendiges Kapital x Zinssatz

Um das betriebsnotwendige Vermögen zu bewerten gibt es zwei mögliche Verfahren [1]:
  • Durchschnittsmethode: berechnet einen Durchschnitt, welcher das gebundene Vermögen während der Nutzungsdauer wiedergibt. In diesem Verfahren bleiben die Werte konstant.

    Für Anlagevermögen = 0,5 x kalk. Bestand

    Für Umlaufvermögen = 0,5 x (Anfangsbestand + Endbestand)

  • Restwertmethode mit durchschnittlichen Restwerten: berechnet einen Durchschnittswert basierend auf den durchschnittlichen Restwerten der einzelnen Jahre. Während in der Durchschnittsmethode die Werte konstant sind, sinken in dieser Berechnung die Restwerte über die Nutzungsdauer.

    Durchschnittlicher Restwert = 0,5 * (Anfangsbestand + Endbestand)

Für Berechnungen wie bei Maschinenstundensätzen werden nicht die kalk. Zinsen für das gesamte Unternehmen bestimmt, sondern nur auf die einzelne Anlage. Daher wird in der Regel eine abgewandelte Durchschnittsmethode angewendet. Hierbei werden zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt. Zum einen wird der kalkulatorische Zins berechnet über:
Anschaffungskosten (AK) + Schrottwert (SW) der Anlage

Oder zum anderen über die Wiederbeschaffungskosten (WbK) der Anlage.

Formeln:

Kalk. Zinsen = (AK + SW) x Zinssatz
Kalk. Zinsen = WbK x Zinssatz


Hier finden Sie eine Übung zu den kalkulatorischen Zinsen >>  




letzte Änderung Sergej Maurer am 21.11.2022

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