Sunk Profits: Fehlentscheidungen vermeiden

Aus der Serie: Controllers Trickkiste

Prof. Dr. Peter Hoberg
 

Ein neuer Begriff muss in die BWL eingeführt werden: Sunk Profits

Der Begriff Sunk Profits ist angelehnt an das Konzept der Sunk Cost. Letztere bezeichnen Kosten, die nicht mehr beeinflusst werden können, wobei der Kostenanfall auch in der Zukunft liegen kann (vgl. z. B. Hoberg (2018, S. 1 ff.). Sunk Profits hingegen sind Profits (Gewinne), die nahezu sicher und (fast) ohne weitere Tätigkeiten realisiert werden können/könnten. Wie bei den Sunk Cost liegt Ihre Ursache in der Vergangenheit und kann entweder schon angefallen sein oder erst in der Zukunft kommen.

Wichtig ist zu erkennen, dass Sunk Profits dazu führen, dass ein bestimmtes Ergebnisniveau bereits gegeben ist. Wenn jetzt neue Maßnahmen diskutiert werden, müssen diese dazu führen, dass dieses schon vorher gesicherte Ergebnisniveau überschritten wird. Wenn dieser Grundsatz nicht beachtet wird, können schlimme Fehlentscheidungen die Folge sein, welche das Ergebnis unnötig verschlechtern. Auch große Konzerne begehen diesen Fehler und lassen sich auch noch dafür feiern …

Ein aktuelles Beispiel wird hier besprochen.

Entstehen der Sunk Profits

Es sei angenommen, dass ein Unternehmen bereits frühzeitig verbindliche Verträge über die Lieferung von Kupfer abgeschlossen hat. Es verfüge über Lieferverträge, gemäß derer ein Preis für eine bestimmte Menge von 3 Mio€ vereinbart wurde. Durch die hohe Nachfrage ist der Kupferpreis im letzten Jahr stark gestiegen, so dass der Wert der Menge nun 4 Mio€ beträgt. Da Kupfer ein standardisiertes Produkt ist, kann es leicht gehandelt werden. Somit hat das Unternehmen jederzeit die Möglichkeit, die unter Vertrag genommenen Mengen weiterzuverkaufen, so dass ein Ergebnis von 1 Mio€ bereits gesichert ist.

Mit dem Verkauf zu Marktpreisen würde der Gewinn von 1 Mio€ realisiert. Dieser Betrag stellt Sunk Profits dar, weil nur noch der Verkauf organisiert werden müsste. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis weiterhin sehr hoch sein wird, ist im kurzfristigen Bereich zudem sehr hoch.

Im Verkaufsfall könnten jedoch dann keine Produkte mehr gefertigt werden, es sei denn, man würde sie zu Marktpreisen einkaufen. Somit muss gefordert werden, dass die interne Verwendung des Kupfers nicht mit den historischen Kaufpreisen, sondern mit den möglichen Verkaufspreisen (Marktpreisen) bewertet wird. Nur wenn unter Zugrundelegung dieser Wiederbeschaffungspreise ein besseres Ergebnis erzielt wird, sollte das Kupfer nicht verkauft werden.

Gewinne in der Produktion aufgrund historisch niedriger Einkaufspreise zu zeigen, ist ein schwerer Fehler. Dieser Fehlschluss sei – wieder in Anlehnung an die Sunk Cost Fallacy – als Sunk Profits Fallacy bezeichnet.

Letzte Änderung W.V.R am 03.06.2025

Autor(en): Prof. Dr. Peter Hoberg
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