Flexible Plankostenrechnung

Um herauszufinden, ob geplante Kosten, sogenannte Plankosten, nicht überschritten wurden, werden in der Plankostenrechnung Soll-Ist-Vergleiche durchgeführt. Vorhandene Abweichungen müssen analysiert und beseitigt werden. Es wird in zwei Arten der flexiblen Plankostenrechnung unterschieden: Dabei handelt es sich um Plankosten auf Vollkosten- und Grenzkostenbasis (= Teilkostenbasis).

Flexibel bedeutet, dass die variablen Kosten an eine Veränderung der Beschäftigungsmenge angepasst werden können. Die geplanten Kosten heißen hier Sollkosten und sind diejenigen Kosten, die unter Annahme wirtschaftlicher Ressourcenausnutzung bei einer bestimmten Ist-Beschäftigung anfallen dürfen.(1) 

Ursachen

Ursachen für Abweichungen von Ist- & Sollkosten können z.B. Preisänderungen, abweichende Verbrauchsmengen aber auch eine veränderte Beschäftigungsabweichung sein. Preisabweichungen, die auch durch Wechselkursschwankungen zustande kommen, muss die Abteilungsleitung nicht verantworten. Hingegen hätte sie Abweichungen im Verbrauch verhindern können. Fehler können dabei in einer schlechten Personal- oder Fertigungsplanung sowie bei Qualitätsänderungen entstehen. (2) 

Eine dritte Fehlerquelle ist die Beschäftigungsabweichung. Sie tritt nur bei einer nicht angemessenen Verrechnung der Fixkosten in der flexiblen Plankostenrechnung auf.

Folgende Formeln helfen bei Berechnungen von Abweichungen:

Beschäftigungsabweichung Sollkosten      - verrechnete Plankosten

Verbrauchsabweichung = Istkosten - Sollkosten

Gesamtabweichung = Istkosten - verrechnete Plankosten

verrechnete Plankosten = Stückkosten * Istmenge

Sollkosten = fixe Kosten + var. Stückkosten * Istmenge

Grenzkostenrechnung

Bei der flexiblen Plankostenrechnung auf Grenzkostenbasis werden die variablen von den fixen Kosten getrennt. Die fixen Kosten werden fest übernommen und nicht weiter auf die Beschäftigungsmenge verrechnet. Daher werden nur für variable Kosten Plankosten ermittelt. Aus diesem Grund kennt die Grenzkostenrechnung keine Beschäftigungsabweichung.(3)


Beurteilung

Der Vorteil liegt darin, dass die Mängel der Vollkostenrechnung beseitigt wurden. Bedeutend ist an dieser Stelle die Erkenntnis, dass verrechnete Fixkosten nicht mehr nachvollziehbar sind. Weiterhin gibt die Grenzkostenrechnung bessere Kosteninformationen preis.


Rechenbeispiel zur Abweichung

   
Planmenge = 10.000 Stück

Gesamtkosten = 150.000 €

Fixe Kosten = 30.000 €

variable Kosten = 120.000 €

Die variablen Kosten enthalten einen Aufsatz, der fertig bezogen wird. Dieser wird mit 2,50 € geplant.
Tatsächlich sind folgende Mengen und Kosten angefallen:


   
Istmenge = 7.500 Stück

Istkosten = 160.000 €

Aufsatz = 3,00 €

Für die Berechnung der Verbrauchsabweichung werden Sollkosten sowie verrechnete Plankosten benötigt. Die Sollkosten betragen 120.000 €. Wie aus der Formelsammlung ersichtlich, wird gerechnet:


   
Sollkosten = fixe Kosten + variable Stückkosten * Istmenge

Sollkosten = 30.000 € + 12 € / Stück * 7500 Stück

Sollkosten = 120.000 €




Die verrechneten Plankosten belaufen sich auf 112.500 €. Sie setzen sich aus den gesamten Stückkosten (15 € / Stück) plus der tatsächlich angefallenen Beschäftigungsmenge zusammen.
Die Beschäftigungsabweichung beträgt folglich 7.500 €.


Bei der Verbrauchsabweichung werden die Abweichungen der Preise berücksichtigt. Der Preis für den fertigen Aufsatz ist um 0,50 € höher als der Planpreis. Auf die Istmenge bezogen, ergibt sich eine Preisabweichung von 3.750 €. Dieses Produkt wird anschließend von der Verbrauchsabweichung subtrahiert. Das Ergebnis der Abweichung lautet 36.250 €.


Ob die Berechnungen richtig sind, lässt sich anhand der Gesamtabweichung herausfinden. Diese beträgt gemäß Formel 47.500 €. Auch das Addieren der Beschäftigungs- / Verbrauchs- und Preisabweichung bringt dasselbe Resultat hervor.


Übungen und Aufgaben zur flexiblen Plankostenrechnung finden Sie Artikel Klausuraufgaben: Kostenrechnung mit Lösungen >>




Quellen:
(1) Vgl. Kostensteuerung kompakt, R. C. Rickards, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008, S. 33.
(2) Vgl. Bereichscontrolling, U. Schäffer / J. Weber, Schäffer-Poeschel Verlag, 2005, S. 106.
(3) Vgl. Einführung in das Controlling, U. Schäffer / J. Weber, Schäffer-Poeschel, 2006, S. 141.


letzte Änderung Sarah Denzin am 16.09.2019

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Literaturhinweise

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19.02.2016 20:35:15 - Gast

Ich glaube in folgendem Satz ist Ihnen ein Fehler passiert: Für die Berechnung der Verbrauchsabweichung werden Sollkosten sowie verrechnete Plankosten benötigt. Die Sollkosten betragen 120.000 €. Wie aus der Formelsammlung ersichtlich, wird gerechnet: Hier müsste es heißen: Für die Berechnung der "Beschäftigungsabweichung" werden......
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