Unternehmenskrisen: Insolvenz muss nicht sein

ReWeCo 2018: Handlungsalternativen zur Bewältigung von Unternehmenskrisen

Unternehmenskrisen: Insolvenz muss nicht sein Im zweiten Stadium einer Unternehmenskrise, der Strategiekrise, folgen falsche strategische Entscheidungen, weil Die Unternehmensführung technologische oder Marktentwicklungen falsch eingeschätzt hat. In den Zahlen zeigt sich jedoch noch keine Krise. Das gilt auch für das dritte Stadium, die Produkt- und Absatzkrise, die von sinkenden Margen gekennzeichnet ist.

Jetzt folgt das vierte Stadium, die Erfolgskrise. Hier klingeln in den Zahlenwerken des Unternehmens die Alarmglocken. So beschrieb Henning Werner in seinem Vortrag "Handlungsalternativen zur Bewältigung von Unternehmenskrisen" auf der ReWeCo 2018, zu der der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) im April 2018 nach Leipzig eingeladen hatte. Meist reagierten Unternehmen im vierten Stadium mit hektischen Einsparungen, erklärte Werner. Dieses Cost Cutting verschaffe zwar Zeit, löse aber die Probleme des Unternehmens nicht.

Außergerichtliche Sanierung als Alternative zur Insolvenz


Henning Werner ist Professor für Restrukturierung und Sanierung an der Hochschule Heidelberg und leitet dort das IfUS-Institut für Unternehmenssanierung. Außerdem arbeitet Werner im Wissenschaftlichen Beirat des Fachverbands Sanierungs- und Insolvenzberatung des BDU mit sowie im Herausgeberbeirat der Fachzeitschrift "Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung (KSI)".

Im Endstadium gerät das Unternehmen in die Liquiditätskrise, in der sich die Insolvenz kaum noch verhindern lässt. Nur wenn die Unternehmensführung die Krise rechtzeitig erkennt, kann es durhc eine außergerichtliche Sanierung, die Insolvenz abwenden, sagt Werner und zitiert Studien, die belegen, dass Unternehmenskrisen mindestens ein Jahr vor Eintreten der Liquiditätskrise absehbar sind. Mit Hilfe eines externen Beraters oder Mediators, mit gesundem Menschenverstand und regelmäßiger Kommunikation ließe sich manche Insolvenz abwenden.

BVBC-Ehrenpreis für Henning Werner


Allerdings steht das Unternehmen dann vor der nächsten Hürde. Henning Werner: "Die Gläubiger müssen meist einen Beitrag leisten." Sprich: Kapitalgeber oder Geschäftspartner müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das Problem dabei: "Es wird noch kein Handlungsdruck erkannt. Die Zahlen laufen der Krise hinterher", gibt Werner zu Bedenken. Für seine Mitwirkung an dem Buch "Modernes Sanierungsmanagement: Sanierungskonzepte, Finanzinstrumente, Insolvenzverfahren, Haftungsrisiken, Arbeitsrecht und Verhandlungsführung" erhielt Henning Werner den Ehrenpreis der BVBC-Stiftung, gesponsert vom Verlag Vahlen.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 26.04.2018
Geändert: 27.07.2018 11:30:45
Autor:  Wolff von Rechenberg
Bild:  panthermedia.net / Christos Georghiou