Operationelles Risikomanagement

Wie fit ist Ihr Unternehmen? - Die strengen Basel-II-Richtlinien stellen viele Unternehmen vor neue Hürden, etwa wenn es um Bewertungs- und Finanzierungsfragen geht. Eine Hilfestellung bietet dabei das operationelle Risikomanagement – ein umfassendes Analyse- und Bewertungsverfahren, das auch die Überwachung und Simulation der Risikofaktoren sowie die Planung von Maßnahmen und Strategien ermöglicht. Diese gesamtheitliche Betrachtung von Unternehmen entwickelt sich immer deutlicher zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Die Ereignisse der vergangenen Wirtschaftskrise haben gezeigt, wie rasch und intensiv die virtuelle Finanzwelt auf die Realwirtschaft Einfluss nehmen kann. Haben aber die Unternehmen aus diesen Erfahrungen gelernt? Sicher ist nur, dass sich solche Ereignisse jederzeit wiederholen können, und dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfter sind als zuvor. So haben etwa die Banken ihr Verhalten geändert und versuchen nun, die typischen Risiken aus Finanzierungsgeschäften, aber auch ihre Eigenkapitalkosten auf die Kunden abzuwälzen – etwa durch höhere Zinsen, schwache Unternehmensbewertungen oder auch gänzliche Ablehnung eines Finanzierungsantrags. Diese Entwicklung belastet speziell jene Unternehmen, die keine gute Bonität vorweisen können und bereits mit Wettbewerbs-, Preis- und Kostendruck zu kämpfen haben. 

Unternehmer, die sich aber nur mit Markt und Kosten beschäftigen, vernachlässigen die objektive, umfassende Sicht auf die eigene Organisation. Damit setzen sie sich dem erhöhten Risiko aus, übergreifende Probleme und deren Auswirkungen falsch einzuschätzen oder zu bewerten. Denn für den Erfolg und Wettbewerbsvorteil ist beispielsweise auch entscheidend, ob die Organisationsstruktur und strategischen Ziele überhaupt zueinander passen, oder ob die Struktur noch zeitgemäß ist. Stillstand in sich laufend ändernden Umweltbedingungen, kann das Ende des Unternehmens bedeuten. 

Basel II verschärft das Klima

Ein Grund für das restriktive Verhalten der Banken ist, dass die Geldinstitute die Basel-II-Richtlinien im vollen Umfang anwenden müssen. Damit sind nun auch für das Rating und die Unternehmensbewertung wesentlich mehr Faktoren zu berücksichtigen als zuvor. Standen bisher die quantitativen Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Umsatzrendite, Eigenkapitalrendite, Debitorenlaufzeiten oder Kapitaldienstfähigkeit im Mittelpunkt der Bewertung, werden mit Basel II auch qualitative Aspekte wie Marktanalyse, Wettbewerbspositionierung, Transparenz der Planung, Kundenkenntnis, Risikomanagement und Managementfähigkeit herangezogen. Viele Unternehmer kennen aber diese Kriterien nicht und können sich daher auch nicht ausreichend und richtig auf ein Gespräch mit ihrer Bank vorbereiten. Zudem dürfen die Banken unter Basel II selbst wählen, welche der anerkannten Rating-Systeme und -Kriterien sie zum eigenen Vorteil einsetzen. 
Klassische Unternehmensberatung greift zu kurz

Unterstützung bei der Unternehmensbewertung liefern in der Regel Unternehmensberater. Typischerweise analysieren diese die Geschäftsprozesse, betrachten einzelne Faktoren – beispielsweise die Finanzdaten – und erstellen dann in mühevoller Arbeit komplexe Kennzahlenanalysen. Die Resultate sind aber meist nur für den Berater selbst verständlich, der Unternehmer hingegen ist am Ende der Beratung genau so schlau wie vorher. Mit den Kennzahlen lassen sich weder übergreifende Zusammenhänge transparent darstellen, noch strategische Empfehlungen definieren. Es ist wesentlich zielführender, das Unternehmen als ganzheitliches System zu betrachten, in dem verschiedene Elemente und Prozesse (etwa Management, Auftragslage oder Finanzwesen) sowie Abhängigkeiten existieren, die zudem einem raschen Wandel ausgesetzt sind. Ebenso müssen die Unternehmen ihre operationellen Risiken – wie Produktrisiken, Datenverlust, Betrug durch Mitarbeiter oder falsche strategische Entscheidungen – einschätzen können, um ein optimales Risiko-/Ertragsverhältnis zu erzielen.

Fokus ganzheitliche Unternehmensanalyse

Ein ideales Werkzeug, um eine umfassende Sicht auf die Organisation und ganzheitliche Analyse zu erhalten, ist das Operationelle Risiko Management (O.R.M.). Der Ansatz durchleuchtet nicht nur interne Faktoren wie Management, Organisation und Auslastung, auch die Finanzdaten aus dem Rechnungs- und Berichtswesen oder das Überziehungsverhalten fließen in die Bewertung ein. Operationelles Risikomanagement bedeutet auch „Risiko sichtbar zu machen“. So lassen sich die relevanten Risiken, Veränderungen und Zusammenhänge in Organisationen dokumentieren, visualisieren und bewerten. Daraus können Maßnahmen erarbeitet werden, um die ermittelten Risiken zu minimieren oder eliminieren. Darüber hinaus deckt O.R.M. gezielt ineffiziente Prozesse, Kosteneinsparungspotenziale und Marktchancen auf und hilft so, die Performance des Unternehmens nachhaltig zu steigern.

Gleichzeitig liefert das System auch die Kennzahlen für die Unternehmensbewertung, das Liquiditäts- und das Forderungsmanagement. Damit sind alle von Basel II verlangten Faktoren in der Bewertung berücksichtigt beziehungsweise dokumentiert und können etwa bei Finanzierungsanfragen der Bank vorgelegt werden. Zusätzlich lässt sich mit O.R.M. die eigene Organisation kritisch hinterfragen sowie auch eine Prognose von künftigen Geschäftsentwicklungen erstellen.

Erfolg trotz Risiko

Risiko bedeutet also nicht nur Gefahr, sondern eröffnet auch Chancen, welche die Grundlage jedes erfolgreichen Geschäftes darstellen. Das Unternehmen ist allerdings gefordert, Risiken gezielt abzuschätzen, um ein optimales Verhältnis aus Risiko und Ertrag zu erreichen. Die meisten Unternehmen sind sich dieser Notwendigkeit bewusst, suchen aber noch nach einer passenden Lösung für die Entscheidungsgrundlage. Operationelles Risikomanagement als strategischer Erfolgsfaktor liefert wertvolle Unterstützung um die Unternehmensleistung zu steigern, die Organisation strategisch auszurichten und rasch effiziente und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.


Basel II und die Banken

Der Begriff Basel II steht für die Neuregelung des Bankaufsichtsrechts. Er bezeichnet Vorschriften zur Absicherung der Eigenkapitaldecke der Banken, um eigene Insolvenzen durch Kreditausfälle zu vermeiden. Das übergreifende Hauptziel ist die Sicherung des internationalen Finanzsystems. Deshalb wird zukünftig das Risiko für den Kreditgeber (Bank) nicht mehr alleine aus den Bilanzen des Kreditnehmers errechnet, sondern auch aus zukünftig zu erwartenden Ergebnissen sowie internen (operationeller) und externen Risiken. Das Rating spiegelt die zu erwartende Unternehmenssituation wesentlich genauer wider als bisherige Bewertungen und erlaubt eine individuellere Zinsgestaltung. Gleiches gilt für den in Zukunft nötigen Eigenkapitalbedarf der Banken, der zwischen 1,6 und 12 Prozent liegen darf. Das bedeutet: Kredite für gut bewertete Unternehmen werden günstiger; bei einem schlechten Rating werden die Kredite teurer oder überhaupt nicht gewährt. Damit ermöglicht Basel II sowohl eine neue Kostenbelastung für Unternehmen mit schlechtem Rating als auch neue Chancen für gute Kreditnehmer, die nun entlastet werden.


Über Acclivis GmbH

Die Acclivis GmbH berät erfolgreich seit 2008 nationale und internationale Kunden. Das Unternehmen mit Sitz in Hohenems operiert in den strategischen Geschäftsfeldern Operative Unternehmensberatung, Interims Management und Unternehmensbeteiligung. Ziel ist es, das vorhandene Potenzial innerhalb einer Organisation zu erkennen und zu nutzen, um die Leistung und Effizienz im Unternehmen zu steigern, vorhandene Risiken zu minimieren und Kosten zu senken.

letzte Änderung S.R. am 04.09.2019
Autor(en):  Dipl. Bw. Massimo Verza
Quelle:  Acclivis GmbH

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