Gamification im Controlling: Spielend zum Erfolg?

Spiele können komplexe Probleme lösen helfen - sogar in Excel

Das Spiel motiviert, setzt Kreativität frei und kann Probleme lösen helfen. Unter dem Begriff Gamification beschäftigt die Spieltheorie auch die Controller. Controlling-Portal.de besuchte einen Workshop zum Thema im Rahmen der ControllersLounge in Berlin. 

Schlechte Kommunikation zwischen den Abteilungen? Kein Problem. Veranstalten wir doch einfach in der Mittagspause Blind Dates zwischen den Mitarbeitern der betroffenen Abteilungen. Dieser Vorschlag fand bei den Teilnehmern am Gamification-Workshop der Berliner ControllersLounge besonders viel Zustimmung. Etwa 20 Teilnehmer hatten die Wände des Tagungsraums des Berliner Hotels Mondial mit spielerischen Lösungsvorschlägen zu vier willkürlich gewählten Problemen beklebt. Jeder Vorschlag auf einem Zettel, daran geheftet wiederum Zettel mit Kommentaren und Punkte für die Bewertungen durch die Teilnehmer. 

Pyramiden mit Gamification 

Genau um diese spielerischen Lösungen geht es bei Gamification, was sich etwa mit "Spielifizierung" übersetzen lässt. Gamification wendet spieltypische Elemente in spielfremden Zusammenhängen an. Als Kulturtechnik ist Gamification uralt, erklärt Professor Avo Schönbohm (Foto) von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), der den Workshop im Rahmen der ControllersLounge am 2. November 2015 in Berlin leitete. Allein mit der Peitsche hätten die Pharaonen wohl kaum die Höchstleistungen abrufen können, die nötig waren, um Pyramiden zu errichten. 

In die Motivationstheorie hielt Gamification schnell Einzug. Es zeigte sich: Wenn Lernende – oder auch Mitarbeiter – durch Erfahrungspunkte, Ranglisten oder virtuelle Auszeichnungen stetige Rückmeldung über ihre Erfolge bekommen, arbeiten sie motivierter und kreativer. So machte erst kürzlich der österreichische Lehrer Christian Haschek Schlagzeilen mit spielerischen Elementen in der Benotung. Er bewertet seit 2011 seine Schüler mit Erfahrungspunkten nach dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft" – mit Erfolg. 

Im Spiel mehr Feedback als im Job 

Gegenüber der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" hob Haschek die schnelle Folge der Bewertungen hervor. Wenn der Schüler nur zu Klassenarbeiten feststellen kann, wo er leistungsmäßig steht, könne ihn das verunsichern und demotivieren. Diesen Punkt hebt auch Avo Schönbohm hervor: Gerade Online-Spiele brächten einem Spieler in einer Stunde mehr Rückmeldung als er in einem Jahr vom Chef bekomme, erklärt der Wissenschaftler. 

Weitere Stärken eines Spiels:  
  • Es stiftet Sinn, 
  • es vermittelt ein Gemeinschaftserlebnis, und 
  • es gibt dem Spieler Gestaltungsmöglichkeiten. 

Schönbohm und seine Mitarbeiter erforschen die Anwendung von Gamification im Controlling, insbesondere im strategischen Controlling. Die Ergebnisse hat er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern auch in Unternehmen erforscht. Die Vorteile des spielerischen Problemlösens beschreibt Schönbohm so: 
  • Das Spiel ermögliche eine "partizipative Zukunftsgestaltung". Jeder Teilnehmer bekommt das Gefühl, wichtige Zukunftsentscheidungen mitzubestimmen. 
  • Das Spiel fördert verstecktes – "implizites" – Wissen zu Tage, macht es "explizit". Dies lässt sich nach Schönbohms Erfahrung beispielsweise für die Suche nach neuen Geschäftsmodellen oder nach kreativen Lösungen für bekannte Probleme nutzen.  
  • Das Spiel korrigiert kognitive und gruppendynamische Verzerrungen – Biases genannt. In traditionellen Meetings dominieren oft immer dieselben Meinungsführer. Das Spiel kann zu einer größeren Meinungsvielfalt und zu besseren Unternehmensentscheidungen führen. 

Argwohn gegenüber Spielelementen 

Gamification sei in amerikanischen Unternehmen bereits ein anerkanntes Managementinstrument, sagt Schönbohm. In Deutschland hat sich Gamification noch nicht durch gesetzt. So mangelt es immer noch an aktueller deutschsprachiger Fachliteratur. Den Argwohn zeigt aber auch der Zwischenstand einer Online-Umfrage an der HWR zu Gamification: Ein Drittel der Teilnehmer meint, Gamification passe nicht zur eigenen Unternehmenskultur. Eine spielerische Kultur könne nur in kleinen Schritten ins Unternehmen Einzug halten, berichtet Schönbohm. 

Ob das gelingt, hängt stark an den Führungskräften. Der Teamleiter oder der Chef kann zwar den Verlauf eines Agenda-Meeting mit fester Tagesordnung in allen Details kontrollieren. Das Spiel entzieht sich jedoch seiner Kontrolle: im Ablauf und in den Ergebnissen. Gamification setzt Führungskräfte voraus, die Kontrolle abgeben können, die mit Überraschungen umgehen können. Das erfordert Mut, denn Führungskräfte müssen bereit sein, im Anschluss an die Entscheidungsfindung im Spiel auch Lösungen anzugehen, die vorher nicht absehbar waren. 

Elemente erfolgreicher Gamification 

Gamification will gelernt sein. So nutzten sich Spiele ab, erklärt Schönbohm. Ein Unternehmen, das spielerische Elemente regelmäßig einsetzen möchte, muss also immer wieder neue Spiele oder Varianten erfinden. Hinzu kommt: Bestimmte Elemente von Gamification, die sich in anderen Kulturkreisen bewährt haben, funktionieren im nüchternen Deutschland nicht. So werden Aufwärmübungen vor dem Spiel von deutschen Teilnehmern in der Regel abgelehnt. Als kontraproduktiv erwies sich auch das Aufstellen von Ranglisten. Bei den erfolgreichsten Teilnehmern eines Spiels beobachteten Schönbohm und sein Team oft ein Nachlassen des Eifers. 

Ein Gamification-Konzept in einem deutschen Unternehmen sollte folgende Elemente enthalten.  
  • Ziel und Sinn 
  • Zeitvorgaben 
  • Feste Regeln 
  • Status- und/oder Fortschrittsinformationen 
  • Feedback 
  • Verwendung von vielen visuellen Elementen 
  • Abbau von Hierarchiestrukturen 

Gamification mit Excel 

Letztlich geht es bei Gamification vor allem um die Motivation der Mitarbeiter. Dabei helfen auch kleine spielerische Elemente. So könne ein Agenda-Meeting überraschende Wendungen nehmen, wenn man einfach die Abfolge der Punkte auf der Tagesordnung vor Ort von den Teilnehmern auswürfeln lässt, sagt Schönbohm. Der Workshop im Rahmen der ControllersLounge in Berlin bewies, dass sich selbst Probleme im Verständnis von Excel spielerisch angehen lassen. So schlug ein Teilnehmer vor, in einem Excel-Dokument einen Code zu verstecken. Nur wer ihn findet, kann an der Tabelle weiterarbeiten.

letzte Änderung W.V.R. am 10.02.2016
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Bild:  Controlling-Portal.de / Wolff von Rechenberg

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Der Autor:
Herr Wolff von Rechenberg
Wolff von Rechenberg betreut als Redakteur die Fachportale der reimus.NET sowie das Controlling-Journal. Der gelernte Zeitungsredakteur arbeitete als Wirtschafts- und Verbraucherjournalist für verschiedene Onlinemedien und versorgt seit 2012 die Fachportale der reimus.NET mit News und Fachartikeln.
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Literaturhinweise
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09.11.2015 11:02:05 - Michael R. Grunenberg

Als Veranstalter der ControllersLounge® möchte ich mich nochmals bei Prof. Dr. Avo Schönbohm und seinem Team im Namen der Mitglieder der XING Xpert-Gruppe "Controlling" für den interessanten und kurzweiligen Workshop bedanken.

Das intensive Networking im Anschluß gab Gelegenheit, sich weiter über das Thema auszutauschen.

Die XING Xpert-Gruppe Controlling mit über 31.000 Mitgliedern veranstaltet im gesamten DACH-Rauch abendliche ControllersLounges® zu interessanten Themen rund ums Controlling.

Herzliche Grüße,
Michael R. Grunenberg
[ Zitieren | Name ]

09.11.2015 11:53:51 - wvr

Lieber Herr Grunenberg,

Controlling-Portal.de bedankt sich ganz herzlich für die Einladung zu dem Workshop.

Herzliche Grüße
wvr
[ Zitieren | Name ]
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