Beschäftigungsabweichung

Wenn die Istbeschäftigung von der Basisplanbeschäftigung abweicht, kommt es zu der so genannten Beschäftigungsabweichung (BA), die sich durch die folgende Formel berechnen lässt:

BA = verr. Kp - Ks

Durchaus üblich ist auch die umgekehrte Definition der BA: BA = Ks - verr Kp. Für welche Art der Definition man sich entscheidet, ist unerheblich. Wichtig ist, dass man sich an die einmal gewählte Art hält und diese auch bei der Definition der übrigen Abweichungen konsequent beibehält.

Bei der in diesem Beitrag gewählten Definition kann man die folgenden Aussagen treffen:

Beispiel:

Es wird beabsichtigt, in der nächsten Periode 5.000 Einheiten vom Produkt x herzustellen, die Basisplanbeschäftigung (BPB) beträgt also 5.000. Bei BPB erwartet man insgesamt Kosten von 20.000 € (Plankosten Kp), von denen 5.000 € fix sind.

Aus diesen Angaben lässt sich die Kostenfunktion (in der Plankostenrechnung Sollkosten Ks genannt), herleiten:

Ks = 5.000 + 3x

Ebenso kann der Plankostenverrechnungssatz (PKVS) ermittelt werden:

Skript09-03-01.gif

Nach Ablauf der Betrachtungsperiode stellt man fest, dass z. B. aufgrund eines Maschinenausfalls oder Krankheit des Maschinenbedieners, oder eines Engpasses auf dem Beschaffungsmarkt tatsächlich nur 4.000 Outputeinheiten hergestellt wurden.

Kalkuliert wurde das Produkt allerdings unter der Annahme, dass 5.000 Einheiten hergestellt werden könnten. Aufgrund dieser Annahme sind 4 € Kosten pro Outputeinheit verrechnet worden (in die Kalkulation eingeflossen). Wenn tatsächlich nur 4.000 Outputeinheiten produziert wurden, sind insgesamt

4.000 * 4 = 16.000 €

an Kosten auf die Produkte verrechnet worden. Die verr Kp betragen also bei 4.000 Outputeinheiten:

Skript09-03-02.gif

Die Höhe der Sollkosten ergibt sich aus der folgenden Berechnung:

Skript09-03-03.gif

Nun lässt sich die Beschäftigungsabweichung bestimmen:

Skript09-03-04.gif

Anmerkung: Der Begriff "Beschäftigungsabweichung" ist irreführend: Was BA genannt wird ist eine Kostenabweichung. Diese Kostenabweichung hat lediglich ihre Ursache in einer Abweichung der Istbeschäftigung von der Basisplanbeschäftigung.


Die im Beispiel beschriebene Situation wird in der folgenden Grafik dargestellt:

Skript09-03-05.gif

Unser Beispiel wird nun wie folgt geändert: Nach Ablauf der Periode wird festgestellt, dass insgesamt 6.000 Outputeinheiten hergestellt wurden. Ermittlung der BA:

Skript09-03-06.gif

Grafische Darstellung der neuen Situation:

Skript09-03-07.gif

Die Beschäftigungsabweichung ist eine Folge davon, dass der Plankostenverrechnungssatz bei der Vollkostenrechnung fixe und variable Kosten enthält und infolgedessen auch die fixen Kosten wie proportionale verrechnet werden, wenn die Istbeschäftigung von der Planbeschäftigung abweicht. Es entsteht eine Überdeckung, wenn die Istbeschäftigung höher und eine Unterdeckung, wenn die Istbeschäftigung niedriger ist als die Planbeschäftigung.

Ein weiteres Beispiel:

Bei einer Basisplanbeschäftigung von 800 Einheiten sind fixe Kosten von 2.000 € und variable Kosten von 8.000 € geplant. Tatsächlich produziert wurden dann in der Betrachtungsperiode nur 600 Einheiten. Wie hoch ist die Beschäftigungsabweichung?

Die Plankosten bei Basisplanbeschäftigung betragen:

Kp = Kf + Kv = 2.000 + 8.000 = 10.000

Hieraus lässt sich der Plankostenverrechnungssatz bestimmen:

PKVS = Kp / Basisplanbeschäftigung = 10.000 / 800 = 12,5

Mithilfe des Plankostenverrechnungssatzes lässt sich die Höhe der verrechneten Plankosten bei Istbeschäftigung bestimmen:

verr. Kp = Istbeschäftigung * PKVS = 600 * 12,5 = 7.500

Im nächsten Schritt muss nun die Höhe der Sollkosten bei Istbeschäftigung bestimmt werden. Aus der Aufgabenstellung ergibt sich die Kostenfunktion:

Ks = 2.000 + 10x

Hieraus lässt sich die Höhe der Sollkosten bei Istbeschäftigung errechnen:

Ks = 2.000 + 10 * 600 = 8.000

Die Beschäftigungsabweichung ist die Differenz zwischen verrechneten Plankosten und Sollkosten bei Istbeschäftigung:

BA = verr. Kp - Ks = 7.500 - 8.000 = - 500


letzte Änderung E.R. am 26.03.2021
Autor(en):  Dipl. Volkswirt Friedrich Schnepf

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