Unternehmensfinanzierung

Veränderungen in der Unternehmensfinanzierung als eine Grundlage für den Weg aus der Krise

In den nächsten beiden Jahren werden die Finanzierungsengpässe bzw. die Finanzierungskosten, das Wirtschaftswachstum und die Geschwindigkeit mit der sich die Volkswirtschaften aus der Krise befreien, massiv beeinflussen. Jeder Punkt um den die Zinsen und die Finanzierungskosten steigen, wird sich auf das Wachstum negativ auswirken.

Im Interesse der Volkswirtschaften und der Unternehmen muss es sein, den Banken einen gerechten Risikoausgleich für eingegangene Verpflichtungen zu gewähren. Genauso muss aber auch verhindert werden, dass die Verluste die die Krise den Banken in der Vergangenheit beschert hat, die zukünftigen Geschäfte unzumutbar belastet. 

Es gilt also zu prüfen,

  • welche Ursachen zu den heute hohen Finanzierungskosten führen,
  • mit welchen Methoden die Ursachen beeinflusst werden können und
  • wie diese Methoden in die Realität unserer Wirtschaft eingebunden werden können.


Der folgende Beitrag versucht den Bogen dazu spannen: 

Der Istzustand: 

Die Höhe der Finanzierungskosten wird immer stärker durch die Ratingeinstufung und die Besicherung determiniert. Die Kennzahlen bei den Finanzinstituten sind schwerpunktmässig ertragsorientiert oder kapitalorientiert, basieren aber in den sogenannten hard-facts fast immer auf Zahlen der Bilanz und GuV abgelaufener Jahre. 


Es sei die Frage erlaubt, welchen Sinn es macht, diese hard-facts zur Beurteilung der Sicherheit eines Unternehmens heranzuziehen. Es handelt sich zwar um Fakten aber deren hardness ist nur dann gegeben, wenn sich in der Zwischenzeit keine Veränderungen im Umfeld ergeben haben. 

Bei der Geschwindigkeit, mit der
  • sich das Umfeld der Unternehmen heute rasant verändert,
  • sich Produkte verändern und damit Unternehmen plötzlich ihre Berechtigung am Markt verlieren
  • Zusammenschlüsse oder Trennungen von Unternehmen oder Unternehmensteilen erfolgen,
  • Verlagerungen von Produktionen durchgeführt werden,
  • Preise und Tarife angepasst werden


ist es ein Anachronismus, dass man bei Buchhaltungszahlen vergangener Jahre, die einen komplett anderen Unternehmenszustand beschreiben als er sich heute darstellt, von hard-facts spricht und diese noch dazu zur Beurteilung der Zukunft heranzieht. Mit dem Blick in den Rückspiegel kann man eben nur dann fahren, wenn es keine Veränderungen gibt – und selbst in diesem Fall ist es erheblich anstrengender als mit dem Blick nach Vorne zu fahren.

Weiters wird bei dieser Beurteilung außer Acht gelassen, welche Vorleistungen in der Vergangenheit im Unternehmen erbracht wurden – oder welche Vorleistungen unterlassen wurden – die sich erst in der Zukunft auswirken. Dabei handelt es sich speziell um die Entwicklung von Produkten und Verfahren, die Weiterentwicklung der unternehmensinternen Geschäftsprozesse, die Ausbildung der Mitarbeitenden etc.

In den einzelnen Unternehmen werden aber gerade diese Einflussfaktoren bei der strategischen und operativen Planung berücksichtigt um im Spannungsfeld der Umfeldbedingungen bestehen zu können. Jedes Unternehmen ist in der Lage, für das kommende Jahr und in manchen Branchen für mehrere Jahre eine Planung zu erstellen in der alle aufgeführten Einflussfaktoren berücksichtigt sind.

Es gibt also die Informationen, die die Zukunft des Unternehmens beschreiben, aber nicht als hard-facts aus Finanzbuchhaltungen mit Vergangenheitszahlen, sondern als KPIs (Key Performance Indikator) der Zukunft, nach denen die Unternehmen tatsächlich gesteuert werden.

Die Buchhaltungszahlen der Vergangenheit interessieren die Geschäftsleitung der Unternehmen nur sehr peripher. Abweichungen von den KPIs und von der Unternehmensplanung führen jedoch meist zu sofortigen Maßnahmen um die gesteckten Ziele, die in der Planung definiert sind, bestmöglich zu erreichen.

Zusammengefasst werden als Grundlage für die Festlegung der Finanzierungskosten die traditionell benutzten Buchhaltungszahlen der Vergangenheit und nicht aktuelle Planzahlen für die Zukunft benutzt. Das Risiko ist natürlich erheblich höher, wenn die Vergangenheit zugrunde gelegt wird und so ergeben sich daraus zwangsweise auch höhere Finanzierungskosten.

Der Lösungsansatz

Was würde daher näher liegen, als die in den Unternehmen vorliegenden Planzahlen als Grundlage für das Rating zu benutzen? Objektiv betrachtet würde nichts dagegen sprechen. In den Unternehmensplanungen sind alle dem Rating zugrunde liegenden Informationen über sämtliche Teilpläne integriert und damit plausibilisiert enthalten. Ähnliche Systeme werden auch bereits teilweise bei Projektfinanzierungen mit dem sogenannten Projektrating angewandt.

Aus unserer Beobachtung sind folgende Gründe dafür verantwortlich, dass diese Planungen der Unternehmen nicht in das Rating einbezogen werden:
  1. Fehlende KPIs die aus den Planungen, die als Grundlage für das Rating benutzt werden könnten
  2. Unterschiedliche Strukturen und Qualitäten in den Planungen der Unternehmen in den unterschiedlichen Branchen
  3. Mangelhafte Planung in manchen Unternehmen
  4. Kenntnisstand der Mitarbeiter der Finanzinstitute bezüglich Planungen und Forecast in der Wirtschaft


Die integrierte Unternehmensplanung

Unternehmensplanung

Unternehmen, die integrierte Teilplanungen, wie oben aufgeführt, erstellen, haben klare Vorstellungen darüber, wie sie die Zukunft des Unternehmens steuern wollen. Allein die Verfügbarkeit dieser Planungen ist schon Anlass für, ein verbessertes Rating.

Laufende Forecasts zeigen monatlich den jeweils aktuellen Stand der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens im Vergleich zu den Planungen und stellen mit automatisierten Analysen die Ursachen für die Abweichungen dar. 

Führt man die aus den Teilplanungen und Abweichungsanalysen ableitbaren KPIs in ein Beurteilungsschema für die Banken über, das den jeweiligen Bedürfnissen der Bank Rechnung trägt, so ist mit diesen Informationen ein Rating möglich, das ein erheblich geringeres Risiko in sich birgt und daher auch zu niedrigeren Finanzierungskosten führt.

Die Umsetzung / Realisierung

Was müsste also getan werden, um diesen Zustand zu erreichen? Es müssten nach unserer Beurteilung
  1. zunächst die Verbesserungspotentiale, die sich für die Wirtschaft ergeben, wenn die nachfolgenden Punkte realisiert werden, ermittelt werden,
  2. eine "Task force" der Banken gebildet werden, die über die Kompetenz verfügt, die zur Interpretation von Planungen und Forecasts in der Wirtschaft erforderlich ist,
  3. KPIs erstellt werden, die von der Task force der Banken und Fachleuten aus der Wirtschaft erarbeitet werden und auf Basis von Planungen und Forecasts zu klar definierten Ratings führen.
  4. Mitarbeiter pro Finanzinstitut ausbilden, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Planungen richtig interpretiert in die Ratings einfliessen,
  5. die Planungen in den Unternehmen, soweit sie nicht vorhanden sind, aufzubauen oder zu ergänzen, wenn der Bedarf nach besserem Rating besteht,
  6. die Planungen und Forecasts in einer einheitlichen Software abzubilden, die in der Lage ist, die Komplexität aller Branchen darzustellen, und automatisiert die für das Rating relevanten KPIs zur Verfügung stellt.


Zusammenfassung

Der vorgezeichnete Weg würde für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft auf vielen Gebieten einen zusätzlichen Impuls geben:
  • Verbessertes Wachstum durch mehr Investitionen aufgrund der geringeren Finanzierungskosten
  • Reduktion der Risiken für die Finanzinstitute, die heute auch bei hohen Finanzierungsgebühren wegen der fehlenden Planungen bestehen
  • Verbesserung der Planungen in den Unternehmen, die zu einer verbesserten Steuerung der Unternehmen und daher zu Stabilität und Wachstum beitragen.

 
Die Autoren

Gottfried Bauer (links), Alexander Lackner (rechts)
Autor Gottfried BauerAutor Alexander Lackner




letzte Änderung G.B. am 25.05.2022
Autor(en):  Gottfried Bauer, Alexander Lackner
Quelle:  GB Controlling AG, Raiffeisen Leasing


Autor:in
Herr Gottfried Bauer
CEO der GB Controlling AG in CH-6948 Porza/Lugano hat sein Studium in Maschinenbau und Betriebstechnik mit Promotion BW abgeschlossen. Er hat Industrie-Erfahrung, Beratungs- und Software-Entwicklungserfahrung in mehr als 400 Projekten im Bereich Controlling, Rechnungswesen, Materialwirtschaft, Produktion sammeln können. Sein Beratungsspektrum sind Analysen, Geschäftsprozessgestaltung, strategisches und operatives Controlling, Kosten-, Deckungsbeitrags- und Ergebnisrechnung, Warenwirtschaft, Vertrieb, Produktion, Software-System-Einführung, Projektleitung und Project-Management.
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