Break Even Point der Integration am Beispiel der Unternehmensplanung

Welchen Nutzen stiften und welche Probleme schaffen die vollintegrierten Gesamtsysteme?

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die ersten Standardsoftwaresysteme entwickelt, die Lösungen für Teilaufgaben ermöglicht haben. So wurden eigenständige Systeme für die Finanzbuchhaltung, Fakturierung und Materialwirtschaft entwickelt. Eine weitere Dekade später kamen die ersten PPS-Systeme auf den Markt. Dabei handelte es sich jeweils um „Insellösungen“, die nicht integriert waren und in periodischen Batchläufen die Ergebnisse auf Papier zur Verfügung stellten.

Die PPS-Systeme wurden damals auch kritisch als Papier-Produktions-Systeme bezeichnet. Da die Planung meist nach allen Fehlerkorrekturen erst in jener Woche erstellt wurde, für die sie gelten sollte, entstanden somit einerseits nahezu unüberschaubare Berge von Papier, die auf Paletten in die Fertigung transportiert wurden, und die anderseits als Grundlage für die Produktion viel zu spät kamen und daher nur sehr eingeschränkt nutzbar waren.

Die durchgängige Dialogverarbeitung und Integration in die Vertriebs- und Materialwirtschaftssysteme hat einen wesentlichen Schritt zur anwenderfreundlichen Entwicklung beigetragen. Die Integration von „Kernmodulen“ hat die Voraussetzungen für die schnellere und effizientere Abwicklung der Geschäftsprozesse bis hin zum internationalen Supply Chain Management geschaffen.
 

Probleme:


Nach Vollendung der benötigten Integration der Kernmodule hat sich eine Eigendynamik in der Standardsoftwareentwicklung und deren Integration entwickelt. Die erweiterte Funktionalität und Integration wird als Vorteil der Gesamtlösung angepriesen. Dies trifft allerdings für Bereiche, die hohe Flexibilität erfordern, nicht zu. Dazu zählen Aufgaben wie Unternehmensplanung, CRM, Reporting, BI etc.

Für diese Bereiche werden die bei kompletter Integration tatsächlich auftretenden Nachteile ignoriert. Die Weiterentwicklung der Standardsoftwaresysteme der letzten Jahre zeichnet sich einerseits durch eine massive Erweiterung der Funktionalität und anderseits durch eine Ergänzung um zusätzliche Module aus. Diese Erweiterungen haben gravierende Auswirkungen auf die Komplexität der Teilsysteme selbst und deren Integration in ein geschlossenes Gesamtsystem. So wird durch jede zusätzliche Funktionalität innerhalb eines Gesamtsystems die Integration komplexer. Daten werden zusätzlichen Nutzungen unterzogen und dadurch die  Flexibilität in der Nutzung weiter eingeschränkt.

Bei der Einrichtung solcher vollintegrierten Systeme ist auf die gesamten bereitgestellten Integrationen Rücksicht zu nehmen, gleichgültig ob sie benötigt werden oder nicht. Die richtige Nutzung dieser Integration erfordert für die Systemeinrichtung eine durchdachte, vollständige, kundenspezifische Konzeption. Für die Weiterentwicklung muss sichergestellt sein, dass diese im Sinne der Konzeption erfolgt. Beide Anforderungen können von den meisten Unternehmen nicht geleistet werden. Will man in der Planung die Skonti, Provisionen und Boni möglichst korrekt berücksichtigen, muss dies, z.B. bei der ohnehin selten einfachen Realisierung der Provisionsabrechnung, berücksichtigt werden. Sind für die Planung pro Planvariante ggf. unterschiedliche Produktionswerke, Stücklisten, Arbeitspläne, Fremdbearbeitungen und damit Herstellkosten erforderlich, ist eine Verankerung in den Tiefen der Produktionsmodule die Konsequenz.

Alternativ angedachte Unternehmensstrukturen, Organisationseinheiten, Produkte oder Vertriebseinheiten können nicht eingebracht werden, da die Veränderungen im operativen System dieses massiv stören würden. [...]

 


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