Begriffsverwirrung vermeiden: Die langfristige Preisuntergrenze

Dr. Ursula Binder
 

Der Begriff der langfristigen Preisuntergrenze stammt ursprünglich aus der Mikroökonomie. Ermittelt man dort das Minimum der Stückkosten eines Produktes, landet man bezogen auf die Produktions- und Absatzmenge beim so genannten Betriebsoptimum. Setzt man den Preis dann genau in Höhe dieses Stückkosten-Minimums an, führt das zu einem Gewinn von Null. Die Idee ist, dass man mit dieser Preispolitik an hart umkämpften Märkten mit relativ niedrigen Preisen bestehen kann, ohne Verluste zu machen.

Die Kostenrechnung hat den Begriff und die Idee der langfristigen Preisuntergrenze übernommen. Auch hier wird diese in Höhe der gesamten Stückkosten angesetzt und somit genau ein Gewinn von Null erzielt. Allerdings basiert das Modell in der VWL auf zwei grundlegenden Annahmen, die so in der praktischen Anwendung der Kostenrechnung bzw. Preisgestaltung nicht zutreffen und daher zu Verwirrung und Fehlinterpretationen führen können. Diese beiden Annahmen sind:

  1. die S-förmige Kostenfunktion
  2. das Einprodukt-Unternehmen

Zu 1.: Die S-förmige Kostenfunktion leitet sich aus der so genannten Produktionsfunktion vom Typ A (Ertragsgesetz) ab und ist eine der ältesten mathematischen Darstellungen von Kostenfunktionen, mit der sowohl in der VWL als auch in der Kostenrechnungstheorie gearbeitet wird. Sie hat sich aber in der Praxis nicht bestätigt.

Zu 2.: Das Minimum der Stückkosten-Funktion wird über die Bildung der 1. Ableitung nach der Produktionsmenge x ermittelt. "Die" Produktionsmenge kann aber nur ermittelt werden, wenn es tatsächlich nur eine Produktionsmenge gibt, also auch nur ein Produkt im Unternehmen existiert. Das stellt eine Einschränkung dar, die zu Schwierigkeiten in der Anwendung und Missverständnissen in der Interpretation führt.

Die meisten praktisch eingesetzten Methoden und Modelle in der Kostenrechnung basieren heute auf der linearen Kostenfunktion. Auch wenn immer wieder darauf hingewiesen werden muss, dass diese niemals exakt und über das gesamte Beschäftigungsintervall von 0 bis zur Kapazitätsgrenze zutrifft, stellt sie doch eine gute Möglichkeit dar, innerhalb gewisser Grenzen und mit den notwendigen Einschränkungen zu guten Abschätzungen und Trendaussagen zu kommen.

Letzte Änderung W.V.R am 11.03.2025

Autor(en): Dr. Ursula Binder
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