CIB 2016: Digitalisierung einmal mehr im Fokus

CIB 2016: Digitalisierung einmal mehr im Fokus Die CIB 2016 gab ihren rund 150 Besucher vor allem Mahnungen mit auf den Weg. Denn Entwicklungen im Digitalbereich verliefen nicht linear, sondern exponentiell, erklärte Jäckle. Allein in den vergangenen zwei Jahren seien mehr Daten produziert worden als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Zum PC gesellte sich erst vor kurzer Zeit das Smartphone. Heute gebe es weltweit mehr Smartphones als Zahnbürsten, führte der Henkelmanager in seinem Vortrag weiter aus.

Jetzt stoßen Autos, Kühlschränke und Waschmaschinen als Datenproduzenten dazu. Das treibt nicht nur die Datenmengen in die Höhe. Auch die Art der Daten habe sich verändert. "Wir sind auf gewachsen mit strukturierten Daten", sagt Jäckle. Darunter verstehen wir Daten, die gezielt von vornherein unter einer bestimmten Fragestellung gesammelt wurden. Das hat sich verändert. Jäckle: "Der Großteil der Daten, die wir heute produzieren sind unstrukturierte Daten." Diese Daten nutzbar zu machen, ist Aufgabe des neuen Bereichs "Business Analytics".

Data Scientist sucht Fragen
 
Der neu entstandene Data Scientist gibt mit seinen Business Analytics nicht nur die Antwort auf eine Frage, die das Unternehmen zuvor gestellt hat. Er durchforstet unstrukturierte Daten aus dem Finanzwesen, aus Sensoren in Maschinen, aus sozialen Netzwerken und aus Web Analytics auf der Suche nach neuen Fragen. Im Idealfall verbessere dies das Kundenverständnis, erklärte Jäckle. Allerdings sei man auch nicht sicher vor fehlerhaften Interpretationen. Jäckles Warnung an die Controller: "Retrospektive Analysen werden in Zukunft von Computerprogrammen ersetzt."

Wie Big Data den Kundenkontakt verbessern kann, stellte der Berliner IT-Berater Thorsten Jekel an einem Beispiel dar. Dass eine Kundenverwaltung einen Kundenberater daran erinnert, dass er einen Kunden wieder einmal kontaktieren müsste, ist gewohnt. Doch aus der Analyse anderer Datenbestände könnten Programme heute schon voraussagen, welcher Kontaktweg die besten Chancen auf einen Abschluss verspricht: E-Mail, Telefon oder soziale Netzwerke. Technisch sei es heute schon möglich, dass Computer gemeinsame Kontakte in sozialen Netzwerken erkennen, erklärte Jekel. Daraus könne Software dann eine vorformulierte E-Mail für den Kundenkontakt erstellen und mit Terminvorschlag an den Kunden schicken.

Eine Ehe aus Liebe hält länger

Die Folgen für das Berufsbild des Controllers fasste ICV-Vorstand Matthias von Daacke zusammen der Director Controlling beim Küchenausstatter Blanco rief die Controller dazu auf, mehr Zeit für die Beschäftigung mit der Zukunft aufzuwenden als für Analysen der Vergangenheit. Der Controller müsse sich zum Planer von Analyseprozessen verändern und darüber Managementprozesse mitgestalten. Der Erfolg wird dabei nach von Daackes Meinung davon abhängen, wie gut sich der Controller gegenüber anderen Abteilungen mitteilen und sie für seine Ziele gewinnen kann. Von Daacke: "Eine Ehe aus Liebe hält länger als eine Zweckehe."

Windows 3.11 in den Werkshallen
 
Kommt es also einzig auf Tempo an? Können wir den industriellen Mittelstand mit seinen oft eingefahrenen Strukturen bald im Museum anschauen? Nein, meinen Nils Herda und Stefan Ruf. Die beiden Professoren an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen hatten in einer Studie Startups und Hidden Champions verglichen. Unter Hidden Champions verstehen die Wissenschaftler industrielle Mittelständler, die zu den Weltmarktführern in ihrer Branche zählen, der Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt sind. Die Wissenschaftler sehen in der Studie zwar großen technischen Innovationsbedarf im Mittelstand. Immerhin liefen in den Werkshallen auch heute noch Computer mit Windows 3.11 oder MS-DOS. Im traditionellen Mittelstand werde es darauf ankommen, den technischen Rückstand aufzuholen, dabei aber auch die Mitarbeiter mitzunehmen, mahnte Herda. Die seien bisher gewohnt, zu funktionieren. Jetzt müssten sie aber lernen, kreativ zu werden.

Die moderneren, agileren Startups können jedoch auch von den Hidden Champions lernen. Deren Strukturen seien oft stabiler und leistungsfähiger. Vor allem im Controlling könnten die Startups vom Mittelstand lernen, erklärte Ruf. Das bestätigte der Berliner Controlling-Trainer Manfred Grotheer. Er hat schon vielen Startups zum Wachstum verholfen und oft auch zum Exit. Zum Verkauf des Unternehmens an einen Großinvestor. Auch Grotheer nannte als Problemfeld bei Startups die Strukturen im Unternehmen, die meist auf die Personen der Gründer zugeschnitten seien. Doch zu den Managementaufgaben zählt Grotheer auch das Controlling. So sei die gesamte Planung eine Controllingaufgabe.

Investoren fragen nach KPIs

Das sei wichtig, um Investoren zu finden, erklärte Grotheer. Investoren verlangten vor einer Entscheidung Key Performance Indicators (KPI), an denen sich das Potenzial des Startups messen lässt. Wie sich ein Startup ans Controlling herantastet, berichtete Thorsten Sabel. Er ist Mitgründer von Customer Alliance in Berlin, einem Anbieter für Feedback- und Reputationsmanagement in der Hotelbranche. Er beschrieb, wie er und seine Mitgründer mit Hilfe von externen Spezialisten nach und nach ein Controlling im Unternehmen eingeführt hatten.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 14.11.2016
Geändert: 01.09.2017 10:26:22
Autor:  Wolff von Rechenberg
Bild:  panthermedia.net / lassedesignen