Lufthansa: Pilotenstreik durch Missverständnisse im Controlling?

Pilotenstreik bei der Lufthansa: Die Pilotengewerkschaft fordert Lohnerhöhungen für ihre Mitglieder bei Lufthansa und deren Tochter Germanwings. Doch die Milliardengewinne, mit denen die Piloten ihre Lohnforderungen begründen, existieren aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht, erklärt Peter Hoberg, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Worms. In einem Fachbeitrag auf Controlling-Portal.de erklärt er, warum.

"Die Zahlen zeigen deutlich, dass es der Lufthansa in den letzten Jahren nicht gelungen ist, Werte zu schaffen", schreibt Professor Peter Hoberg in seinem Beitrag auf Controlling-Portal.de. Er hat die Kennzahlen der Airline für die Jahre 2011 bis 2015 analysiert und kommt zu dem Schluss: Das Lufthansa Controlling hat zwar genau gearbeitet. Die Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit" hat die Zahlen aber offenbar nicht verstanden. Hoberg kommt in seiner Rechnung nicht auf einen Gewinn von 5 Milliarden Euro für die angegebenen Jahre, sondern auf einen Verlust von 748 Millionen Euro.

Um die kompletten Kapitalkosten sachgerecht abbilden zu können, habe die Lufthansa die Größe EACC (Earnings after cost of capital) etabliert, erklärt Hoberg. Sie ist nach Ertragssteuern definiert. Die Kennzahl EACC betrachte als Kapital nicht nur das Fremdkapital, sondern auch das Eigenkapital. Hoberg: "Wenn das EACC positiv ist, sind alle Stakeholder bedient worden und die Lufthansa hat Wert geschaffen." Die Analyse des EACC ergab: Zwischen 2011 und 2015 machte Lufthansa einen Verlust von 748 Millionen Euro. Verantwortlich dafür ist vor allem das schwache Jahr 2011, in dem die Airline ein Minus von 573 Millionen Euro auswies.

Die Pilotengewerkschaft hat für die Begründung ihrer Lohnforderung den Fünfjahreszeitraum um ein Jahr verschoben. Damit habe sie das schwache Jahr 2011 quasi ausgetauscht gegen eine positive Prognose für das Jahr 2016. Selbst wenn man bei der Prognose vom wirtschaftlich sehr erfolgreichen Jahr 2015 ausgehe, ergäben sich keine hohen Gewinne, erklärt Hoberg. Für 2015 hat Lufthansa ein positives EACC von 323 Millionen Euro ausgewiesen. Hobergs Schlussforlgerung: "Bei der Lufthansa hat in den letzten Jahren im Durchschnitt keine Wertschaffung stattgefunden, so dass die Aktionäre nicht viel Spaß hatten. Insofern stehen auf dieser Seite keine Beträge zur Verfügung, um Gehaltserhöhungen ohne Probleme durchführen zu können."

Erstellt von (Name) W.V.R. am 24.11.2016
Geändert: 16.03.2018 13:05:52
Autor:  Wolff von Rechenberg
Bild:  Ingrid Friedl / Lufthansa
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16.12.2016 19:58:49 - Mike

0. "...die letzten 5 Jahre 5 Milliarden Euro Gewinn..." Diese 5 Mrd. beziehen sich, wie man es aus dem Text liest, aus dem Ebit 2011..2015 laut der ersten Tabelle. Was hat das Ebit mit einem "Missverständnis im Controlling" zu tun? Ebit als Kennzahl des ext. ReWe nach IFRS versus Controlling als (Teil des) int. ReWe? Andererseits ist EBIT auch nicht gleich Gewinn, also eine falsche Aussage von Leuten, die es eigentlich wissen müssten. Die Summe der Eat von ~ 3 Mrd. wäre offensichtlich richtiger. 1. in der Aussage zu 0. wurde nichtmal um ein Jahr verschoben. Das angeblich so schlechte Jahr 2011 ist mit einem Ebit von 734 Mio. € trotzdem in den 5 Mrd. enthalten. 2. Die Verschiebung im Betrachtungszeitraumes um ein Jahr wäre trotzdem durchaus legitim. Hier sollen schliesslich Löhne für die Folgejahre ausgehandelt werden. Wie in den meisten Planungsrechnungen kann auch hierbei auf die Prognosewerte des laufenden Jahres und nicht nur auf die IST-Werte des letzten abgelaufenen Wj/Gj's aufgesetzt werden. 3. Natürlich sind die Erhöhungen der Rückstellungen für Pensionen im Eat enthalten, wie sonst sollte die Lufthansa diese sonst in die Bilanz bekommen? Per Umwandlung von EK oder Lohnverbindlichkeiten??? 4. Das an die Anteilseigner ausschüttbare Ergebnis wird nach allen Kosten aus dem Gewinn (Eat) ermittelt. Die Einführung einer konzern-eigenen "Hilfsvariable" namens Eacc ist zwar ein Argument in den Lohnverhandlungen, aber bei weitem keine Diskussionsgrundlage. Interessiert die IG-Metall derartige Kennzahlen bei den Verhandlungen mit den ebenfalls im globalisierten Wettbewerb stehenden Unternehmen? Auch andere AGs müssen ihren Aktionären eine "vernünftige" Dividende anbieten. 5. "(so dass die Aktionäre nicht viel Spaß hatten)" Seit wann geht es um Spaß? Wenn, dann geht es um [U]Freude[/U] an der höheren Entlohnung des angelegten Kapitals. Spaß ist, wenn man drüber lachen kann ("Einen Spaß machen"). Der Aktionär bekommt, was übrig bleibt. Ohne den Produktionsfaktor Arbeit gäbe es nämlich gar nix. Das ist so, als würde hier der Schwanz mit dem Hund wedeln wollen, erst der Aktionär und dann darf die Arbeitskraft zusehen wo sie bleibt. Ist der Brachial-Kapitalismus tatsächlich schon soweit bei uns eingedrungen? Kein Wunder dass die "Sozialdemokraten" nix mehr zu melden haben. Eine ziemlich einseitige Sicht, die Dr. Hoberg hier niederschreibt.
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