„Regulierungsrisiken und ihre Auswirkungen auf die Kapitalkosten von Unternehmen in liberalisierten Märkten. Einflussgrößen und Konsequenzen für die Entgeltregulierung“, heißt die Habilitationsschrift von Dr. Burkhard Pedell vom Institut für Controlling an der Universität Stuttgart. Die Jury des Österreichischen Controller-Instituts entschied sich für diesen Preisträger, weil seine Habilitationsschrift ein hoch aktuelles Thema – die Liberalisierung verstaatlichter Märkte – aufgreift und wesentliche Handlungsanleitungen vorstellt.
Neue Herausforderungen für liberalisierte Märkte
Ehemals typisch verstaatlichte Branchen sehen sich seitens der EU-Kommission und ihrer Liberalisierungsbestrebungen einem zunehmenden Privatisierungsdruck ausgesetzt. Damit erhält die Problematik des Festsetzens vom Entgelt im Zusammenhang der Regulierung des Zugangs neuer Konkurrenten zur Infrastruktur der etablierten Unternehmungen (z.B. ein neuer Telekommunikationsanbieter benötigt Teilnehmeranschlussleitungen des ehemaligen Monopolisten) eine verstärkte Bedeutung. Um im Spannungsfeld zwischen „Vermeidung systematischen Überrenditen“ und „Schaffung bzw. Erhaltung langfristiger Investitionsanreize“ eine Balance zu finden, bietet sich eine an den Kosten orientierte Entgeltregulierung an. Da bei den betroffenen Infrastrukturleistungen die Kapitalkosten klar den überwiegenden Anteil an den Gesamtkosten ausmachen, ist ihre Bestimmung von zentraler Bedeutung beim Festsetzen des Entgelts.
Ermittlung der Kapitalkosten anhand der Buchwerte
Die Arbeit von Dr. Pedell spricht sich für eine Kapitalkostenermittlung anhand der Buchwerte – womöglich nach der Tagesgebrauchtwertmethode – aus, womit es bei einer konsistenten Regulierung nicht zu systematischen Abweichungen zwischen Marktwert und Buchwert kommen sollte. Weiters werden in der Arbeit Gestaltungsvariablen von Regulierungssystemen in drei Kategorien systematisch erfasst und daraufhin analysiert, inwiefern sie das Risiko einer regulierten Unternehmung beeinflussen. Die Ergebnisse der Arbeit sind sowohl für Regulierungsbehörden als auch für regulierte Unternehmen in Branchen wie Telekommunikation, Post, Strom, Gas, Wasser und Abwasser, Straßen- uns Schienenverkehr, Flughäfen und Flugsicherung, Häfen usw. relevant. Sie liefern Anhaltspunkte, um Kapitalkostenunterschiede zwischen regulierten Unternehmen zu erklären bzw. unterstützen bei der Ermittlung eines angemessenen Kapitalkostensatzes im Regulierungsverfahren. Ein Teil der Ergebnisse kann auch bei der Entgeltermittlung bei Public Private Partnerships verwendet werden.
Bedeutendster Preis für betriebswirtschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum
Der Österreichische Controllerpreis ist Anfang der 80-er Jahre von Prof. Dr. Rolf Eschenbach, dem Gründer und wissenschaftlichen Leiter des Österreichischen Controller-Instituts ins Leben gerufen worden. Der Preis soll dazu beitragen, dass sowohl die wissenschaftliche Anerkennung als auch der praktische Nutzung von Controlling in der Öffentlichkeit stärker akzentuiert und anerkannt wird. Denn Controlling als Planungs- und Regelungssystem ist im deutschsprachigen Wirtschaftsraum eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Der Verein Österreichisches Controller-Institut hat sich seit mehr als 25 Jahren zum Ziel gesetzt, die Entstehung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse auf den Gebieten Controlling, Rechnungswesen und Unternehmensführung sowie deren Publizität stark zu fördern.
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Erstellt am: 09.12.2005
Autor:
reimus
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