Ertragswertverfahren

Eines der gängigsten Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswertes ist das Ertragswertverfahren. Bei diesem Verfahren wird auf der Basis einer Plan-Gewinn- und Verlustrechnung und mittels der Abzinsung der daraus errechneten zukünftigen Ertragsüberschüsse der Wert des Eigenkapitals zum Bewertungsstichtag berechnet.1 Es wird somit davon ausgegangen, dass der Unternehmenswert sich hauptsächlich aus dem Potenzial, zukünftig Gewinne zu erwirtschaften, ergibt.


Das Ertragswertverfahren ist an den Grundsätzen ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung ausgerichtet und verwendet somit als Ansatz auch den Grundsatz der Zukunftsbezogenheit der Bewertung.2  Mit den Augen des Käufers gesprochen, soll der Kaufpreis nicht höher sein, als Gewinne zu erwarten sind. Bei der Bewertung nur die Vergangenheitswerte zu betrachten, ist folglich nicht aussagekräftig genug.


Es stellt sich somit die Frage, ob das Geld besser in das Unternehmen oder in alternative Kapitalanlagen investiert werden sollte. Zur Beantwortung dieser Frage ist demnach der Wert zu ermitteln, der eingesetzt werden muss, damit der erwirtschaftete Gewinn eine angemessene Verzinsung für den vorgegebenen Zeitraum darstellt. In der Regel beträgt der betrachtete Zeitraum 3 Jahre.

Der Ertragswert wird mittels zweier Faktoren berechnet: zum einen der erwartete zukünftige Gewinn und zum anderen der interne Zins, auch Kapitalisierungszinssatz genannt. In diesem Fall wird von einer unbegrenzten Lebensdauer des Unternehmens ausgegangen.

    Ertragswert =  künftiger Ertragsüberschuss * 100
                                    Kapitalisierungszins
3

Der zukünftig erwartete Gewinn wird auf der Grundlage der Vergangenheitswerte geschätzt, genauer gesagt, wird er aus dem durchschnittlichen, um betriebsfremde, periodenfremde, sowie außerordentliche Aufwendungen und Erträge und dem objektivierten Unternehmerlohn, bereinigten, Betriebsertrag ermittelt. Der Kapitalisierungszins hat einen sehr großen Einfluss auf den Ertragswert und setzt sich aus mehreren Zinssätzen zusammen. In der Regel addiert er sich aus einem Basiszinssatz, der mit der Verzinsung einer alternativen risikolosen Kapitalanlage gleichzusetzen ist 4, des Weiteren aus einem Immobilitätszuschlag, einem Abzug für Inflationsschutz und einem Risikozuschlag, der meist bei 3-4% liegt. Die Prozentwerte werden aufsummiert und ergeben dann den Kapitalisierungszinsfuß. Je höher dieser Zinssatz ist, desto niedriger wird der Wert des Unternehmens ausgewiesen und andersherum.

 

Bei der Ermittlung des Ertragswertes kann zwischen objektiv und subjektiv unterschieden werden. Der objektiv ermittelte Unternehmenswert bezeichnet hierbei den zukünftigen Unternehmenserfolg, der bei unveränderter Unternehmensfortführung und unter Beachten der realistischen Entwicklungen von Umwelt und Markt zu erreichen ist. Der subjektive Ertragswert hingegen betrachtet zusätzlich noch geplante Maßnahmen, die Einfluss auf den möglichen Gewinn nehmen können, wie z.B. Restrukturierungen oder die Nutzung von Synergieeffekten. Somit ergibt sich je nach Ermittlungsansatz des zukünftigen Gewinnes (subjektiv oder objektiv) ein unterschiedlicher Ertragswert.5


Der ermittelte Ertragswert bietet zwar eine aussagekräftige Grundlage für Vertragsverhandlungen beim Unternehmenskauf bzw. -verkauf, er ist aber dennoch nur als Orientierungswert zu verstehen. Käufer und Verkäufer müssen ihre individuelle Wertunter- und Wertobergrenze setzen und dann versuchen, einen Preis zu finden, der für beide Parteien tragbar ist.

 

 

 

 

1  Vgl. Küting, Weber; S. 32.
2  Vgl. IDW, S. 22.
3  http://www.ihk-lahndill.de
4  Vgl. IDW [a], S. 29.
5  Vgl. Seppelfricke, S. 30.

Drucken RSS

Literaturhinweise

Weitere Fachbeiträge zum Thema

Kommentar zum Fachbeitrag abgeben

Kommentare werden redaktionell geprüft bevor sie veröffentlicht werden.

Ihr Name:
Ihre E-Mail:
Smileys
Lachen  happy77  happy73 
Mr. Green  Skeptisch  Idee 
Frage  Ausrufezeichen  Zwinkern 
Böse  Grinsen  Traurig 
Überrascht  Cool  Kuss 
Verlegen  Weinen  schlafen 
denken  lesen  klatschen 
Schutz vor automatischen Mitteilungen:
Schutz vor automatischen Mitteilungen

Symbole auf dem Bild:

 



Anzeigen

Tipp der Woche

CP Newsletter: Neben aktuellen Neuigkeiten für Controller und neueingegangene Fachartikel, informieren wir Sie über interessante Literaturtipps, Tagungen , Seminarangebote und stellen Ihnen einzelne Software- Produkte im Detail vor.
zur Eintragung >>

Preiskalkulation

Preiskalkulation.jpgPreiskalkulation einfach gemacht: Excel-Tool zur Kalkulation Ihrer Preise. Geeignet sowohl im Dienstleistungs- als auch im Industriebereich. Auch zur Preiskalkulation einzelner Projekte anwendbar. Inklusive einstufiger Deckungsbeitragsrechnung. Excel-Tool bestellen >>

RS-Plan

RS-Plan.jpgRS-Plan - Unternehmens- planung leicht gemacht:
Erstellen Sie mit RS-Plan Ihre Unternehmensplanung professionell. Automatische Plan-GuV, Plan-Bilanz, Plan- Kapitalflussrechnung und Kenn- zahlen. Preis: 49,- EUR bestellen >>

WEB-TIPP   

Facebook
   
Twitter
    
RSS Feed  
   
Besuchen Sie die Seite von Controlling-Portal.de auf Facebook und twitter und abonnieren Sie unseren RSS-Feed.