Die Rating - Flut

Neue Lösungen ebnen den Weg in die Internationalisierung kleiner und mittelständiger Unternehmen. Dies gilt gleichermassen für die internationale Kapitalakquisition, Lieferanten- und Kundensuche.

In den vergangenen Jahren wurde sehr sehr viel über Basel II und damit verbundenen Ratings gesprochen. Und es wurde nicht allein darüber gesprochen. Es wurden viele viele Ratings entwickelt. Qualitative Ratings und noch mehr quantitative Ratings. Viele Untersuchungen und Veröffentlichungen zeigten, dass sich der Mittelstand, in Folge seines Kredit-Bedarfs auch unbedingt auf Ratings vorbereiten muss. Aber der Mittelstand bereitete sich nicht ausreichend auf diese Situation vor. Warum? 


Kann der kleine und mittelständige Unternehmer durch vorbereitende, externe Ratings Kosten sparen? Betrachtet man die Kosten, die für die Erstellung eines externen Ratings entstehen ( oft liegen die Kosten zwischen 1.500 und 4.500 Euro), dann ist es fraglich, ob gerade kleinere Unternehmen tatsächlich die Mehr-Kosten für ein „vorbereitendes, externes Rating“ durch eine eventuell eintretende Besserstellung im internen Bankrating ausgleichen kann. 

Fazit: Für die kleinen Unternehmen rechnet sich das externe Rating erstmal nicht. 

Bekommen die kleinen Unternehmen vielleicht irgendwann wegen Basel II und Rating keine Kredite mehr? Es geht letztendlich darum, dass Banken ihr Risiko der Kreditvergabe dort minimieren, wo dessen Rückzahlungswahrscheinlichkeit gering ist. Und für diesen Zweck sind in die Prüfungsmechanismen KO- Kriterien eingebaut. Diese Warnsignale können zur Ablehnung von Krediten führen: 

Warnsignale sind:

  • Scheck- und Lastschriftrückgaben/ Wechselproteste
  • Kontopfändungen
  • Nichteinhaltung wesentlicher Absprachen
  • Leistungsstörungen bei der Bedienung von Darlehen
  • Veraltete Bilanzen/ Unterlagen
  • Kontoführung (insbes. Überziehungsverhalten)



Fazit:
 Die Atmosphäre zwischen Unternehmen und Banken in der Kreditvergabepraxis ist nicht schlecht. Dies bestätigen jüngste Umfragen. Dennoch werden Kredite nicht ohne Risikoprüfung vergeben. Dabei gibt es KO-Kriterien, die die Kreditvergabe sehr erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. 

Und was ist, wenn es dennoch zu schwierig ist, Kredite zu erlangen? Es existiert eine Vielzahl von Alternativen, die Ihnen die Möglichkeit bieten, zu Geld zu kommen:

  • Factoring (Das Verkaufen von Forderungen)
  • Leasing
  • Beteiligungen akquirieren
  • Fördermittel
  • Innenfinanzierung
  • Außenfinanzierung


Aber auch bei den Finanzierungsalternativen kommt es nicht selten zu Risikoprüfungen, die einem Rating ähneln. Welchen Nutzen hat ein Rating sonst noch? Ganz unabhängig davon, ob man nun einen Kredit günstiger erhält oder nicht. Es geht darum, die Unternehmenssituation einmal schonungslos und ehrlich auf den Prüfstand zu stellen und auszumachen, an welchen Stellen man Dinge verbessern kann.

Pauschal mag man dazu neigen, zu sagen: Bei uns läuft alles optimal. Im Detail und konkret auf bestimmte Bereiche bezogen, kann sich die Situation aber anders darstellen. Das Verbesserungs-potential könnte darin liegen, dass man erkennt, wo man selbst auch Geschäftsrisiken hat, wo Kosten gespart werden können, wo man im Markt steht und ob der Verkauf oder Einkauf tatsächlich optimal aufgestellt ist. Wie steht es denn eigentlich um die Präsentation des Unternehmens? Prospekt, Flyer, Infobroschüre, Visitenkarte? Ja! Internetseite? Ja! Das sind die Dinge, die man benötigt, um sich im schönen Licht der Werbung zu präsentieren. Diesem Schein erliegt der Kunde und Lieferant im ersten Moment.

Und was macht der Lieferant, dem gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, dass er an einen wirtschaftlich gut aufgestelltes Unternehmen liefert und neben der wenig aussagekräftigen „kleinen Wirtschaftsauskunft“ auf einen soliden Partner trifft? Er wird Wert darauf legen, mit einem Kunden zu arbeiten, der betriebswirtschaftlich gut aufgestellt ist. Dies kann durch eine entsprechende Präsentation dokumentiert werden.

Fazit: Es sollte deutlich werden, dass man sein Unternehmen mit einem geeigneten Prüfverfahren auch steuern kann. Zeigen Sie mit einer betriebswirtschaftlichen Präsentation, dass Sie ein solider Lieferant sind. Zeigen Sie, dass Sie ein solider Kunde sind.


Sollen Sie sich „raten“ lassen? Ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie das Rating zu einer Präsentation umfunktionieren? Nützlich könnte es sein, die Kriterien eines Ratings zu übernehmen und in einen proaktiven, positiven Kontext zu stellen. Gestalten Sie Ratings zu einer betriebswirtschaftlichen Präsentation um. Daraus können Sie als Unternehmer einen mehrfachen Nutzen ziehen.

  1. Sie haben eine betrieblich fundamentierte Präsentation Ihres Unternehmens, die für jede Art Geldgeber, Beteiligte, Nachfolger oder Käufer eine vertrauensbildende Entscheidungsgrundlage ist.
  2. Sie können sich auch gegenüber Kunden und Lieferanten fachlich und wirtschaftlich solide präsentieren.

Fazit:

  1. Es ist empfehlenswert, sich selbst mit der Erstellung externer Ratings zu beschäftigen oder einen Berater damit zu beauftragen ein individuelles, externes Rating zu erstellen. Es ist in jeder Hinsicht eine sehr nützliche Argumentationshilfe und Steuerungsinstrument. In jedem Fall stellt es Ihr Unternehmen individuell dar, also so wie es wirklich ist.
  2. Stellen Sie die Inhalte von Ratings in eine betriebswirtschaftliche Präsentation um und zeigen Sie sich proaktiv gegenüber Geldgebern, Kunden und Lieferanten.

Welche externen Ratinganbieter gibt es? Wo liegen die Unterschiede? Was kosten die externen Ratings? Kosten sparen und selbst ein Rating durchführen oder Berater und Agenturen ran lassen? Die Preise und Aufbau der Ratings sind sehr unterschiedlich und vielfältig. Alle Angebote orientieren sich natürlich sehr an den Anforderungen von Basel II und bemühen sich darum, adäquate Ratings zu produzieren. Einen völlig einheitlichen Standard gibt es aber nicht. Daher kann man die Vorstellung vergessen, dass ein Ratingangebot das Rating aller Banken gleichzeitig genau trifft.

Ohne an dieser Stelle auf spezielle Angebote einzugehen, ist festzuhalten, dass man Ratingsoftware von 19,00 bis über 2.000 Euro kaufen kann. Gleichzeitig findet man auch viele unentgeltliche Angebote im Internet, die aber sehr pauschal auf die Unternehmenssituation eingehen und nahezu keinen Spielraum für die wirklich individuelle Darstellung der Unternehmenssituation lassen.

Günstige Ratings bietet oftmals ein Kennzahlengerüst, das dann in eine präsentierbare Form gegossen werden muss. Die Preise steigen dann mit dem Grad ihrer Detaillierung, der optischen Form und inhaltlichen Aufbereitung. Soll man ein Rating selbst erstellen? Bei der Selbsterstellung besteht natürlich das Problem der Objektivität. Wenn Sie sich dennoch für ein eigens erstelltes Rating entscheiden, dann kalkulieren Sie die Kosten für Ihre eigene Arbeitszeit mit ein. Für die Erstellung einer halbwegs attraktiven Analyse und Finanzpräsentation sollte bis zu 2 Wochen volle Arbeitszeit einkalkuliert werden.

Fazit: Das Rating, das allen Ansprüchen aller Banken gleichzeitig gerecht wird, gibt es nicht. Angebote und Preise sind abhängig von Detaillierung, Form und inhaltlicher Präsentation. Konzentrieren Sie sich darauf eine nützliche und betriebswirtschaftliche Präsentation ihres Unternehmens zu erstellen.


Wie sähe eigentlich eine verbesserte Landschaft externer Ratings aus?  Eine Vereinheitlichung von Ratings und Finanzpräsentationen wäre sinnvoll und realisierbar. Wege in die Internationalisierung werden einfacher. Die Vergleichbarkeit einzelner externer Ratings untereinander wäre sehr wünschenswert.

Der Weg dort hin ist eigentlich nicht schwer, denn man ist sich in der Branche und in den Banken natürlich grundsätzlich darüber einig, welche Fragen zu stellen sind.

Sehr hilfreich ist ein genormtes Frage- und Antwortgerüst, in das die Inhalte einzelner individueller, externer Ratings eingefügt werden können. Vergleichbar einem Schulnotensystem entscheidet man sich für eine Ergebniskategorie von schlecht über zufrieden stellend bis gut und sehr gut. Ermittlung und Begründung der Ergebnisse sollten auf einer untergeordneten Argumentationsebene in das Gerüst eingefügt werden können.

Damit ist die Selbstbestimmung für den Tiefgang von Ermittlungen, Beurteilung und Argumentationen von Unternehmen, Agenturen, Beratern und Software sichergestellt. Sowohl kleine und große externe Ratings hätten so einen einheitlichen Rahmen und Vergleichsmöglichkeit. Die Ratingqualität beruht auf der Qualität der hinterlegten Individualauswertungen.

Die schweizer comporsys ag, eine Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Softwareentwicklungen, erarbeitet derzeit ein derartiges System, das auch mehrsprachig ist und den Weg in die Internationalisierung auf Rating- und Präsentationsebene für kleine und mittelständige Unternehmen bereitet. Damit eröffnet sich für Unternehmen sowohl die Möglichkeit der internationalen Kapitalakquisition, wie auch Lieferanten- und Kundensuche mit Unterstützung durch betriebswirtschaftliche Unternehmenspräsentation.

Fazit: Internationale Kapitalakquisition, Lieferanten- und Kundensuche ist nun auch für kleine und mittlere Unternehmen einfacher.


letzte Änderung Prof. Dr. Udo Müller am 03.09.2019

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