Schaut man sich die Kapitalflussrechnungen von Unternehmen an, die diese im Rahmen ihres Geschäftsberichts veröffentlichen, findet man verwirrender Weise für die einzelnen Positionen der jeweiligen Überleitungsrechnungen (vom Periodenergebnis zum Cashflow) teilweise völlig unterschiedliche Bezeichnungen vor. Anders als bei der Gewinn- und Verlustrechnung gibt es hier keine einheitlichen Vorgaben für das Format.
Lediglich die Dreiteilung des Gesamt-Cashflow in operativen Cashflow, Cashflow aus Investitionstätigkeit und Cashflow aus Finanzierungstätigkeit findet man überall wieder. Der vorliegende Artikel versucht die Verwirrung aufzulösen, die durch die unterschiedlichen Formate und Begriffe in Überleitungsrechnungen entsteht und hilft dabei, die Methodik der Rechnung – vom Periodenergebnis zum operativen Cashflow – besser zu verstehen.
1. Problematik
Ein
Beispiel zum Einstieg: Greenpeace Energy (heute: Green Planet Energy) hat im Jahr 2020 einen Jahresüberschuss von 111 T€ erzielt, während der Cashflow bei –2,8 Mio. € lag.
Diese hohe
Differenz zwischen
Jahresüberschuss und Cashflow ist nicht unbedingt ungewöhnlich, kann aber überraschen oder irritieren, wenn man nicht weiß, wodurch sie zustande kommt. Die
Kapitalflussrechnung von Greenpeace Energy und auch aller anderen größeren Unternehmen, deren Geschäftsberichte in der Regel über das Internet abrufbar sind, zeigt eine Überleitungsrechnung mit allen Positionen, die für die Differenz zwischen Jahresüberschuss und Cashflow verantwortlich sind. Diese Herleitung kann aber dann erneut Verwirrung stiften, wenn man sieht, dass keine zwei Unternehmen genau die gleichen Positionen in ihren Überleitungsrechnungen ausweisen.
Dieser Artikel erläutert die
Hintergründe der Überleitungsrechnung und gibt
Hilfestellung beim Verständnis der darin enthaltenen, teilweise verwirrenden Begrifflichkeiten.
2. Hintergrund
Bei der Überleitungsrechnung vom Periodenergebnis (Jahresüberschuss) der Gewinn- und Verlustrechnung zum Cashflow kommt die sogenannte
indirekte Methode zur Ermittlung des Cashflow zur Anwendung. Man bedient sich des bereits vorhandenen Rechenwerks und kommt so leichter von der
Rentabilitäts- zur
Liquiditätsbetrachtung, als wenn man für die Liquiditätsbetrachtung ein eigenes
Rechenwerk aufbauen müsste, in dem alle Einzahlungen und Auszahlungen der Periode direkt gegenübergestellt würden (direkte Methode).
In dieser Überleitungsrechnung sollen also alle diejenigen Positionen, die in das
Periodenergebnis eingerechnet wurden, die aber nicht zahlungswirksam sind, wieder herausgerechnet werden und alle Positionen, die zahlungswirksam sind, aber nicht im Periodenergebnis enthalten sind, nachträglich eingerechnet werden.
Letzte Änderung W.V.R am 11.03.2025
Autor(en):
Dr. Ursula Binder