Controlling(konzept) in der Altenpflege

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Controlling(konzept) in der Altenpflege
Hallo zusammen im Forum.

Ich beginne demnächst (nach Abschluss meines Studiums) meine Stelle als Controller im Pflegedienstleistungssektor.
Dabei geht es überwiegend um die Steuerung von mehreren Altenpflegeeinrichtungen. Ich selbst bin Neuling im Pflege- und Gesundheitssektor, die Stelle als Controller bzw. die Funktion des Controllings im Unternehmen wird auch neu eingerichtet, das heißt ich bin maßgeblich am Aufbau des Controllings beteiligt.

Daher wären meine Fragen:
Gibt es hier Leute, die in ähnlichen Bereichen mit Controlling zu tun haben? Für mich wäre vor allem interessant, welche besonderen Herausforderungen für das Controlling in der Branche zu beachten sind?
Aber auch generell würde ich mich über ein paar Gedankenanregungen bedanken, was den Aufbau einer Controllingkonzeption (gerade, aber nicht nur in dem Sektor) angeht. Worauf ist zu achten, sowohl fachlicher als auch organisatorischer Art. Wen sollte man ins Boot holen, welche Routinen kann und sollte man einrichten?

Vielen Dank und viele Grüße
Peter
Hallo Peter,

ich habe jahrelang im Controlling in der Altenpflege bei einem Wohlfahrtsverband gearbeitet. Ich bin Betriebswirt, inzwischen aber in einer anderen Branche tätig.

Es gibt mehrere Bereiche zum Hingucken

Personalkosten
Geht man davon aus, dass die einzelnen Bestandteile des Pflegesatzes ungefähr der Realität entsprechen, dann kann man mit dem pflegebedingten Anteil wunderbar eine Abweichungsanalyse durchführen. Die refinanzierten Personalkosten und VK´s sind vorgegeben. Ein Abgleich mit den Ist-Zahlen ergibt hoffentlich eine positive Abweichung.

Wäsche
DEr Wäscheverbrauch lässt sich mittels Verbrauchsauswertungen des Lieferanten ebenfalls abgleichen. Dieser ist zusammen mit dem Imko-Bedarf der wichtigste Posten im SAchkostenbereich. Wenn man die kg-Verbräuche pro Haus hat, kann man als Kennzahl den kg-Verbrauch pro Bewohner und Tag ermitteln und dazu Zilvorgaben machen. Denn Wäsche verschwindet, wird zu oft gewechselt wtc. Da ist meistens Luft drin...

Inko-Bedarf
Sofern es noch keine VErsorgung der GKV direkt gibt (Ausschreibungen der AOK), kann man die Inko-Pauschale der GKV (ca. 38 € netto glaub ich) den Ist-Werten ggü. stellen. Die Kosten gibt es vom Lieferanten.

Instandhaltung
Bei der Wirtaschaftsplanung sollte berücksichtigt werden, dass die Gesamtsumme die verhandelte Pauschale pro Bewohner nicht übersteigt.

Verpflegung und Reinigung
Sofern nicht "outgesourct" gibt es hier im SAchkostenbereich ebenfalls großes Steuerungspotential. Falls doch natürlich ebenso - allerdings meist auf qualitativer Ebene :-)

Das wars, was mir so als erstes einfällt. Falls noch Fragen sind, einfach melden...

Viele Grüße
Vielen Dank für die Rückmeldung!

Das waren schon mal ein paar gelungene Anregungen, da bin ich für jeden Erfahrungswert dankbar.
Die Personalkosten sind natürlich ein großer Faktor, das habe ich auch schon so gesehen.

Ich denke, dass morgen, wenn ich wieder etwas Zeit habe mich mit der Sache auseinander zu setzen, noch ein paar Fragen aufkommen.
Würde mich da über ein erneutes Feedback sehr freuen.

Gibt es denn ein paar Empfehlenswerte Instrumente die in dem Bereich regelmäßig Anwendung finden könnten?
Macht es beispielsweise Sinn in diesem Bereich und der Größenordnung von 5 Altenpflegehäusern ein Kostenrechnungssystem einzuführen?
Oder durch die hohe Bedeutung qualitativer Aspekte etwa eine Balanced Scorecard? Oder gibt es andere sinnvolle Kennzahlen(systeme)?

Viele Grüße Peter
Hallo Peter,

neben den bisher genannten Herausforderungen all diese Dinge im Blick zu haben und zu sehen, dass der Laden in diesen Handlungsfeldern läuft, fallen mir noch die Pflegesatzverhandlungen ein. Aus meiner Erfahrung wird diesem Thema oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt - vor allem auch aus Strategischer Sicht. Also ein Aufbau eines Pflegesatzverhandlungscontrollings :-)

Eine Kostenträgerrechnung in der Altenpflege wird durchaus kontrovers diskutiert. Dabei ist die Frage nach der Einführung unabhängig von der Größe des Unternehmens. Vielmehr muss die Frage geklärt werden: Welchen Informationsgehalt für die Steuerung bringen mir Stückkosten für die Pflegestufe 3? (Sofern dieses als Produkt definiert wird) Ich sehe damit monatlich, in welchem Verhältnis ich zu dem Erlös dieser Pflegestufe stehe. ABER: Fast alle Kosten muss man wahrscheinlich über Bezugsgrößen verteilen. Damit wird eine Abweichungen alle Pflegestufen betreffen. Verteilt man also die Gemeinkosten nach Äquivalenzziffern (wie oft in der Fachliteratur empfohlen), weiß ich immer noch noch, ob für die Pflegestufe 3 tatsächlich mehr Kosten anfallen. M.E. nach kann man mit dieser Kennzahl nicht wirklich steuern. Und es werden Diskussionen losgetreten, ob die Umlagen etc. so korrekt sind - da kommt man vor lauter Diskussionen eh nicht zum Steuern :-)

Eine BSC empfinde ich als sinnvoll! Mit qualitativen Kennzahlen (wie z.B. Bewohner mit Dekubiti,...) kann eine Leitung gut steuern und vor allem "etwas damit anfangen". Die Ursache-Wirkungsbeziehungen sind bei den richtigen Kennzahlen auch gut nachvollziehbar, so dass sich die Auswirkungen auf die finanziellen Ziele plausibel sind, so dass auch der Controller zufriden ist. Bei anderen Kennzahlensystemen - z.B. DuPont kann man oft nur mathematische Zusammenhänge erfassen - das gestaltet sich m.E. nach schwieriger in der Branche.

Viele Grüße
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