Neulich im Golfclub: Oh, wie schön ist Panama – für Schwarzgeld

Es war wieder soweit. Nach einer anstrengenden Woche trafen sich die erfolgreichen Unternehmer der Kleinstadt wieder im örtlichen Golfclub, weniger des Sportes wegen, sondern hauptsächlich um unter sich zu sein. Sie saßen im gemütlichen Kaminzimmer und wurden von Ihrer Lieblingskellnerin Pauline bedient. Sie war BWL-Studentin und freute sich immer auf die Unternehmerrunde. Neben den großzügigen Trinkgeldern gab es häufig amüsante Streitgespräche. In deren Verlauf warfen die Unternehmer ihr Praxisferne vor. Sie konnte aber häufig mit neuen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen ganz frisch aus der Vorlesung für Verblüffung sorgen.


Dies war für die erfolgsgewohnten Unternehmer nicht ganz unwichtig, denn als Patriarchen der alten Schule gab es in ihren Unternehmen keine ausgeprägte Diskussionskultur. Viele ihrer Mitarbeiter hatten sich damit abgefunden, dass der Chef immer Recht hatte und wagten kaum noch, auf Probleme hinzuweisen. Auch deswegen war der Golfclub nützlich, denn von Kollegen konnte man ja Ratschläge (und natürlich Aufträge) annehmen.

Der Ablauf der munteren Runde startete immer gleich. Nachdem jeder unaufgefordert sein Lieblingsgetränk erhalten hatte, wurde gefragt: "Nun, Paulinchen, was hast Du denn diese Woche Besonderes an der Hochschule gelernt?" Meist wurde noch ein Studentenwitz angehängt ("schön, dass Du uns zuliebe schon um 15 Uhr aufgestanden bist").

 Dieses Mal war jedoch alles anders. Aufgeregt unterhielt man sich über die neuesten Enthüllungen hinsichtlich der Briefkastenfirmen in Panama. Im Mittelpunkt der Empörung stand der Finanzberater Ferdi Fuchs. Er nutzte normalerweise die edle Runde, um provisionsträchtige Verträge abzuschließen.

In den letzten Jahren war sein Geschäft allerdings schlechter gegangen, seitdem die Unternehmer erfahren hatten, welche Provisionen aus ihren Beiträgen zu Lebens- und Rentenversicherungen abgezweigt wurden. Daher hatte er sich mehr auf die Vermittlung von Geschäften in sicheren Steueroasen konzentriert.

 Erstaunlicherweise hatten sich auch einige eigentlich seriöse Unternehmer in ihrer Gier nach Steuerersparnissen darauf eingelassen. Klar, dass sie nun den Tag ihrer Entscheidung verfluchten. Der Hauptvorwurf eines Betroffenen war: „Aber Du hast doch gesagt, das wäre bombensicher.“ Er hatte jede Menge Schwarzgeld nach Panama geschafft, natürlich versteckt in einer ausgehöhlten Tigerente.
Einige andere Teilnehmer waren außerordentlich unruhig, weil sie fürchteten, dass auch ihnen immer stärker eine Enttarnung drohte. Selbst wenn sie kein Geld nach Panama gebracht hatten. Tröstend stellte Pauline ihnen ihr Lieblingsgetränk auf den Tisch. Aber das half kaum.

Um abzulenken behauptete Ferdi Fuchs: "Pauline, solche wichtigen Dinge besprecht ihr an der Uni wohl nicht, oder?"

Doch Pauline konnte kontern: "Ganz im Gegenteil, Herr Fuchs, wir haben das Thema Panama unter vielen Aspekten durchleuchtet. Besonders spannend fand ich, wie unser Prof. die Frage behandelt hat, ob man so etwas machen sollte." Das stieß auf allgemeines Interesse, zumal einige Teilnehmer sich selbst fragten, wieso sie sich auf so etwas hatten einlassen können: "Also dann erzähl mal Paulinchen, was man dazu an der Hochschule denkt."

Pauline führte aus: "Unser Prof. sagt, eigentlich müssten die Reichen von sich aus zu der Überzeugung kommen, dass sie alle Steuern zahlen müssen. Das wäre der deontologische Ansatz von Kant. Aber auch diejenigen, die rein nach Nützlichkeitsüberlegungen – also ohne Moralaspekte – entscheiden wollen, müssten eigentlich davon Abstand nehmen, sobald sie eine sogenannte Szenariobetrachtung angestellt haben."

 "Szenariobetrachung? Was ist denn das für ein neumodischer Quatsch", schallte es ihr entgegen.

Pauline antwortete: "Nun, bei fast allen Entscheidungen braucht man Daten, wie sich wichtige Einflussgrößen entwickeln werden. Leider kann man die nicht genau vorhersagen. Also sollte man auch einmal überlegen, was passiert, wenn sich die Zukunft anders entwickelt als gedacht. Die Steuerhinterzieher hätten somit mindestens zwei Szenarien berücksichtigen müssen: Einmal, dass sie mit der Hinterziehung durchkommen und zum anderen, dass sie enttarnt werden. Dann müssen sie überlegen, welche Verbesserung sie in den jeweiligen Szenarien erreichen. Wenn es gut geht – zumindest aus Sicht der Steuerhinterzieher –, haben sie weniger Steuern gezahlt und können sich einen höheren Konsum leisten. Unser Prof. sagt, dass dieser Vorteil aber sehr klein sei, weil sie ja sowieso schon viel Geld hätten. Ob sie nun eine Million mehr oder weniger haben, macht keinen so großen Unterschied."

 Einige der Teilnehmer stöhnten zustimmend. Ihr ganzes Geld half ihnen wenig, weil die Leber gutes Essen und Alkohol nicht mehr vertrug. Und mehr als ein Auto konnten sie auch nicht gleichzeitig fahren. Pauline fuhrt fort: "Wenn es aber schiefgeht, dann wandern sie hinter schwedische Gardinen und verlieren alles. Bis vor kurzem waren sich die Steuerhinterzieher noch ziemlich sicher, dass sie ungeschoren davonkommen. Aber seit viele Staaten das Problem ernster nehmen, muss eigentlich jeder damit rechnen, erwischt zu werden."

Bauunternehmer Georg Grube wandte ein: "Aber wie will der Staat das denn erfahren?"

Sein Kollegen Mani Mörtel fuhr ihn gleich an: "Noch nie was von Steuer-CDs gehört? Das ist auch ein Geschäft geworden, seit die Länderfinanzbehörden dafür Millionen zahlen."

Nun schaltete sich wieder Pauline ein: "Ja, und zusätzlich muss man die menschlichen Zeitbomben berücksichtigen."

„Was ist denn das“, wollten die Anwesenden wissen. Pauline erklärte: "Die Steuerhinterziehung über Panama geht nicht allein. Man braucht Rechtsanwälte und Banker – daher die hohen Transaktionskosten ab 10.000 Euro aufwärts –, die alle zu Mitwissern werden. Aber die meisten Steuersünder werden von ihren Ehefrauen zur Strecke gebracht, nachdem diese abserviert wurden. Also Finger weg vom Steuerbetrug."

 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass nach diesen Ausführungen die eine oder andere Ehe der Anwesenden länger als geplant halten wird …


letzte Änderung W.V.R. am 19.06.2018
Autor(en):  Dr. Peter Hoberg
Quelle:  panthermedia.net / Jan Pietruszka

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