Der Economic Value Added berechnet bekanntlich den Übergewinn einer Periode indem vom EBIT die Kapitalkosten für das Capital Employed abgezogen werden: EBIT - CI x WACC
Meine Frage lautet wie folgt: Normalerweise werden doch schon in der Kostenrechnung die Mindestverzinsungsansprüche der EK- und FK-Geber (Kalkulatorischen Zinsen) beachtet und abgezogen. Daher müsste doch das "interne" operative Ergebnis nach Zinsen das gleiche aussagen wie der EVA?
als Denkfehler kann man das nicht bezeichnen. Es handelt sich halt schlicht um den Unterschied zwischen - vereinfacht formuliert - der deutschen und der angelsächsischen Herangehensweise an das Thema.
Mit "EVA" haben die Amerikaner ja nicht das Rad neu erfunden und die Vorgehensweise ist alles andere als unumstritten, vgl. z. B. hier:
Nach meinem persönlichen Dafürhalten wird EVA von vielen Unternehmen benutzt, weil viele andere Unternehmen es benutzen, weniger aus innerer Überzeugung bezüglich der Nützlichkeit für unternehmerische Entscheidungen in der Praxis.
Zurück zu Deinem Denkfehler, der keiner ist: Du gehst von einer KLR deutscher Prägung aus, die so in angelsächsischen Ländern nicht gemacht wird. Die Ergebnisse würden in der Praxis nicht völlig übereinstimmen, z. B. allein schon, weil - da kann ich nur für mich sprechen - ich bei der Ermittlung kalkulatorischer Zinsen die Verwendung der Größe WACC nicht für praxisnah halte.
Die Denkweise, die hinter EVA und dem Betriebsergebnis aus der KLR steckt, ähnelt sich aber schon, und in beiden Systemen steckt - zum Glück - eine gehörige Portion Bauchgefühl, was aber gerade bei EVA durch einen mathematischen Überbau verschleiert wird, der zu dem Schluss führen soll, hier würden harte Fakten präsentiert.
Grundsätzlich halte ich es für wenig zielführend, Zahlen "deutsch" zu ermitteln und diese dann in "angelsächsische" Rechenschemata zu pressen. Andererseits braucht es in der globalisierten Ökonomie Vergleichsmaßstäbe. Ein Dilemma, das EVA nicht befriedigend löst.
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