ReWeCo 2018: Der Controller landet mit im Knast

Wenn Controller sich an Bilanzbetrug beteiligen, können sie dafür mit haften

ReWeCo 2018: Der Controller landet mit im Knast Umgekehrt formulierte es Harald Krehl: "Wer heute Bilanzen fälschen will, der muss etwas davon verstehen." Krehl ist Steuer- und Bilanzexperte sowie Mitautor des Buches "Bilanzskandale: Delikte und Gegenmaßnahmen".

Mehrere darin beschriebene Fälle stellte er kurz dar: Den Aufstieg und Niedergang der Möbelfirma Schieder etwa, die nicht rechtzeitig den Standortwechsel vom billigen Polen ins noch billigere Asien vollzogen hat und ihre Probleme in einem Geflecht von Überbewertung von Lagerbeständen, fiktiven Verkäufen und erschlichenen Krediten zu verschleiern versucht. Der Stofftierhersteller NICI, bekannt durch das Maskottchen Goleo der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, hat sich an eben diesem knuddeligen Tierchen final verhoben, nachdem man zuvor schon Einbrüche im amerikanischen Markt verzeichnet hatte. Das Unternehmen sucht sein Heil in fiktiven Rechnungen.

Der spanische Telekommunikationsanbieter Lets GOWEX schließlich erfindet in seiner Not gar seinen größten Kunden und wirtschaftet quasi von einer Tasche in die andere. Krehls Resümee: Immer sitzt der Chefcontroller mit im Boot. Dessen Expertise habe die Fälle erst möglich gemacht. Dass Bilanzskandale auch in Deutschland oft über Jahre unentdeckt bleiben, liege an einer deutschen Eigenart, erkärt Krehl: "Wir sind in Deutschland Kapitalflussrechnung nicht gewohnt." So hätten im Falle von Schieder und von NICI die Alarmglocken beim Betrachten des Cashflows aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit klingeln müssen.
  
Aber auch logische Systemprüfungen anhand von Stichproben seien wichtig, um Schummelei aufzudecken. So hätte es gereicht, wenn sich im Fall von Schieder einmal ein Wirtschaftsprüfer bei einer der angeblich rechnungsstellenden Speditionen erkundigt hätte, ob die Möbeltransporte tatsächlich stattgefunden haben. Im Falle von GOWEX hätte eine Prüfung der Website des größten Kunden, der Firma SeaSunTel, genügt. Sie hatte dieselbe IP-Adresse wie die GOWEX-Homepage.

In allen von Krehl zitierten Fällen, begleitete der Controller seinen Chef auf die Anklagebank und schlimmstenfalls auch in den Knast. Wo Finanzfachkräfte im Unternehmen auf illegale Tricksereien stoßen, sollten sie ihren Chef – dokumentierbar – darauf hinweisen und sich genau überlegen, ob sie sich daran beteiligen wollen, warnte Rechtsanwalt Christian Lange in seinem Vortrag über dolose Handlungen und Arbeitsrecht. Wo Straftatbestände im Raum stünden, könnten Arbeitnehmer sich nicht mehr darauf berufen, dass sie lediglich Weisungen befolgt haben. Dabei komme es natürlich immer auf den Einzelfall an, schränkte Lange ein. 

 Die ReWeCo 2018 endete am Samstag, 21. April 2018, in Leipzig.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 20.04.2018
Geändert: 06.07.2018 11:20:16
Autor:  Wolff von Rechenberg
Bild:  BVBC