CSR-Instrumente spielen im Bereich Finanzen und Controlling nur eine untergeordnete Rolle

Deutsche Unternehmen sind im Hinblick auf Corporate Social Responsibility (CSR) gut aufgestellt – in erster Linie auf dem Papier. Laut den Ergebnissen einer Befragung unter Konsumgüterindustrie- und Handelsunternehmen haben soziale und ökologische Standards insbesondere in der Unternehmens-PR einen hohen Stellenwert. In der Praxis verhalten sich viele Unternehmen jedoch vor allem bei der externen Überprüfbarkeit ihrer Standards zögerlich.

Vergleichsweise hoch im Kurs stehen Maßnahmen zur Ressourcen- und Energieeffizienzsteigerung – mit direktem Einfluss auf die Produktionskosten. So nutzen 86 Prozent der befragten Unternehmen Umweltmanagementsysteme und über 70 Prozent wenden Reportingstandards wie Global Reporting Initiative (GRI) an. Ein Schwachpunkt ist Carbon Footprinting: Abgesehen von technischen Problemen befürchten viele, dass eine starke Thematisierung zu einer gesetzlichen Vorgabe führen könnte. 

„Zuerst die gute Nachricht: Alle befragten Unternehmen geben an, grundsätzlich CSR-Instrumente und -Prinzipien über alle Bereiche der Wertschöpfungskette anzuwenden. Besonders häufig sind diese in der Produktion verankert, wo sie für energieeffiziente und umweltfreundliche Produktionsmethoden sorgen. Auffallend ist jedoch, dass trotz des vorgeblich hohen Stellenwerts von CSR die entsprechenden Verantwortlichen nicht in Führungspositionen zu finden sind“, erklärt Hans-Jürgen Pirenz, Partner Consumer Business bei Deloitte.

Unternehmensreputation ist am wichtigsten

Höchste Motivation für den Einsatz von CSR-Instrumenten ist die Unternehmensreputation. Wichtig ist den Umfrageteilnehmern überdies, den Anforderungen von NGOs, Gesetzgeber und Kunden zu entsprechen sowie die vorhandenen Innovationspotenziale zu nutzen. Nicht zuletzt spielt auch die persönliche Überzeugung der Befragten eine zentrale Rolle. Weniger wichtig sind hingegen Erwartungen von Analysten und Aktionären.

Im Unterschied zu Produktion und Öffentlichkeitsarbeit spielen CSR-Instrumente im Bereich Finanzen und Controlling nur eine geringe Rolle – unter anderem deshalb, weil der ROI für die meisten Befragten nicht messbar ist. Insgesamt ist CSR als verbindlicher betriebswirtschaftlicher Entscheidungsfaktor nicht integriert. 

Im Einkauf liegt der Schwerpunkt vor allem bei den sozialen Faktoren wie der Einhaltung von Menschenrechten und Mindestarbeitsstandards seitens der Zulieferer. Hauptmotivation ist hier die Angst vor Skandalen und der Beschädigung des Unternehmensimages. Über 80 Prozent der Befragten führen umfangreiche externe Audits mit ihren Lieferanten durch. 

In der Forschung und Entwicklung fällt vor allem die Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von nachhaltigkeitsorientierten Zuschüssen auf. Am wichtigsten ist für die Befragten hier die Vermeidung kontroverser und die Reduzierung toxischer Stoffe bei der Produktentwicklung. Weit weniger Wert legen sie auf Ergebnisse im Bereich des Product Carbon Footprinting – einerseits, weil dieses zurzeit technisch nur schwer realisierbar scheint, und andererseits, weil die Besorgnis vorherrscht, Carbon Footprinting könnte zur verbindlichen gesetzlichen Vorgabe werden.

Scheu vor unabhängigen Zertifikaten

Zwar gibt die Mehrheit an, großen Wert auf die maßgeblichen CSR-Standards zu legen, doch ist gleichzeitig eine erhebliche Abneigung erkennbar, diese von Dritten zertifizieren zu lassen. So veröffentlichen zwar 86 Prozent der Unternehmen CSR-Berichte, jedoch lassen davon nur 29 Prozent diese unabhängig prüfen − während andere ausdrücklich darauf verzichten. Ähnlich sieht es bei der Einhaltung von mitarbeiterorientierten Mindeststandards aus: Lediglich 57 Prozent verpflichten sich zur verbindlichen Einhaltung von Grundrechten nach International Labor Organisation (ILO) Standard, 43 Prozent halten sich an die Personalvorgaben nach dem Standard for Social Accountability SA8000.

Ein weiteres Beispiel findet sich beim Marketing: Hier bevorzugen die Unternehmen bei der Verbraucheransprache eindeutig die Verwendung eigener Label und Gütesiegel, während beispielsweise das Fairtrade Label, das EU Ökolabel sowie die Rainforce Alliance von nur einem Drittel der Befragten für ihre Marketingstrategien verwendet werden. Der Blaue Engel kommt sogar nur bei 15 Prozent zum Einsatz. Begründet wird der Verzicht auf Labels, die mit externen Kontrollen verbunden sind, zumeist mit den damit zusammenhängenden Kosten. 

„Das Bild, das die Untersuchung ergab, ist zwiespältig: Einerseits bekennen sich nahezu alle Unternehmen zu CSR und publizieren entsprechende Berichte. Andererseits ist das Prinzip noch längst nicht in die gesamte Wertschöpfungskette integriert. Die Unternehmen müssen lernen, CSR als grundsätzlichen Paradigmenwechsel zu verstehen. Neben der Definition einer unternehmensweiten CSR-Strategie einschließlich spezifischer, wertschöpfungsrelevanter Ziele sind auch ein kontinuierliches Change Management sowie die fortwährende Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse essenziell. Eine Zertifizierung durch unabhängige Stellen kann helfen, den Eindruck zu vermeiden, dass CSR vorwiegend ein Thema für Hochglanzbroschüren ist, das in der Praxis eher klein geschrieben wird“, kommentiert Hans-Jürgen Pirenz.
 

Die komplette Studie finden Sie hier zum Download >>

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