Break-Even-Analyse für mehrere Produkte (Mehrproduktunternehmen)

Mit Excel-Arbeitshilfe für den Einstieg

Jörgen Erichsen
 

Die klassische Break-even-Analyse kann in Mehrproduktunternehmen nicht ohne Adaptionen genutzt werden, da es je Artikel eine Vielzahl möglicher Variablen und Entwicklungen gibt bzw. geben kann. Beispielsweise können Absatzmengen, Preise und variable Kosten bei einem, mehreren oder allen Produkten schwanken. Damit lässt sich ein genauer Break-Even-Punkt nicht berechnen. Außerdem muss mehrmals mit Durchschnittswerten gerechnet werden, was eine absolut genaue Bestimmung ebenfalls schwierig macht.

Dennoch lässt sich die Break-even-Analyse auch in Mehrproduktunternehmen einsetzen und kann die Führungskräfte bei Erfolgsplanung und Unternehmenssteuerung unterstützen. Denn es lassen sich durchaus realistische Werte für den insgesamt benötigten Umsatz und Absatz über alle Produkte ermitteln, bei dem der Break-Even-Punkt erreicht wird. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es beim berechneten Break-Even-Punkt durchaus zu Schwankungen und Abweichungen gegenüber der Planung bis zu 10-15% kommen kann – und zwar nach oben und nach unten.

Vorschlag einer Vorgehensweise – Mit Excel-Arbeitshilfe

Zunächst müssen für alle Artikel die aktuellen oder geplanten Absatzmengen in Stücken, die Preise pro Stück (netto nach Abzug von Umsatzsteuer und Rabatten) sowie die variablen Kosten pro Stück ermittelt oder geplant werden. Die Berechnung von Umsätzen und Gewinnen erfolgt auf Basis von Jahreswerten.

Aus diesen Zahlen ergeben sich die Deckungsbeiträge und -grade (Deckungsbeitrag im Verhältnis zum Umsatz) pro Stück, das Umsatz- und Deckungsbeitragsvolumen je Artikel. Außerdem der durchschnittliche Deckungsgrad über alle betrachteten Artikel. Zur Berechnung von möglichem Gewinn und der Break-Even-Mengen wird noch die Summe der Fixkosten benötigt.
Hinweise zur Arbeit mit der Excel-Datei 
Eingaben müssen nur im Tabellenblatt BEA-Daten in den Zellen mit blauer Schrift getätigt werden. Es können Zahlen für bis zu 15 Artikel eingegeben werden. Teile des Tabellenblatts können ein- und ausgeblendet werden, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Unternehmen mit mehr Produkten müssen ggf. Zusammenfassungen zu Produktgruppen vornehmen. Im Beispiel wurde mit 10 Artikeln gerechnet. Die Tabellenblätter können auf jeweils einer Seite ausgedruckt werden. Die Werte sind teilweise gerundet und es kann zu Rundungsdifferenzen kommen. Alle Zahlen und Eingaben sind rein fiktiv und sollen nur zeigen, wie die Anwendung funktioniert. Download der Datei hier >> (Für Premium-Mitglieder frei!)

Werden die Fixkosten durch den durchschnittlichen Deckungsgrad dividiert, erhält man den Gesamtumsatz, der nötig ist, um die Fixkosten zu decken und den Break-Even-Punkt zu berechnen. Im Beispiel liegt er bei knapp 700.000 Euro (s. Abb. 1).

Für ein Unternehmen und den Vertrieb ist es jetzt wichtig zu wissen, wie sich der Breakt-Even-Umsatz und auch die zu verkaufenden Mengen zumindest in etwa auf die Artikel verteilt. Für die Berechnung kann man wie folgt vorgehen:
  1. Berechnung des Absatzmengenanteils jedes Produktes an der Gesamtabsatzmenge. Im Beispiel hat Artikel 1 einen Anteil von 21,43%
  2. Berechnung des durchschnittlichen Deckungsbeitrags pro Stück über alle betrachteten Artikel. Dazu wird das Deckungsbeitragsvolumen durch die Gesamtabsatzmenge dividiert. Im Beispiel ergibt sich so ein durchschnittlicher DB von 26,55 Euro (371.700 Euro / 14.000 Stück).
  3. Die Gesamt-Break-Even-Menge erhält man, wenn die Fixkosten durch den durchschnittlichen DB dividiert werden. Im Bespiel liegt sie bei 10.546 Stücken (280.000 Euro / durchschnittliche Fixkosten 26,55 Euro).
  4. Jetzt wird der Absatzmengenanteil je Produkt mit der durchschnittlichen Gesamt-Break-Even-Menge multipliziert und man erhält den Break-Even-Absatzmengenanteil eines einzelnen Produktes. Im Beispiel wurde der Prozentwert von 21,43% bei Artikel 1 mit den 10.546 Stücken der Gesamt-Break-Even-Menge multipliziert. Damit müssen von Artikel 1 2.260 Einheiten (3.000 * 21,43%) verkauft werden, um den Break-Even-Umsatz Gesamt zu erhalten. Bei den weiteren Artikel wurde ebenfalls so vorgegangen. Können von allen Produkten die berechnete Anzahl Artikel verkauft werden, erreicht man den Break-Even-Punkt. Können mehr Produkte verkauft werden, entspricht jeder erzielte Deckungsbeitrag einem Gewinn bzw. einer Gewinnerhöhung um eben diesen Betrag.
  5. Zusätzlich wird noch der Sicherheitsabstand oder -koeffizient berechnet ((Absatzmenge – BE-Menge) / Absatzmenge * 100). Er zeigt an, wie weit der Absatz oder Umsatz über alle Produkte gleichermaßen zurückgehen darf, wenn das Unternehmen nicht in die Verlustzone geraten soll. Im Beispiel liegt er bei knapp 25% (s. Abb. 1).

Die Ergebnisse der Berechnungen im Beispiel sind in Abb. 1 zu sehen. 

Break-Even-Analyse Mehrproduktunternehmen Bild 1.png
Abb. 1 Eingabe der Zahlen im Tabellenblatt „BEA-Daten“ mit Auswertungen

Ergebnisse der Break-Even-Analyse visualisieren

Mit den Zahlenreihen liegen die zentralen Ergebnisse der Analyse bereits vor. Um die Übersichtlichkeit und Transparenz zu verbessern, sollten die Resultate grafisch dargestellt werden. Das ist im Tabellenblatt „Grafik I“ möglich (vgl. Abb. 2).

Letzte Änderung W.V.R am 14.03.2025

Autor(en): Jörgen Erichsen
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