Neulich im Golfclub: Das Eigentor der Klimabewegung (RCP 8.5)

Prof. Dr. Peter Hoberg
Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich, um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurden von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich schon immer auf die Unternehmerrunde. Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche.

In deren Verlauf warfen die Unternehmer ihr Praxisferne vor. Sie konnte aber häufig mit neuen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen frisch aus der Vorlesung verblüffen. Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: "Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?" Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt (schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist).

Entscheidung des Weltklimarates

In dieser Woche stand die Verlautbarung des Weltklimarates oder genauer des internationalen Klimarates (ICCP, Intergovernmental Panel on Climate Change) diskutiert. Er hatte seine Hochrechnung RCP 8.5 (Representative Concentration Pathway) als nicht plausibel zurückgezogen. Der CO2-Anteil sollte danach von heute ca. 430 auf fast 1000 ppm in 2100 ansteigen.

Fritz Fuhrwerk, der Leiter einer Spedition, seufzte: "Wenn ich das richtig verstehe, ist die Lage des Klimas doch nicht so schlimm wie wir in den letzten Jahren täglich lesen mussten, oder?"

Stefan Steuer, der Chefcontroller eines großen Markenartikelunternehmens, führte aus: "Der Weltklimarat hat in der richtigen Erkenntnis, dass exakte Prognosen des zukünftigen CO2 Gehalts der Luft unmöglich sind, unterschiedliche Szenarien aufgestellt. Diese hängen davon ab, wie stark es der Welt gelingt, den Verbrauch fossiler Energien zu reduzieren. Das pessimistischste Szenario nahm an, dass die Emissionen drastisch steigen würden. Statt der heute 420 ppm würde der CO2 Anteil auf über 1000 ppm steigen. Angesichts der hohen Preise von Kohle, Öl und Gas war das schon damals sehr unrealistisch."


Lukas Löser, der Chef einer Energieberatung, präzisierte: "2025 ist der CO2-Weltausstoß nur noch um 0,4 % auf 38,5 Gt gestiegen. Da kann man wirklich nicht mehr von drastischer Steigerung sprechen. Dieses Szenario 8.5 war also unrealistisch und musste (endlich) zurückgezogen werden. Fachleute hatten schon jahrelang auf die Realitätsferne hingewiesen. Sie hatten herausgefunden, dass es angeblich gar nicht genug Kohle, Gas und Öl auf der Erde gibt, um so hohe CO2-Emissionen zu erzeugen."

Dieter Durchblick, der Wirtschaftsredakteur, nickte: "Das eigentliche Problem liegt aber in der Kommunikation. Während im ausführlichen Bericht des ICCP noch alle Szenarien aufgeführt wurden, war das wohl vielen Journalisten nicht mehr sensationell genug. Schnell erfolgte eine Verengung der Berichterstattung auf Basis des RCP 8.5. Danach würden die Temperaturen auf der Erde bis zum Jahre 2100 um ca. 5 Grad steigen. In vielen Diskussionen wurde dieses unrealistische Szenario als Diskussionsgrundlage genommen. Und mit der erzeugten Weltuntergangsangst konnten zahlreiche teure Maßnahmen durchgedrückt werden, die niemand bei kühlem Kopf akzeptieren würde. Aber es ging ja um die Welt ..."

Er wandte sich an Pauline: „Weißt Du, welchen Einfluss Deutschland auf den CO2 Ausstoß weltweit hat?“ Pauline hatte das an der Hochschule schon gehört und konnte antworten: „Das Verhalten der Deutschen hat praktisch keinen Einfluss auf das weltweite CO2-Niveau. Und der minimale Einfluss eines eventuell etwas geringeren Verbrauches an fossilen Brennstoffen führt dazu, dass die geringere Nachfrage in Deutschland durch andere Länder weitgehend kompensiert wird. Denn wie Prof. Sinn es sehr gut klar gemacht hat, wird kein Erdölexporteur sein Öl im Boden lassen, solange die Preise die Förderkosten übersteigen." Alle nickten zustimmend.

Nur Andreas Ampel, der letzte Fan der gescheiterten Ampelregierung, wandte ein: "Aber immerhin ist der Verbrauch an fossilen Energie zurückgegangen."

Carlo Controletti, der Wirtschaftsprüfer, korrigierte: "Das stimmt nur auf den ersten Blick. Die Maßnahmen der letzten deutschen Regierungen waren praktisch wirkungslos. Der Verbrauch an fossilen Energien ist kaum zurückgegangen und das, obwohl die Industrie Deutschland in großen Umfang verlassen hat bzw. verlässt wegen Bürokratie und hohen Energie- und Personalkosten. Die Rezession ist also die Hauptursache für den minimalen Rückgang, der für 2026 auf weniger als 2 % geschätzt wird. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Verlagerung der Produktion, z. B. nach China, den CO2-Ausstoß der jeweiligen Produktion ungefähr verdreifacht. Also weltweit noch nicht einmal ein Nullsummenspiel, sondern eine Verschlechterung."

Willi Watt, der Chef des örtlichen Energieversorgers, machte auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "Aber Deutschland könnte durch bessere Technik einen großen Einfluss ausüben, z. B. durch höhere Effizienz der Kraftwerke. Der Zug für bessere Solarpaneele und Speicher ist leider nach China abgefahren. Deutschland weiß immer nur, was es nicht will. Kernenergie, Braunkohle, Steinkohle, Gas-Fracking, Hochspannungsleitungen …"

Stefan Steuer führte aus: "Deutschland muss sich auf massive Wohlstandsverluste einstellen, auch wenn die Politik versucht, dies durch maßlose Neuverschuldung zu verschleiern. Das Gemeine ist, dass die Rechnung für die Geldverschwendung und Deindustrialisierung von unseren Kindern und Enkeln bezahlt werden muss und das in einer Gesellschaft, die aufgrund der Vergreisung und der schlechten Schulbildung immer weniger leistungsstark sein wird. Arme Pauline!“

Pauline konnte darüber natürlich nicht lachen: "Traurig, aber wahr. Unsere Generation wird die erste nach dem Krieg sein, deren Lebensstandard wesentlich sinken wird."

Dieter Durchblick wies auf ein weiteres Problem hin: "Eine unrühmliche Rolle spielt auch die EU in Brüssel. Durch die Annahme, dass E-Autos keine CO2-Emissionen haben, wird fast gewaltsam eine Entwertung der Verbrenner betrieben, obwohl kleine Verbrenner teilweise sogar weniger CO2 ausstoßen als E-Autos, wenn diese abends geladen werden. Denn abends kommt der zusätzliche Strom häufig aus fossilen Kraftwerken (Marginalansatz)."

Dieter Diesel, der Händler für Verbrenner-Pkw, seufzte zustimmend: "Und der Autokonzern Stellantis mit den Marken Fiat, Opel, Peugeot, Citroen, Chrysler etc. muss für 2027 auf heutiger Basis ca. 1 Mrd. Euro Strafe zahlen, weil der CO2-Durchschnitt der zugelassenen Neufahrzeuge (Flottenverbrauch) zu hoch liegt. Diese Strafe würde die Investitionsfähigkeit schmälern."

Stefan Steuer fasste zusammen: "Durch die einseitige Fokussierung auf das völlig unrealistische RCP-8,5-Szenario hat die Klimabewegung nur kurzfristig gewonnen, in Wirklichkeit aber ein Eigentor geschossen. In der Panik wurden fast wahllos Maßnahmen beschlossen, die teilweise sogar den gegenteiligen Effekt hatten, wie die nach China verlagerten Produktionen mit viel mehr Kohlestrom zeigen. Inzwischen hat die Klimabewegung ihre Glaubwürdigkeit verloren. Und das ist schlimm, weil ja viele Probleme zur Lösung anstehen. Jetzt hilft nur eine vorurteilslose Analyse der getroffenen und der geplanten Maßnahmen. Voreilige Schlussfolgerungen aufgrund des Katastrophenszenarios RCP 8.5 müssen korrigiert werden. Vielleicht kann das Vertrauen der Bürger wieder ein wenig zurückgewonnen werden."



Literaturempfehlungen:



letzte Änderung P.D.P.H. am 27.05.2026
Autor:  Prof. Dr. Peter Hoberg
Bild:  Bildagentur PantherMedia / vova130555


Autor:in
Herr Prof. Dr. Peter Hoberg
Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms. Seine Lehrschwerpunkte sind Kosten- und Leistungsrechnung, Investitionsrechnung, Entscheidungstheorie, Produktions- und Kostentheorie und Controlling. Prof. Hoberg schreibt auf Controlling-Portal.de regelmäßig Fachartikel, vor allem zu Kosten- und Leistungsrechnung sowie zu Investitionsrechnung.
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