Factoring zukunftsorientiert und nachhaltig im Controlling einsetzen

Joachim Haedke, Wilfried Müller
In der Unternehmensfinanzierung nimmt die Bedeutung alternativer Finanzinstrumente zu. Der klassische Bankkredit zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen oder zur Realisierung von größeren Projekten ist heutzutage nur ein Baustein in der Finanzplanung. Factoring, Sale&Lease-back, Lagerfinanzierung und viele Instrumente mehr stehen Unternehmen zur Verfügung. Dies hat auch erhebliche Auswirkungen auf unternehmensinterne Strukturen wie das Controlling.

Insbesondere der Einsatz von Factoring ist ein bedeutender Schritt hin zu einer bankenunabhängigen Finanzierung und ermöglicht es, Controlling-Verantwortlichen zukunftsorientiert und nachhaltig eine stabile Finanzstruktur im Unternehmen zu etablieren.

Factoring ist im Mittelstand angekommen

Insbesondere der Mittelstand hat Factoring in den letzten Jahren als starkes und alternatives Finanzierungsinstrument erkannt. Seitdem sind die Zahlen der Firmen, die Factoring nutzen, rapide gestiegen. Das Potential von mittelständischen Unternehmen wird zwar oft gesehen, jedoch scheitern beispielsweise Expansionspläne an der Kapitalbeschaffung. Wenn neue Maschinen angeschafft oder Aufträge vorfinanziert werden müssen, nutzen Unternehmen gern Factoring. Neben einer schnellen Liquiditätssteigerung ist auch die Planbarkeit im Controlling ein wesentlicher Punkt, den Unternehmen beim Factoring schätzen.

Factoring kurz erklärt

Durch Factoring können Unternehmen offene Forderungen gegenüber den Kunden (Debitor) an eine Factoringgesellschaft (Factor) verkaufen. Dieser Factor prüft die Bonität des Unternehmens sowie die des Debitors – meist geschieht dies über die eigene Bonitätsprüfung, über Kreditversicherungen, Schufa oder Banken.

Banken nutzen hierfür sogenannte Scoring-Systeme, die Auskunft darüber erteilen, wie viel Umsatz / Gewinn das Unternehmen macht, ob und wie viel es in der Vergangenheit an Krediten genutzt hat und auch allgemeine Daten, bspw. den Unternehmenssitz oder die Mitarbeiteranzahl.

Dem Debitor wird im Rahmen der Bonitätsprüfung ein sogenanntes Debitorenlimit erteilt. Dieses Limit legt fest, bis zu welchem Höchstbetrag der Factor Forderungen ankaufen wird. Nach positiver Limitprüfung überweist die Factoringgesellschaft dem Unternehmen die offene Forderung meist innerhalb eines bis zweier Werktage, wodurch die Liquidität des Unternehmens innerhalb kurzer Zeit wesentlich verbessert.

Da nun die Factoringgesellschaft der Eigentümer der Forderung ist, zahlt der Kunde die angekauften Forderungen direkt an diese und nicht an das Unternehmen selbst. Der Kunde wird vorab über den Verkauf der Forderung an den Factor informiert, sofern dies nicht zwischen Factor und Debitor anders vereinbart wurde (stilles Factoring).

Da Factoringgesellschaften eine Vielzahl von möglichen Factoring-Arten anbieten, ist ein genaue Analyse und Bedarfserhebung bei der Auswahl des Factors und der Factoring-Art entscheidend für die spätere gute Zusammenarbeit. Hier sollte der Unternehmer Rat bei externen Beratern und speziellen Factoringmaklern einholen, da diese den kompletten Marktüberblick haben und somit den passenden Partner und die optimalen Konditionen für das Unternehmen finden. 


Allgemeine Vorteile von Factoring

Factoring bietet einem Unternehmen Vorteile, die eine klassische Finanzierung über einen Bankkredit nicht aufweisen kann. Kein Wunder, dass Factoring entweder als kompletter Ersatz für eine Bankfinanzierung dient, oder zusätzlich zum Bankkredit betrieben wird. Die sofortige Liquidität, die dem Unternehmen durch Factoring zur Verfügung steht, ist einer der signifikantesten Vorteile. Nach maximal zwei Tagen ist die Rechnung meist schon beglichen und das Unternehmen kann das frische Kapital erneut nutzen. Beim sog. echten Factoring ist dank des hundertprozentigen Forderungsausfallschutzes das Ausfallrisiko für das Unternehmen bei Insolvenz des Debitors gleich Null.

Zudem wird das Unternehmen durch die vom Factor durchgeführte Debitorenprüfung in die Lage versetzt, bei negativer Limitentscheidung die Kunden entweder nicht zu beliefern oder sich zusätzliche Sicherheiten zu verschaffen. So setzen viele Factoringnutzer die Debitorenprüfung im Rahmen der firmeninternen Vertriebssteuerung ein. Aufgrund des permanenten, schnellen Liquiditätszuflusses durch den Factor kann auch das Unternehmen seine Lieferanten schneller bezahlen und zusätzliche Skontoerträge oder bessere Einkaufskonditionen generieren und zudem auf kurzfristige Marktschwankungen reagieren.

Factoring erleichtert Planungen im Rahmen des Controllings

Durch Factoring wird das Controlling entlastet, da das Debitorenmanagement an die Factoringgesellschaft übergeht. So ist die Finanzplanung wesentlich übersichtlicher und einfacher. Zudem werden Fixkosten gesenkt, da kein Personal für das Mahnwesen vorgehalten werden muss.

Das Unternehmen weiß durch Factoring genau, wann die Vorfinanzierung der verkauften Forderungen vom Factor an das Unternehmer erfolgt (meist innerhalb eines Tages), sodass die Liquidätsplanung wesentlich verbessert wird.

Der CFO (Finanzvorstand) kann somit die Finanzen des Unternehmens bereits längerfristig vorausplanen, Investitionen können nachhaltig getätigt werden und die Finanzstruktur des Unternehmens wird stabiler. Unter anderem auch deshalb, da das Ausfallrisiko durch die Bonitätsprüfung des Debitors beurteilt wird. Da der Factor zudem das Inkasso organisiert, hat die Buchhaltung am Ende eine saubere Abrechnung mit sämtlichen Details inklusive Statistiken und Auswertungen vorliegen.

Factoring ist zudem ein sehr agiles und flexibles Instrument. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bankkredit gibt es keine vorher festgelegte Kreditlinie, die – wie bei Banken üblich – bei einer Expansion erneut verhandelt oder zusätzlich mit Sicherheiten hinterlegt werden muss. Bei einer expansiven Entwicklung passt sich die Factoringfinanzierung automatisch den steigenden Umsätzen des Unternehmens an.

Man spricht daher auch von einer umsatzkongruenten Finanzierung. Während ein Bankkredit immer nach demselben Schema abläuft, gibt es beim Factoring verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit, verbunden mit flexiblen, auf den tatsächlichen Bedarf des Kunden zugeschnittenen Vertragsformen.

Die Factoring-Kosten sind ebenfalls exakt nachvollziehbar und fließen direkt in die Kosten-Nutzen-Rechnung einzuplanen. Bis auf die Zinskosten sind alle Beträge im Voraus bekannt. Durch die Auslagerung der offenen Forderungen an den Factor wird eine Verkürzung der Bilanz vorgenommen. Dies wiederum sorgt für eine höhere Eigenkapitalquote sowie ein besseres Rating des Unternehmens.

Durch die Verbesserung der Bonität und des Ratings hat das Unternehmen zudem eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber der Bank bei einer erneuten –höheren- Kreditaufnahme. Dies sind sehr wichtige Zielsetzungen, die der Controller nicht aus den Augen verlieren darf.

Das Controlling mit seinen Steuerungsaufgaben im Unternehmen kann durch Factoring vorausschauender agieren, indem Kapitalflüsse besser geplant werden können. Auch fallen durch Factoring wesentlich mehr Ist-Daten als Soll-Daten an, sodass beispielsweise die Koordination von ausgehenden und einkommenden Aufträgen wesentlich flüssiger ablaufen kann. Durch die Bonitätsprüfung der Debitoren wird die Debitorenbuchhaltung sowie das Inkassowesen im Controlling entlastet, da dies direkt vom Factor übernommen wird.

Sollte ein Debitor wirklich einmal nicht bezahlen, muss sich nicht das Controlling um diese Unannehmlichkeiten kümmern, da eine Forderungsausfallversicherung greift und Mahn- sowie Inkassokosten vom Factor getragen werden.

Mit Factoring kann ein Unternehmen nicht nur Zeit und Kosten sparen, es kann auf dem Markt auch wesentlich flexibler agieren. Aufgrund einer schnellen Liquiditätszufuhr und der massiven Verbesserung im Controlling, durch die Planbarkeit von Finanzströmen, ist Factoring ein guter Weg, um Unternehmensstrukturen zu festigen und Wachstum zu generieren - ohne dabei große Risiken einzugehen.

 

Co-Autor:in
wilfried-mueller.jpgHerr Wilfried Müller: Diplom-Volkswirt Wilfried Müller war jahrelang als Vorstandsvorsitzender einer großen deutschen Factoring Gesellschaft tätig und hat lange Zeit auf leitenden Positionen bei international tätigen Finanzunternehmen gearbeitet. Zudem beteiligte sich Herr Müller als Co-Autor des Factoring Handbuchs. Heute berät er Unternehmen im Bereich Factoring bei der Finanzierung.com GmbH




Quelle: news.de, haus-der-beratung.net, elbe-factoring.de, forderungsmanagement.com
letzte Änderung J.H. am 26.08.2022
Autor:  Joachim Haedke, Wilfried Müller
Bild:  panthermedia.net /nito500


Autor:in
Herr Joachim Haedke
Dipl.-Kfm. Joachim Haedke ist Geschäftsführer der Finanzierung.com GmbH und Experte im Bereich Corporate Finance, insbesondere Neustrukturierung von Bilanzen durch Alternative Finanzierungen, aber auch in den letzten 15 Jahren tätig im Bereich Eigenkapitalbeschaffung u.a. im Rahmen mehrerer Börsengänge
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