IAS 8 – Zielsetzung und Anwendungsbereich

Ziel dieses Standards schreibt die Kriterien zur Auswahl und Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie die bilanzielle Behandlung und Angabe von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen sowie Fehlerkorrekturen vor. Der Standard soll die Relevanz und Zuverlässigkeit des Abschlusses eines Unternehmens sowie die Vergleichbarkeit dieser Abschlüsse im Zeitablauf sowie mit den Abschlüssen anderer Unternehmen verbessern.

Auszug aus "Internationales Bilanzrecht - Rechnungslegung nach IFRS (Kommentar)", Verlag: Stollfuß Medien 
  

Zielsetzung (IAS 8.1-2) 

IAS 8.1 
Ziel dieses Standards schreibt die Kriterien zur Auswahl und Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie die bilanzielle Behandlung und Angabe von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen sowie Fehlerkorrekturen vor. Der Standard soll die Relevanz und Zuverlässigkeit des Abschlusses eines Unternehmens sowie die Vergleichbarkeit dieser Abschlüsse im Zeitablauf sowie mit den Abschlüssen anderer Unternehmen verbessern. 

IAS 8.2 
Die Bestimmungen zur Angabe von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden – davon ausgenommen: Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden – sind in IAS 1 Darstellung des Abschlusses aufgeführt. 

Wesentliches Ziel des Standards ist, die Relevanz, Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit der IFRS-Abschlüsse zu verbessern (hinsichtlich der Begriffe „Relevanz“, „Zuverlässigkeit“ und „Vergleichbarkeit“ vgl. F.24-46).

Als relevant sind Informationen einzustufen, wenn sie das Potenzial haben, Entscheidungen zu beeinflussen, indem sie dem Abschlussadressaten ermöglichen, Ereignisse der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu beurteilen oder ihre bestehenden Erwartungen zu bestätigen oder zu korrigieren (F.26). Für eine Ableitung von Prognoseinformationen aus dem Abschluss ist es von großer Bedeutung, dass der Abschlussleser die angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden beurteilen und Auswirkungen auf die Abschlussinformationen, die sich durch Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Schätzungsänderungen oder Fehlerkorrekturen ergeben, erkennen kann. Um zuverlässig zu sein, müssen Informationen frei von wesentlichen Fehlern und Verzerrungen sein und eine glaubwürdige Darstellung der ökonomischen Realität vermitteln (F.31). 

Die Auswahl der anzuwendenden Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden muss nach allgemein gültigen Regeln erfolgen und darf nicht im freien Ermessen des aufstellenden Unternehmens liegen. Für eine zutreffende Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens ist es ferner von großer Bedeutung, dass die Abschlussinformationen eines Unternehmens im Zeitablauf (interne oder innere Vergleichbarkeit) und mit solchen anderer Unternehmen (externe oder äußere Vergleichbarkeit) vergleichbar sind. Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass die angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden im Zeitablauf grundsätzlich beizubehalten sind und der Abschlussadressat bei einer Änderung entsprechende Informationen erhält, um die Auswirkungen auf die Abschlussinformationen beurteilen zu können. 

So trägt die materielle Stetigkeit (Beibehaltung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden) in aufeinander folgenden Jahresabschlüssen zur Verbesserung der Prognosefähigkeit der vergangenheitsbezogenen Abschlussdaten für die zukünftige Unternehmensentwicklung bei.1) Darüber hinaus muss der Abschlussleser zum Zweck der äußeren Vergleichbarkeit insbesondere bei bestehenden Wahlrechten Informationen erhalten, welche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angewendet wurden. Da die Bestimmungen zur Angabe der angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden nicht in IAS 8, sondern im IAS 1 geregelt sind, dient IAS 8 vornehmlich der Verbesserung der inneren Vergleichbarkeit. 


Anwendungsbereich (IAS 8.3-4)

IAS 8.3

Dieser Standard ist bei der Auswahl und Anwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie zur Berücksichtigung von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Korrekturen von Fehlern aus früheren Perioden anzuwenden.

IAS 8.4
Die steuerlichen Auswirkungen der Korrekturen von Fehlern aus früheren Perioden und von rückwirkenden Anpassungen zur Umsetzung der Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden gemäß IAS 12 Ertragssteuern berücksichtigt und offen gelegt.

Der Anwendungsbereich von IAS 8 bezieht sich auf die Auswahl und Anwendung sowie die Änderung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (accounting policies). Nicht vom Anwendungsbereich erfasst sind daher bloße Ausweis- und Zuordnungsänderungen (reclassifications), die in IAS 1.38-39 behandelt werden (→ IAS 1 (2003) Rz. 176 ff.).1) Eine Änderung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden i.S.d. IAS 8 setzt voraus, dass bereits in der Vergangenheit Abschlüsse, die den IFRS entsprechen, aufgestellt wurden. Von IAS 8 erfasst wird die Neuausübung von Wahlrechten ebenso wie die erstmalige Anwendung eines neuen oder geänderten Standards (→ Rz. 134). Die erstmalige Aufstellung eines IFRS-konformen Abschlusses hingegen ist nicht Gegenstand des IAS 8, sondern ist in IFRS 1 geregelt (→ IFRS 1 (2003) Rz. 101 ff.). Darüber hinaus ist IAS 8 nicht anzuwenden, wenn bei der Bewertung der Sachanlagen und der immateriellen Vermögenswerte von der Anschaffungskostenmethode auf die Neubewertungsmethode übergegangen wird (IAS 8.17, → Rz. 129).

Weiterhin sind Änderungen von Schätzungen und Korrekturen von Fehlern in Jahresabschlüssen Gegenstand der Regelungen des IAS 8. Bei der Korrektur von Fehlern ist es unerheblich, ob sie sich auf die Anwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden oder auf Ausweisfragen beziehen. Auch reine Ausweisfehler sind, wenn sie wesentlich sind, nach den Vorschriften des IAS 8 zu korrigieren.

Die Steuerwirkungen einer Fehlerkorrektur bzw. einer rückwirkenden Änderung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind nicht gem. IAS 8, sondern nach den Vorschriften des IAS 12 zu berücksichtigen und offen zu legen (IAS 8.4). Dies bedeutet, dass die besonderen Angaben des IAS 8 im Anhang für eine rückwirkende Änderung der steuerlichen Folgewirkungen nicht erforderlich sind. Vielmehr sind die besonderen Angaben des IAS 12 zu beachten (z.B. IAS 12.80(h)). Dies gilt allerdings nicht, wenn die Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden bzw. die Fehlerkorrektur die latenten Steuern selbst betreffen, so z.B., wenn in einem veröffentlichten Vorjahresabschluss für temporäre Differenzen fehlerhaft keine latenten Steuern gebildet wurden. In diesem Fall sind auch alle Angaben des IAS 8 im Hinblick auf die latenten Steuern zwingend erforderlich.
 



 

 

Internationales Bilanzrecht Rechnungslegung nach IFRS (Kommentar): Der Kommentar erläutert die in europäisches Recht übernommenen IFRS/IAS umfassend, strukturiert, übersichtlich und mit zahlreichen Praxisbeispielen. Die IFRS/IAS werden in sog. Kommentierungseinheiten dargestellt, d.h. der zu kommentierende Standard ist in einzelne oder mehrere zusammenhängende Textziffern untergliedert und wird unmittelbar im Anschluss an die jeweiligen Textziffern erläutert. Autoren: Thiele/ von Keitz/ Brücks, Verlag: Stollfuß Medien

 


Download des vollständigen Beitrages: Leseprobe: Internationales Bilanzrecht Rechnungslegung nach IFRS.pdf

letzte Änderung Professor Dr. Stefan Thiele, Professor Dr. Isabel von Keitz, Michael Brücks am 25.05.2018

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