Neulich im Golfclub: Arme deutsche Autoindustrie – Traurige Gewinne

Prof. Dr. Peter Hoberg
Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich, um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurden von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich schon immer auf die Unternehmerrunde. Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche.

In deren Verlauf warfen die Unternehmer ihr Praxisferne vor. Sie konnte aber häufig mit neuen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen frisch aus der Vorlesung verblüffen. Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: "Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?" Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt (schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist).

In dieser Woche stand mal wieder die Autoindustrie im Mittelpunkt, und da insbesondere der Niedergang der deutschen Autoindustrie.

Stefan Steuer, der Chefcontroller eines großen Markenartikelunternehmens, führte aus: „Es sind gerade neue Zahlen zur Profitabilität der Autoindustrie herausgekommen. Gemessen wird die Profitabilität als Ebit-Umsatzrendite. Diese ist zwar problematisch, aber sie kann einen ersten Vergleich liefern. Im ersten Quartal 2026 betrug die Ebit-Rendite von Mercedes 1,9% und von BMW 3,6%.

Fritz Fuhrwerk, der Leiter einer Spedition, seufzte: „Wenn ich das richtig verstehe, ist die Lage sehr ernst, weil die Ebit-Umsatzrendite von Premiumherstellern zweistellig sein müsste, oder?

Dieter Durchblick, der Wirtschaftsredakteur, nickte: „So ist es. Im Jahre 2023 hatte Mercedes auf einen Wert von 12,8%, BMW 11,9%. Und niedrige einstellige Werte sind betriebswirtschaftlich gesehen bereits Verluste.“ Er schaute Pauline an und fragte sie: „Habt Ihr an der Hochschule schon besprochen, warum die Ebit-Marge so problematisch ist?“

Pauline konnte antworten: „Das Ziel eines Unternehmens muss der Gewinn nach allen Kosten sein. Bei der Ebit-Marge fehlen die Abzüge für Fremdkapital, Eigenkapital und für die Gewinnsteuern. Also müssten eigentlich die ökonomischen Gewinne (EVA = Economic Value Added) betrachtet werden. Insbesondere die Kapitalkosten ziehen die echten Gewinne tief in die roten Zahlen, wenn die Ebit-Margen nur gering einstellig sind.

Lukas Löser, der Chef einer Energieberatung, fragte: „Ich dachte, BMW hätte sich aus dem Schlamassel heraushalten können?“

Dieter Diesel, der Händler für Verbrenner PKW, erklärte: “BMW hat sich frühzeitig mit der E-Mobilität beschäftigt, was zunächst mal gut ist. Aber die Milliardeninvestition in die Carbon-Technik hat sich als falsch herausgestellt. Die damit produzierten Autos erzielten nur geringe Stückzahlen. Dazu kommt der Einbruch in China, wo alle ausländischen Hersteller große Probleme haben.

Gerhard Großspur, der örtliche Autovermieter, ergänzte: „Dazu kommen die Probleme in den USA, wo große Gewinne gemacht wurden. Aber das Trump-Chaos u. a. durch die Zölle hat die Gewinne reduziert. Zudem belasten die Umstellungskosten auf die Elektromobilität. Und dazu kommen einige Rückrufaktionen.

Andreas Ampel, der letzte Fan der alten Regierung, warf ein: „ Aber ich hoffe, dass zumindest Porsche gut verdient hat.“

Stefan Steuer konnte das nicht bestätigen: „Nein, Porsche hat nur noch 7% Ebit-Marge gehabt, also viel zu wenig. Und als Premiumhersteller waren lange Zeit Werte von knapp 20% normal. Die dramatische Situation zeigt sich auch darin, dass 2025 die Mitarbeiterbeteiligung ausgefallen ist. Üblich waren früher ca. 9 T€.

Willi Watt, der Chef des örtlichen Energieversorgers, führte aus: „ Ein weiterer wesentlicher Grund für die Probleme der Autoindustrie liegt in den Beschlüssen der früheren Regierungen, insb. der Ampel, welche hohe und teure Auflagen eingeführt haben – Beispiel maximale CO Flottenemission – und auch für extrem hohe Strompreise gesorgt haben. Und die Habeck-Aussage, dass man dann produzieren müsse, wenn Wind- oder Solarstrom zur Verfügung stehe, lässt auch für die Zukunft nichts Gutes ahnen. Die Maßnahmen der letzten deutschen Regierungen waren praktisch wirkungslos. Der Verbrauch an fossilen Energien ist kaum zurückgegangen und das, obwohl die Industrie Deutschland in großen Umfang verlassen hat bzw. verlässt wegen Bürokratie und hohen Energie- und Personalkosten.“

Carlo Controletti, der Wirtschaftsprüfer, wies darauf hin, dass andere internationale Hersteller besser abgeschnitten hätten: „Toyota hat 7,9% Ebit-Marge erzielt, was für einen Großserienhersteller sehr gut ist, zumal sie ähnliche Probleme wie die deutschen Hersteller zu lösen haben.

Stefan Steuer fasste zusammen: „Leider gehört die Autoindustrie zu den wichtigsten Branchen in Deutschland. Und der Niedergang betrifft auch die Zulieferindustrie, in der schon einige Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Zusammen mit dem Stellenabbau der Autohersteller wird die frühere Lokomotive der deutschen Industrie ins Stocken geraten. Die Arbeitslosenzahlen steigen weiter, obwohl der Staat Stellen aufbaut. Es wird nicht einfach.

An diesem Abend gingen die Teilnehmer sehr nachdenklich nach Hause. Fast jeder hatte die eine oder andere Verbindung in die Autoindustrie. Diese Umsätze, und noch schlimmer die Deckungsbeiträge, waren in Gefahr.


Literaturempfehlungen:

Zu den Problemen der Ebit-Umsatzrendite: Hoberg, P. (2016): Jahresabschlussanalyse: Irreführende Umsatzrenditen, in: Der Betrieb, Nr. 18/2016, 69. Jg. S. 1029-1032.



letzte Änderung P.D.P.H. am 10.08.2026
Autor:  Prof. Dr. Peter Hoberg
Bild:  Bildagentur PantherMedia / Valeriy Kachaev


Autor:in
Herr Prof. Dr. Peter Hoberg
Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms. Seine Lehrschwerpunkte sind Kosten- und Leistungsrechnung, Investitionsrechnung, Entscheidungstheorie, Produktions- und Kostentheorie und Controlling. Prof. Hoberg schreibt auf Controlling-Portal.de regelmäßig Fachartikel, vor allem zu Kosten- und Leistungsrechnung sowie zu Investitionsrechnung.
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