Gesundheitscontrolling

Mitarbeiter sind - geht man nach den Lobeshymnen vieler Manager - in den meisten Unternehmen die wichtigste Ressource. In erster Linie werden dabei aber Motivation, Arbeitszufriedenheit und –produktivität diskutiert. Vernächlässigt wird in der Diskussion aber in aller Regel die Gesundheit der MitarbeiterInnen als wichtigster Einflussfaktor auf deren Produktivität und die Arbeits- und Leistungsqualität. Probleme wie Rückenschmerzen, Burn-out oder Bore-out entstehen aber nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigen sich durch Signale an.

Ziel dieses Beitrags soll es sein, zu zeigen 
  
Controlling

In der betriebswirtschaftlichen Praxis dominiert heute das systemtheoretisch orientierte  Begriffsverständnis von Controlling als Lenkung und Regelung von Systemen und Prozessen. Control im kybernetischen Sinn ist grundsätzlich die Eigenschaft eines Systems, sich selbst zu regeln, d.h. sich unter Kontrolle zu halten.

Controlling verstehen wir als betriebswirtschaftlich fundierte normen-, strategie-, finanz-, markt-, prozess-, informations- und verhaltensorientierte Regelung in Unternehmen. Zweck des Controllings ist Führungsunterstützung, um gemeinsam vereinbarte Unternehmensziele zu erreichen (transparentes Monitoring). Monitoring meint die laufende, systematische Beobachtung und Überwachung von führungsrelevanten Zielen, Plänen, Prozessen, Situationen und Ergebnissen. Das hat transparent zu erfolgen, d.h. alle Akteure sind in ihrem Entscheidungsfeld über die Position des Unternehmens im Wettbewerb und auf dem Wege der Zielerreichung zu informieren.  

Krankheit versus Gesundheit

Krankheit wird meist dichotomisch verstanden, d.h. als Abwesenheit bzw. Gegenteil von Gesundheit. Hingegen spricht Antonovsky von einem Kontinuum zwischen den beiden Extremen, der als vollkommen empfundenen Gesundheit einerseits und dem Gefühl absoluter Krankheit andererseits.  

Die heutige (schul-)medizinische Forschung ist vorwiegend darauf ausgerichtet, die Funktionen des Körpers zu optimieren. Krankheit wird weitgehend als Funktionsstörung und Organ-schwäche verstanden. Demgemäß wird die Heilkunde nach Organen gegliedert.

Eine umfassendere Sicht, Krankheit zu sehen und ihre Ursache/n zu erkennen, ist die Ganzheitsmedizin. Jede/r, der ein Leiden im Zusammenhang mit Lebensweise, Ernährungsgewohnheiten sieht, ist Ganzheitsmediziner. Dazu bedarf es primär keines Arztes, jede/r sollte zunächst sein eigener Ganzheitsmediziner sein.  

In den letzten Jahren kam es aufgrund der angespannten Arbeitsmarktlage zu einem Rückgang der Krankenstandsfälle im Unternehmen sowie der durchschnittlichen Dauer von Krankenständen.  1997 lag die Zahl der Krankenstandstage pro 1.000 Erwerbstätige (Angestellte und Arbeiter, ohne pragmatisierte Bedienstete) noch bei 13.178; 2007 lag der Wert bei 12.039 und 2009 bei 12.602 Krankenstandstage auf 1.000 Erwerbstätige. 2009 betrug die durchschnittliche Dauer eines Krankenstandsfalls 11,3 Tage bei den männlichen und 10,7 Tage bei den weiblichen Erwerbstätigen. Verletzungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen waren die häufigsten Ursachen.    

Die Metastudie von Fissler 2008 zeigt folgendes:


Präsentismus heißt, dass Beschäftigte darauf verzichten, sich krank zu melden, obwohl sie sich krank fühlen und ein Arzt mit hoher Wahrscheinlichkeit Arbeitsunfähigkeit bescheinigen würde. Er tritt vor allem im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen, wiederkehrenden Erkrankungen (z.B. Allergien), chronischen Schmerzen (z.B. Kopfschmerzen) und psychischen Erkrankungen (z.B. Depressionen) auf.  

Während bei Krankheit die Produktivität der MitarbeiterIn entfällt, liegt bei Präsentismus eine reduzierte Produktivität gegenüber der Normalleistung vor.


Gesundheit

In einer ganzheitlichen Sicht ist Gesundheit die Resultierende folgender Faktorenbündel (siehe Abb. 1):
 
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Quelle: Hurrelmann, Gesundheitspsychologie – Eine Einführung in sozialwissenschaftliche Theorien von Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung, 5. Aufl., Weinheim 2006

Gesundheit selbst ist kein eindimensionaler Begriff, so lassen sich z.B. mentale und physische Gesundheit unterscheiden. Die Komplexität des Themas steigt, wenn auch mit Gesundheit verwandte Begriffe wie Fitness, Wellness und körperliche Ertüchtigung bzw. (sportliche) Aktivität in die Überlegungen mit einbezogen werden.  

Fitness umfasst körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden und äußert sich in höherer Widerstandsfähigkeit gegenüber Stressfaktoren bzw. in gesteigertem Leistungsvermögen. Wohlbefinden ist idR das Ergebnis eines aktiven Lebens und gesunder Verhaltensweisen. [...]
 
Die Autoren:




Siller H.jpg Mag. Dr. Helmut Siller, MSc., Jg. 1958, ist seit  2006 Lektor und Bereichsleiter Rechnungswesen und Controlling am Institut für Unternehmensführung der FHW-Studiengänge der WKW in Wien. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind u.a. Buchhaltung und Bilanzierung, Kostenmanagement, Controlling, Reporting und Unternehmenskriminalität. Zudem ist er nebenberuflich Lektor für Controlling am FH-Studiengang Internationale Wirtschaftsbeziehungen  in Eisenstadt, Österreich und war von 1993 bis 2006 als Division Controller in einem internationalen Papiergroßhandelskonzern beschäftigt.

Dr._Stierle_Bild_100x150.jpg Dr. Jürgen Stierle ist Geschäftsführer der Unternehmens-beratung Stierle-Consulting. Er ist gelernter Industriekaufmann und studierte an der Fernuniversität Hagen Wirtschaftswissenschaft und Psychologie und schloss als Diplom-Kaufmann ab. 2005 wurde er mit einer Arbeit über Korruptionsbekämpfung promoviert. Weiterbildungsschwerpunkte waren Führung, Pädagogik, Identifizierungspolitik, Sozial -und Organisationspsychologie, Revision und Projektmanagement. Seine Beratungs- und Trainingsschwerpunkte finden sich in den Bereichen Unternehmensführung, Personal und Kommunikationsmanagement.


Die Publikation erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung des Linde Verlags und erschien in ursprünglicher Fassung  in CFO aktuell Juni 2011 Nr. 03.


Download des vollständigen Beitrages: Gesundheitscontrolling.pdf

letzte Änderung S.D. am 18.09.2019
Autor(en):  Helmut Siller / Jürgen Stierle

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