Freie Wirtschaft oder öffentlicher Dienst

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Freie Wirtschaft oder öffentlicher Dienst
Hallo zusammen,

Ich habe 2018 meine Ausbildung zum Industriekaufmann beendet und wurde von dem Betrieb dann eine Stelle in der Buchhaltung angeboten. Diese habe ich auch angenommen, allerdings wurden die Zahlen immer schlechter, ein Kollege wurde schon betriebsbedingt gekündigt und daher habe ich mir nach 6 Monaten einen neuen Job gesucht.

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Untergekommen bin ich bei einer großen Marketing-Agentur als Mitarbeiter im Controlling. Mir macht die Arbeit Spaß. Die Kollegen sind in Ordnung und uns werden sehr viele Freiheiten gewährt.

Allerdings ist unser zuständiger Direktor sehr geizig. Das Einstiegsgehalt ist sowieso echt niedrig (2.200 €), nun bin ich bei 2.300 €. An unserem anderen Standort in Süddeutschland steigt man mit gleicher Position bei 2.700 € ein.

Anfang des Jahres wurde uns eine hohe Gehaltserhöhung versprochen, "die Gehälter würden erheblich und deutlich merkbar steigen". Joa, ab Dezember gibt es 100 € brutto, also 55 € netto mehr.

Unser Team wird nun aufgespalten, jeder Mitarbeiter bekommt ab Oktober ein eigenes Projekt. Dazu werden neue Mitarbeiter eingestellt, welche in den jeweiligen Projekten eingesetzt werden. Die bereits vorhandenen Mitarbeiter (also mein Team und ich) werden Teamleiter und erhalten Personalantwort für 10 - 20 Personen. Dazu kommt 24/7 Erreichbarkeit, Projektkoordination, Einarbeitung usw. Habe mich eigentlich darüber gefreut, bekommen allerdings keinen einzigen Cent mehr.
—————

Ein guter Freund von mir ist Abteilungsleiter bei einem Landesbetrieb im öffentlichen Dienst. Dort ist aktuell eine Stelle im Controlling freigeworden. Wenn ich möchte, holt er mich ins Boot. Das Gehalt ist deutlich besser, würde etwa 30 % mehr verdienen. Die Aufgaben sind zum aktuellen Job relativ ähnlich. Zudem sicherer Arbeitsplatz, geregelte Arbeitszeiten. Finde ich alles super. In 1,5 Jahren bin ich mit meinem Bachelor fertig. Der Landesbetrieb ist ziemlich groß, viele Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren in Rente gehen, somit sind die Aufstiegschancen wahrscheinlich auch nicht so schlecht.

Würdet ihr das machen? Habe etwas Sorge, dass öffentlicher Dienst absolut schlecht im Lebenslauf aussieht. Und falls ich irgendwann mal in die freie Wirtschaft wechseln möchte, meine Chancen gleich 0 sind.

Danke und viele Grüße
Hallo Green90,

ich denke nicht, dass eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst grundsätzlich ein Minuspunkt in der Biografie ist. Es kommt darauf an, dass du bei deinem Arbeitgeber auf der Höhe der Zeit bist und du Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten hast und nutzt. Wenn dir die Arbeit im neuen Job inhaltlich zusagt und du dort besser bezahlt wirst, dann spricht aus meiner Sicht nichts gegen einen Wechsel. Da dein aktueller Arbeitgeber ja offensichtlich nicht einmal mehr Verantwortung mit mehr Geld honoriert, sieht es mit finanziellen Aufstiegsmöglichkeiten ja eher mau aus.

Gruß
FHH
Hallo Green90,

weit kommt man mit den Klischees des "Öffentlichen" aber nicht. Schon gar nicht, wenn es um Karrierewege geht. Denn dafür ist Deutschlands größter Arbeitgeber (4,5 Millionen Mitarbeiter) zu vielfältig. Die Chancen aufzusteigen sind auch besser.

Falls du irgendwann mal in die freie Wirtschaft wechseln möchtest, sind deine Chancen proportional deiner Erfahrungen und Fertigkeiten.

Nicht zu unterschätzen- gut ausgebildete junge Leute wie dich hat der öffentliche Dienst bitter nötig, denn das Personal ist im Durchschnitt zu alt und der Bedarf an Fachkräften groß mit dem Blick auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dies wird nicht selten als Sprungbrett für eine spätere Anstellung in der freien Wirtschaft als erfahrener Spezialist genutzt.

Auch aus Sicht des traditionellen Industrieunternehmens wird dein Lebenslauf später immer noch vorteilhaft. Du hast zum Wohl des Gemeinwesens beigetragen.

Ich drücke dir die Daumen und wünsche viel Erfolg.

Gruß
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