Neulich im Golfclub: Der kleine Unterschied

Prof. Dr. Peter Hoberg
 

Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich, um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurden von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich schon immer auf die Unternehmerrunde.

Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche, im Laufe derer die Unternehmer ihr Praxisferne vorwarfen, sie aber häufig mit neuen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen ganz frisch aus der Vorlesung für Verblüffung sorgen konnte. Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: „Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?“ Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt (schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist).

Zunächst wurde natürlich über die Anhebung der Bemessungsgrenzen für die Sozialversicherungen um über 6% geschimpft. Das würde die ihrer Meinung nach viel zu hohen Lohnnebenkosten entsprechend erhöhen. Und der Anreiz zur Arbeit würde wieder geringer.

Aber das Hauptthema war natürlich die Fernsehdiskussion in den USA zwischen Kamal Harris und Donald Trump. Es wurde natürlich auch diskutiert, welche Folgen der/die jeweilige Präsident(in) für Deutschland haben würde. Stefan Steuer, der Chefcontroller eines großen Markenartikelunternehmens, startete die Diskussion: „Egal wer gewinnt, es wird schlechter für Deutschland. Beide Kandidaten haben keine besondere Affinität zu Europa und werden - leider zurecht - das Trittbrettfahren Deutschlands bei den Militärausgaben nicht weiter tolerieren.“

Dieter Durchblick, der Wirtschaftsredakteur, konnte das nur unterstreichen: „ Die Selbstverpflichtung von 2% des BIP konnte nur mit äußert windigen Tricks erreicht werden. Und dann wurden auch noch Ausgaben aus dem Sonderprogramm, welches nach der russischen Invasion aufgelegt worden war, dazugezählt. Dabei sollte das ja nur einen Teil der Versäumnisse der Vergangenheit auffangen und dürfte gar nicht mitgezählt werden.

Carlo Controletti, der Wirtschaftsprüfer, stimmte dem zu: „Wenn Ihr so buchen und bilanzieren würdet, würdet Ihr schnell ein Verfahren an den Hals bekommen. Und kein Wirtschaftsprüfer würde das akzeptieren, obwohl einige ja – wie der Wirecard Skandal zeigt – ein ziemlich lockeres Verhältnis zur sorgfältigen Aufklärung haben.“

Andreas Ampel, der letzte Fan der Regierung, freute sich allerdings: „Da hat das Auswärtige Amt von Frau Baerbock den Amerikanern mit dem Kommentar zur Fernsehdiskussion ordentlich eingeschenkt mit dem Hinweis auf die vorbildliche deutsche Energiepolitik.“

Letzte Änderung W.V.R am 03.06.2025

Autor(en): Prof. Dr. Peter Hoberg
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