Als im Sommer das chinesische Containerschiff ankam, waren die 500 Geländewagen innerhalb von 5 Minuten verkauft. Keiner der Käufer kümmerte sich bei einem Preis von 16.000 € um die Qualitätsunterschiede zu einem deutschen Geländewagen. Nahezu unbemerkt vom deutschen Verbraucher überschwemmen chinesische Waren die heimischen Märkte. Von Textilien bis Elektroartikel bieten chinesische Unternehmen Produkte zu absoluten Dumpingpreisen an, und machen chinesische Arbeitskräfte den deutschen Arbeitskräften zu einem ungleich geringeren Arbeitslohn Konkurrenz.
Moderne Unternehmen reagieren auf diese Entwicklungen mit Investitionen in ihr Humankapital, in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter. Sie versuchen so, durch eine höhere Qualität ihrer Produkte und eine höhere Produktivität der Mitarbeiter ihre Wettbewerbssituation zu verbessern.
Bildungscontrolling – die neue Wunderwaffe?
Bildungscontrolling erweist sich in dieser schwierigen Situation zunehmend als wichtigstes Instrument, die Wettbewerbssituation der deutschen Unternehmen zu verbessern. Mit Bildungscontrolling versuchen die Unternehmen schlechte von guten Weiterbildungsseminaren zu unterscheiden, die Lernprozesse ihrer Mitarbeiter zu effektivieren und sich noch individueller auf ihre Kunden einzustellen. Dabei lassen sich in modernen Unternehmen vier Trends beobachten:
1. Alles wird in Frage gestellt
2. Der Kunde steht im Mittelpunkt
3. Bildungsbedarfsanalyse via „eConferencing“
4. Vor dem Seminar ist nach dem Seminar
Alles wird in Frage gestellt
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Zufriedenheit der Teilnehmer und der Trainer das Maß aller Dinge waren. Weiterbildung muss heute zählbare Erfolge zeigen. Die Rendite einer Investition in eine Bildungsmaßnahme und damit in das Humankapital ist entscheidend. Zu diesem Zweck werden alle angebotenen Seminare – egal wie erfolgreich sie in der Vergangenheit waren - in Frage gestellt.
Der Kunde steht im Mittelpunkt
Letztendlich zahlt „König Kunde“ die Arbeitslöhne der Mitarbeiter eines Unternehmens. An seinen Wünschen haben sich alle Fortbildungsmaßnahmen eines Unternehmens zu orientieren. Die zukünftigen Kundenwünsche werden in enger Kooperation zwischen der Weiterbildungsabteilung und der Marketingabteilung erfasst.
Bildungsbedarfsanalyse via „eConferencing“
Nicht die Weiterbildungsabteilung diktiert die Inhalte zukünftiger Weiterbildungsseminare, sondern Vorgesetzte und Bildungsverantwortliche aus den betrieblichen Funktionsbereichen leiten aus den ermittelten Kundenwünschen direkt den zukünftigen Bildungsbedarf ab. Dazu werden „eConferenzen“ mit bis zu 300 Mitarbeitern einberufen. Über Laptops sind alle Teilnehmer untereinander und mit dem „eModerator“ live in einem Raum verbunden. Auf diese Weise entstehen Weiterbildungskonzepte, die wirklich zu den eigenen Kunden und dem eigenen Unternehmen passen. Das ist das Ende des Weiterbildungsgeschäftes nach dem „Katalogprinzip“.
Vor dem Seminar ist nach dem Seminar
Weiterbildung kann in diesem Sinne nur wirksam sein, wenn die Vorgesetzten auch die Voraussetzungen schaffen, dass Mitarbeiter ihr neu erworbenes Wissen in die betriebliche Praxis umsetzen können. Um dies festzustellen und um zu sehen, ob ein Mitarbeiter, der ein bestimmtes Seminar besuchen soll, überhaupt bereit ist, sich fortzubilden, wurde ein neuartiges Testverfahren entwickelt. Der „M.E.N.T.A.L.-Test“ stellt bereits vor einem Seminar sicher, dass die Bildungsinvestition gut angelegt ist. Sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Seminarbesuch nicht gegeben, wird der Mitarbeiter gar nicht erst eingeladen.
Diese und weitere neue Entwicklungen diskutieren Personalleiter und Personalentwickler am 13. und 14. September 2005 im Rahmen des „3. deutschen fachkongresses für Bildungscontrolling“, der zeitgleich mit der Messe „Zukunft Personal“ in Köln stattfindet. Weitere Information zum umfangreichen Programm können über eMail angefordert werden: mgust.abf@t-online.de. Anmeldungen sind vor Ort oder unter l.langendoerfer@messe.org möglich.
Aktuelle Neuerscheinung zum Thema: Handbuch Bildungscontrolling, M. Gust, Prof. Dr. R. Weiß (Hrsg.), Ottobrunn, September 2005
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Erstellt am: 08.09.2005
Autor:
reimus
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