Deckungsbeitragsrechnung für digitale Geschäftsmodelle

Alexander Rodosek, M.Sc. LL.B.
 

Die meisten Instrumente des Controllings dienten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung insbesondere der Bewertung der damals vorherrschenden Geschäftsmodelle und den dahinterstehenden Prozessen der Wertschöpfung. Was geschieht jedoch, wenn sich die Geschäftsmodelle - welche mit Hilfe der Verfahren analysiert werden - und die dahinterstehenden Wertschöpfungsprozesse grundlegend ändern?

Digitale Geschäftsmodelle unterscheiden sich wesentlich von den Geschäftsmodellen produzierender Unternehmen und Dienstleister. Die operativen Wertschöpfungsprozesse laufen automatisiert. Die Vervielfältigung digitaler Dienste funktioniert unlimitiert, während die Inanspruchnahme geografisch und zeitlich nahezu unbegrenzt ist. Im Vergleich zu den Investitionen im Rahmen der initialen Entwicklung und den laufenden Akquisekosten von (Neu-)Kunden, sind die Reproduktionskosten der digitalen Leistung relativ gering. Aus diesen und weiteren Eigenschaften digitaler Geschäftsmodelle resultieren veränderte Ansprüche an das Controlling und die Controlling-Instrumente.

Neben einer beispielhaften und anwendungsorientierten Deckungsbeitragsrechnung (DBR) für digitale Produkte und Services, erläutert dieser Artikel einleitend den Begriff des digitalen bzw. datengetriebenen Geschäftsmodells und zeigt die Besonderheiten beim Aufstellen und der Interpretation der einzelnen Bestandteile der Deckungsbeitragsrechnung für ein digitales Geschäftsmodell auf [1].  Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Access 2 Justice UG – einem 2016 gegründeten Unternehmen mit Sitz in Köln, welches auf den Internetseiten meinBafoeg.de und dasElterngeld.de Applikationen für digitale Antragserstellung betreibt.

Digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle

Wie bei vielen Schlagwörtern rund um das Thema Digitalisierung existieren zahlreiche Definitionen zu dem Begriff des digitalen bzw. datengetriebenen Geschäftsmodells. Digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle kennzeichnen sich vor allem durch besondere Ausprägungen in den Bereichen der Wertschöpfung, des anvisierten Kundenkreises sowie der Kostenstruktur im Vergleich zu analogen Geschäftsmodellen [2].  Während analoge bzw. produktzentrierte Geschäftsmodelle physische Produkte erstellen und ggf. ergänzende Services anbieten, entsteht der Mehrwert bei einem datengetriebenen Geschäftsmodell aus einem digitalen Service, der getrieben durch die (eingegebenen) Daten des Nutzers einen - in der Regel digitalen - Mehrwert generiert. Anders als bei einem klassischen produktorientierten Geschäftsmodell, bei dem die Schlüsselaktivitäten auf der Entwicklung, der Herstellung, der Produktion und dem Vertrieb des Produkts liegen, geht es bei datenzentrierten und digitalen Geschäftsmodellen in erster Linie um die Erst- und Weiterentwicklung des digitalen Services sowie der möglichst ausgeprägten Automatisierung des laufenden Betriebs in Form von Erfassung, Speicherung, Verarbeitung und Ausgabe der Daten auf der Plattform [3].

Unterscheidung datengetriebenes und digitales Geschäftsmodell

Datengetriebene Geschäftsmodelle können danach charakterisiert werden, dass die Generierung des Mehrwerts für den Kunden insbesondere durch die elektronische Verarbeitung von Daten und der anschließenden Bereitstellung (digitaler) Werte entsteht. Als Beispiel: Sie erwerben eine App mit darin enthaltenen Fahrradrouten für Deutschland. Sie können dort Start- und Zielort auswählen, die Applikation schlägt Ihnen die beste, schönste oder schnellste Route vor. Alle Werte, sowohl die hinterlegten Routen als auch die letztendlich personalisierte bzw. vorgeschlagene Route, sind digital.

Bei digitalen Geschäftsmodellen könnte zur Charakterisierung weniger die Ausprägung der hergestellten Werte in digitaler Form als die Fokussierung auf moderne informationstechnische digitale Technologien verstanden und herangezogen werden. Als Beispiel dazu folgender Fall: Ein Mietwagenanbieter ermöglicht den Kunden, die angebotenen Fahrzeuge innerhalb eines bestimmten Gebiets per Handy-App zu suchen, zu mieten und die Miete wieder zu beenden. Im Zentrum steht die Leistung in Form der Bereitstellung eines Transportmittels, also etwas real Analoges. Allerdings setzt dieses Geschäftsmodell in der Vermarktung und in der Abwicklung der Vermietung auf Informationstechnologien, wie das mobile Internet, Smartphones, NFC und Handy-Apps.

Die Ausarbeitung einer denkbaren Unterscheidung soll im Weiteren nicht Teil dieses Beitrags sein. Im Folgenden werden die Begriffe daher synonym verwendet.

Letzte Änderung W.V.R am 11.03.2025

Autor(en): Alexander Rodosek, M.Sc. LL.B.
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