Neulich im Golfclub: Der große Denkfehler in der Umweltpolitik

Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurden von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich schon immer auf die Unternehmerrunde. Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche, im Laufe derer die Unternehmer ihr Praxisferne vorwarfen, sie aber häufig mit neuen betriebs- wirtschaftlichen Erkenntnissen ganz frisch aus der Vorlesung für Verblüffung sorgen konnte. Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: „Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?“ Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt (schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist).

Die edle Runde diskutierte mal wieder über Autos, wo sich ja ein jeder perfekt auskennt. Aber dieses Mal ging es nicht um den schnellsten oder wertstabilsten Wagen, sondern die Antriebsart stand im Vordergrund. Dies wurde insbesondere durch den Dieselskandal befeuert. Bernhard Birkenstock, der Leiter der Biomarktkette, gab zum Besten: „Von mir aus könnte man alle Verbrennungsmotoren verbieten. Ich habe schon die ersten Elektroautos gekauft.“

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Gerhard Großspur, der örtliche Autovermieter, fand das gar nicht lustig: „Spinnst du, die Dinger kosten immer noch mehr als das Doppelte.“ Er sah schon sein Verleihgeschäft gefährdet, zumal er ja nicht für Kraftstoffkosten aufkommen musste.
Der Leiter der Taxizentrale unterstützte jedoch den Verbotsgedanken. Für ihn war es ideal, weil die Strecken kurz waren und er beim Warten auf die Kunden teilweise wieder aufladen konnte. Er hatte bereits vor einiger Zeit auf Hybridfahrzeuge umgestellt, so dass er über die drohenden Fahr- verbote für Dieselfahrzeuge nur lachen konnte.
Großspur suchte Unterstützung und wandte sich an Pauline: „Was würdest Du denn sagen, wenn Du für ein kleines Auto nicht 10.000 Euro, sondern 20.000 Euro ausgeben müsstest?“
„Ich habe beides nicht, insofern brauche ich mich nicht zu entscheiden.“
Für die anderen Anwesenden waren solche Beträge natürlich Peanuts, aber es war gut für sie zu sehen, dass das nicht der Normalfall war und sie nahmen sich vor, über das Trinkgeld einen gewissen Ausgleich herzustellen.
Pauline fuhr fort: „Ich fahre daher Fahrrad und bin deswegen sauer über die verfehlte Energie- und Klimapolitik der Regierung.“
Wie immer wenn es um Politik ging, gab es lautstarke Kommentare, sowohl zustimmende als auch protestierende. Einig war man sich nur, dass die Steuern zu hoch waren. Ein Kritiker bemerkte: „Die eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 schafft Deutschland nie.“ Die Befürworter der Regierung fanden es dagegen gut, dass die Elektrofahrzeuge subventioniert wurden und forderten Fahrverbote für Dieselautos.
Pauline fragte in die Runde: „Warum will man denn überhaupt Elektrofahrzeuge und dann noch eine Million davon?“
Großspur antwortete: „Kindchen, das ist aber eine dumme Frage. Die sind umweltfreundlich, weil sie keinen direkten Schadstoffausstoß haben und überhaupt keinen, wenn der Strom über Photovoltaik oder Wind erzeugt wird.“
Pauline konterte: „Das stimmt so allgemein nicht. Denn man muss ja auch die mit der Herstellung verbundenen Umweltprobleme sehen. Zudem haben wir an der Hochschule gelernt, dass die Politik einen Riesenfehler begangen hat, indem sie die Art des Antriebs subventioniert und nicht den Grad der Zielerreichung der Luftreinhaltung.“
Lukas Löser, Chef einer Energieberatung, sagte: „Da habt Ihr ja endlich mal was Vernünftiges gelernt, Pauline. Ein Kleinwagen mit einem Drei-Liter-Verbrauch ist bei gleicher Fahrstrecke sicher umweltfreundlicher als ein elektrisches SUV mit einem Gewicht von über zwei Tonnen.“
Pauline war dankbar für die Unterstützung und ergänzte: „Reduziert werden muss der Schadstoffausstoß, egal wo er anfällt. Welche Antriebsart das wohl am besten schaffen wird, sollte auf keinen Fall die Politik entscheiden. Wenn jemand einen durstigen amerikanischen Straßenkreuzer kauft, ist das zunächst kein großes Problem. Erst seine intensive Nutzung würde Probleme schaffen.“ Pauline berichtete von der West Side Story in Magdeburg: „Da sind einige Ami-Schlitten auf die Bühne gefahren und wieder zurück. Das wird nicht viel CO2 erzeugt haben im Vergleich zu einem normalen Auto, das intensiv genutzt wird.“
Lukas Löser ergänzte: „Pauline, das stimmt voll und ganz. Zudem werden dadurch andere eventuell bessere Lösungen benachteiligt.“
Pauline beschwerte sich: „Wahnsinn, dass Dieselkraftstoff auch noch geringer besteuert wird. Und der Wahnsinn geht weiter. Autos werden so konstruiert, dass sie im offiziellen Verbrauchszyklus sehr günstig abschneiden. Auf der Straße jedoch liegt der Verbrauch häufig um 30 Prozent und mehr höher. Der zusätzliche Dreck wird von der Allgemeinheit getragen, was man externe Kosten nennt.“
Birkenstock wollte unterstützen: „Sag ich doch, weg mit dem Diesel!“
Pauline: „Entschuldigung, dass ich widerspreche, aber das ist damit nicht gemeint. Gegen saubere Dieselmotoren kann man nichts haben. Allerdings müsste der Staat seine Überwachungspflicht endlich ernst nehmen. Die Kosten für die Verschmutzung müssen für die Industrie und die Verbraucher kräftig steigen. Damit werden saubere Lösungen gefördert. Das wäre dann die notwendige Internalisierung der externen Kosten.“

letzte Änderung P.D.P.H. am 17.09.2019
Autor(en):  Dr. Peter Hoberg

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Der Autor:
Herr Prof. Dr. Peter Hoberg
Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms. Seine Lehrschwerpunkte sind Kosten- und Leistungsrechnung, Investitionsrechnung, Entscheidungstheorie, Produktions- und Kostentheorie und Controlling. Prof. Hoberg schreibt auf Controlling-Portal.de regelmäßig Fachartikel, vor allem zu Kosten- und Leistungsrechnung sowie zu Investitionsrechnung.
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