Neulich im Golfclub: Veraltete Planungsmethoden

Dr. Peter Hoberg
 

Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurde von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich schon immer auf die Unternehmerrunde.

Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche, im Laufe derer die Unternehmer ihr Praxisferne vorwarfen, sie aber häufig mit neuen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen ganz frisch aus der Vorlesung für Verblüffung sorgen konnte. Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: "Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?" Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt (schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist). 

Veraltete Planungsmethoden

Diese Woche war die Stimmung sehr gedrückt, weil die Finanzzahlen bei den meisten – aber nicht allen – immer schlechter wurden. Es wurde deutlich, dass sich die Unternehmen sehr unterschiedlich auf das schwierige Jahr vorbereitet hatten. Tankred Durst, der Chef einer Getränkekette, war zuversichtlich in das Jahr gegangen, weil er davon überzeugt war, dass immer getrunken wird. Das stimmte zwar, aber die Verbraucher waren auf andere Getränke ausgewichen. Und nicht zuletzt auf Leitungswasser.

Auch Stephan Weihen, der Molkereibesitzer, erlebte eine unangenehme Überraschung, weil sein Biosortiment in Zeiten schwindender Kaufkraft große Einbußen hinnehmen musste, auf die er nicht vorbereitet war. Er schimpfte: "Jeden Tag gehen die Absätze weiter zurück und wir können gar nicht mehr die unter Vertrag genommene Milch verarbeiten. Und die Mitarbeiter stehen sich die Füße in den Bauch."

Kurt Kappe, der sehr vorsichtige Hersteller von Flaschenverschlüssen, hatte das umgekehrte Problem: "Wenn ich sehe, was wir im Herbst 2022 noch für 2023 geplant hatten, wird mir schlecht. Aber anders als Ihr denkt. Ich habe mich leider überzeugen lassen, dass die Zeiten sehr hart werden und habe sofort die Neueinstellungen gestrichen und sogar vorsichtshalber Kündigungen ausgesprochen. Alte Maschinen habe ich nicht ersetzt und die Wartung der vorhandenen herausgeschoben, um Geld zu sparen und weil ich nicht erwartete, sie zu benötigen. Jetzt boomt es in einigen Segmenten und ich kann nicht liefern.“ Alle waren sich einig, dass die herkömmlichen Planungsmethoden, die viele Jahre funktioniert hatten, zu einem schlechten Ergebnis geführt hatten.

Dieter Durchblick, der Redakteur der Wirtschaftszeitung, führte aus, dass es sich um eine VUCA-Situation handele, also um eine Situation, die gekennzeichnet sei durch Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. Pauline wurde gefragt, was sie an der Hochschule für solche Situationen gelernt habe. Sie konnte antworten: "In extrem unübersichtlichen Situationen wie der jetzigen wird seit Längerem "Beyond Budgeting" empfohlen. Man muss zurzeit einfach anerkennen, dass wir die Zukunft nicht (mehr) hinreichend genau abschätzen können. Deswegen besteht ein Ansatz des Beyond Budgeting darin, starre Pläne aufzugeben und wesentlich flexibler zu agieren.“

Stefan Steuer, der Chefcontroller eines großen Markenartikelunternehmens, bestätigte Paulines Aufführungen: "Ja, das stimmt so. Aber man handelt sich einen großen Nachteil ein."

Letzte Änderung W.V.R am 09.05.2023

Autor(en): Dr. Peter Hoberg
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