Lebensaufgabe für Controller: Wissen aufbauen

Interview mit Andreas Janke vom Fachkräftevermittler Hays

Wolff von Rechenberg
 

Für die Karriere im Controlling reicht das BWL-Studium allein nicht mehr aus. Der Controller der Zukunft besitzt die Bereitschaft zu Veränderung und lebenslangem Lernen. Das sollte er auch belegen können, sagt Andreas Janke vom Personalvermittler Hays im Gespräch mit Controlling-Journal.

Controller hören immer öfter, dass sie neben klassischem Controllerwissen (Methoden, Zahlen) verstärkt kommunikative Fähigkeiten und IT-Wissen aufbauen sollen. Wie gewichten Unternehmen aus Ihrer Sicht diese unterschiedlichen Punkte in ihren Anforderungen an Controller?
Andreas Janke: Es gibt einen signifikanten Wandel im Selbstverständnis des Controllings und auch in seiner Bedeutung – weg von retrospektiver Analyse und der Erklärung des Gewesenen, hin zu Echtzeitanalysen und dem Blick in die Zukunft mit Predictive Analytics. Dieser Perspektivwandel muss mit entsprechenden technischen Möglichkeiten einhergehen. IT-Fähigkeiten sind folglich unerlässlich. Da die Menge der verfügbaren Daten ständig zunimmt, sind alle Controller aufgerufen, sich Werkzeuge und Verfahren anzueignen, um diese Datenmengen zielführend auswerten zu können. Dies müssen sie in die Unternehmenssteuerung einbinden, damit es zu früheren und treffenderen Entscheidungsprozessen kommt. Nur so entsteht aus den zusätzlich gewonnen Daten ein Wettbewerbsvorteil.

Müssen sich Controller darauf einrichten, dass sie am Arbeitsmarkt künftig mit Informatikern oder Wirtschaftsinformatikern konkurrieren?
Janke: Man kann durchaus sagen, dass der mathematisch-analytische Anteil steigt und sich somit auch neue Berufsbilder entwickeln, wie beispielsweise das des Data-Analysts, Data-Scientists oder Data-Engineers. Darin geht es allerdings nicht um die Interpretation oder das in die Zukunft gerichtete Element, das ich angesprochen habe. Es geht in den neuen Berufen erst einmal um das Beherrschen der Datenflut, welche die IT verfügbar macht. Hierdurch entstehen spezialisierte Rollen, die das Controlling unterstützen und den Controller von der Grundlagenarbeit entlasten. Um die Daten zu organisieren und transparent zu machen, braucht es dann aber Experten, die im Detail verstehen, woher die Daten kommen und diese so aufbereiten können, dass anschließend eine vernünftige Entscheidung auf der Basis dieser Daten möglich wird. Der Controller ist somit immer stärker gefragt, Daten zu interpretieren und daraus Szenarien und Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten.

Wird der Controller von Unternehmen mehr als Generalist gesehen oder als Spezialist?
Janke: Das kann man so nicht präzise unterscheiden. Es gibt natürlich unterschiedliche Firmenkulturen und unterschiedliche Controlling-Mindsets. Generalist muss der Controller sein, weil das Controlling viel näher an die operativen Entscheidungen heranrückt. Deshalb sollte der Controller der Zukunft einen Blick auf das Unternehmen insgesamt haben, da er eng vernetzt mit den Entscheidern zusammenarbeitet und sich nicht mehr auf lediglich klassische Controlling-Techniken be- schränken kann. Der Controller wird zunehmend als Business-Partner gesehen, der das Management unterstützt – wenn auch als Spezialist auf seinem Gebiet. Aber er wird nicht mehr als der Gate-Keeper gesehen, sondern muss interaktive Systeme implementieren, die allen Führungskräften den Zugriff auf relevante Daten in Echtzeit ermöglicht.

Ist die Entwicklung, die Sie skizziert haben, eine einheitliche Entwicklung, oder machen Sie da Unterschiede beispielsweise nach Betriebsgröße oder Branche?
Janke: Das ist noch nicht entschieden. Es gibt natürlich einige Vorreiterunternehmen, die beispielsweise schon jetzt in Data-Labs investieren, um dort neue Techniken und Verfahren zu entwickeln. Solche Prozesse stehen zum Beispiel bei KMUs nicht so weit oben auf der Agenda. Die digitale Transformation hängt auch stark vom Geschäftsmodell ab. Wenn es sich um ein eher traditionelles Geschäftsmodell handelt, wird die Notwendigkeit dieser Entwicklung im Augenblick noch nicht so deutlich spürbar sein. Aber auch dort wird die Veränderung Einzug halten. Je moderner das Geschäftsmodell ist, desto größer sind auch die Möglichkeiten der Datenverarbeitung. So kann es in einigen Unternehmen durch den Einsatz von Technologie im Controlling zum Beispiel zu individueller Preisgestaltung für den Kunden kommen.

Letzte Änderung W.V.R am 11.03.2025

Autor(en): Wolff von Rechenberg
Quelle: Controlling-Journal
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